Nachtfotografie - Radom und Milchstraße

© Fotograf: Dirk Jonas, Radom und Milchstraße, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten © Fotograf: Dirk Jonas, Radom und Milchstraße, Blende-Fotowettbewerb

„Schätze der Region“ so lautete die thematische Vorgabe eines der sechs Themen, die die Veranstalter von „Blende 2016“ für die 42. Wettbewerbsrunde festgelegt hatten. Jenseits eines Postkartenmotivs ist dem diesjährigen Blende-Teilnehmer Dirk Jonas eine beeindruckende Nachtaufnahme mit dem Titel „Radom und Milchstraße“ gelungen, die einen zweimal hinschauen lässt, weil sie für Außenstehende so realitätsfern scheint.

Dirk Jonas bringt mit seiner Ausführung zur Aufnahme sprichwörtlich Licht ins Dunkle: „Die Wasserkuppe eignet sich sehr gut zum Blick in die Sterne. In einer lauen Sommernacht im August gelang mir dieses Bild der Milchstraße. Einen passenderen Hintergrund für das Radom hätte ich kaum finden können. Da das Bild mit einem 8mm Fischauge entstand, ist der Funkmast, der eigentlich hinter mir stand, mit im Bild und das Bild zeigt die für dieses Objektiv typische Bildfeldwölbung. Dass das Radom rot leuchtet ist das Ergebnis der langen Belichtungszeit von 30 Sekunden und der roten Positionsleuchte auf der Spitze des Funkmastes, die das Radom rot anleuchtet.“

Nur eine lange Belichtungszeit von 30 Sekunden und ein Fisheye-Objektiv reichen natürlich allein nicht aus, damit eine so wirksame Aufnahme von Radom und der Milchstraße gelingt. Wichtig ist auch eine geringe Lichtverschmutzung wie sie auf der Wasserkuppe vorliegt. Je näher man beispielsweise Städten ist, desto mehr Lichtsmog liegt vor und trübt die Sicht auf die Milchstraße, die dann auch nicht so wirkungsvoll eingefangen werden kann.

Ist der Himmel wolkenüberzogen, die Umgebung sehr neblig oder voll mit Smog, hindert dies die freie Sicht auf die Milchstraße. Beste Voraussetzungen, um die Milchstraße fotografisch wirkungsvoll in Szene zu setzen, sind klare Nächte. Aber nicht nur diese. Vereinzelte Wolken können überaus reizvoll sein und ein Foto von der Milchstraße auch interessant machen.

Bei Vollmond braucht man sich aus fotografischer Sicht nicht der Milchstraße hingeben – dann ist es viel zu hell. Die Sternenfotografie sollte nach den Mondphasen geplant werden. Mittels Apps lassen sich die Auf- und Untergangszeiten des Mondes in die Planung einbeziehen. Manchmal geht der vollere Mond tagsüber auf oder erst am frühen Morgen und lässt dunkle Nächte zu.

Voraussetzung für die Sternenfotografie ist eine Kamera, die Langzeitbelichtungen zulässt. Vollformatkameras garantieren qualitativ hochwertigere Aufnahmen und lassen längere Belichtungszeiten zu. Je besser das Rauschverhalten der Kamera ist, desto zufriedenstellender sind die Aufnahmen. Ein Tuch hilft, um das Okular vor Licht abzuschirmen, welches störend in die Kamera gelangen kann. Ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, wie es der Blende-Fotograf Dirk Jonas wählte, ist die Basis und dementsprechend Grundvoraussetzung für die Sternenfotografie. Eine weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl) sammelt schneller mehr Sternenlicht. Ein weitwinkliges Objektiv lässt neben einem größeren Ausschnitt der Milchstraße auch eine längere Belichtung zu. Um helle Ecken auf den Fotos zu vermeiden, hilft es, die Sonnenblende am Objektiv zu befestigen. Die Sonnenblende ist in der Sternenfotografie wichtiger als so mancher auf den ersten Blick denkt – sie spart Zeit. Es ist äußerst mühsam, helle, stark rauschende Ecken nachträglich mittels Bildbearbeitung aus den Aufnahmen zu kaschieren.

Ein Stativ ist bei mehreren Sekunden Belichtung Pflicht. Da bei mehreren Sekunden Belichtung kein Verwackeln passieren soll, ist der Selbstauslöser zu aktivieren oder mit dem Fernauslöser zu fotografieren.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

4 Kommentare

Hallo Andreas, vielen Dank für den sehr guten Kommentar. Da gibt es nichts hinzuzufügen. Prophoto-Team

Prophoto-Team

von Prophoto-Team
08. November 2016, 19:26:34 Uhr

Die Brennweite eines Objektives hat maßgeblichen Einfluss darauf, ob die Sterne in der Aufnahme wie gewünscht als Punkte oder, bedingt durch die Erdrotation während der Belichtung, schon als Striche erscheinen. Mit großer Brennweite zoomst du tief in den Himmel hinein und die relative Bewegung der Sterne im Sucher ist da schon mit bloßem Auge sichtbar. Es gilt hier die 500-er Regel: 500 geteilt durch die benutzte Brennweite ergibt die maximale Belichtungszeit. Bei APS-C-Sensoren muss man deren Cropfaktor (1,6 bei Canon, 1,5 bei Nikon und Sony) ebenfalls mit einrechnen (also noch einmal durch den Faktor teilen). Somit ergeben sich bei Vollformatkameras bei einer Brennweite von 200 mm eine Belichtungszeit von maximal 2,5 Sekunden, bei einer Weitwinkelaufnahme mit 15 mm aber sichere 30 Sekunden. Sollte die Belichtungszeit zu kurz sein, um eine Aufnahme richtig zu belichten, empfiehlt es sich, mehrere Auslösungen zu machen und sie mit einem entsprechenden Programm übereinanderzulegen (stacken). Dabei addieren sich die Lichtwerte.

Andreas

von Andreas
08. November 2016, 15:18:39 Uhr

Kann mir jemand erklären welchen Einfluss die Objektivbrennweite auf die Belichtungszeit hat ? " Ein weitwinkliges Objektiv lässt neben einem größeren Ausschnitt der Milchstraße auch eine längere Belichtung zu."

Wilfried

von Wilfried
05. November 2016, 10:14:29 Uhr

dieser Beitrag ist sehr hilfreich. Ich habe es auch des Öfteren probiert. Leider ist der Rauscheffekt ziemlich groß obwohl ich ISO 100 eingestellt hatte

P. Schumacher

von P. Schumacher
02. November 2016, 15:49:45 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden