Nachtfotografie - Stimmungsvolle Aufnahmen garantiert

© Fotograf: Nicolai brügger, Winternacht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Nicolai brügger, Winternacht, Blende-Fotowettbewerb
Die Wirkung von Motiven hängt von der Jahres-, aber auch der Tageszeit ab, wann sie in Szene gesetzt werden. Viele Motive entfalten ihre visuellen Reize erst mit einbrechender beziehungsweise bei vollständiger Dunkelheit. Aktuelle Kameratechniken, und hier partizipiert man von den Weiterentwicklungen, garantieren Fotografen einen noch größeren kreativen Gestaltungsraum bei noch einzigartigeren Bildqualitäten. In welche Sphären man hier vorgedrungen ist machen Vergleiche eindrucksvoll sichtbar.

Fotoequipment – Grundausrüstung

© Fotograf: Dirk Kerps, Reichsburg Cochem, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Dirk Kerps, Reichsburg Cochem, Blende-Fotowettbewerb
Prädestiniert für wirkungsvolle Nachtaufnahmen sind Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras sowie hochwertige Kompaktkameras, die auch manuelle Einflussnahme zulassen. Pflicht sind ein Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ denn Nachtfotografie heißt Langzeitbelichtung und die gelingt nicht aus der Hand. Um beim Auslösen jegliche Erschütterung der Kamera auszuschließen empfiehlt sich ein Kabel-/Fernauslöser oder die Kamerasteuerung über ein Smartphone beziehungsweise Tablet. Graufilter sind in der Blauen Stunde, also wenn die Sonne untergeht, dann sehr hilfreich, wenn der Himmel abgedunkelt werden soll, der schnell Motive überstrahlen kann. Bei sehr schwachen Lichtbedingungen sollte man an eine Taschen-/Stirnlampe denken – so hat man die Kameraeinstellungen wesentlich besser im Blick. Ist man beispielsweise auf Landstraßen unterwegs, weil man die Lichtspuren von nächtlich vorbeifahrenden Fahrzeugen einfangen möchte, so ist eine Warnweste Pflicht. Ersatzakkus gehören in die Fototasche beziehungsweise in den Fotorucksack ebenso wie genügend Speicherkarten. Wird mit Fernauslöser fotografiert, sollte man auch für diesen die Ersatzbatterien nicht vergessen. Gerade bei langen Belichtungen beanspruchen sie einfach mehr Strom. Auch, wenn es dunkel und mit Sonne wahrlich nicht zu rechnen ist, sollte man die Sonnenblende einpacken. Sie vermeidet den Einfall von Streulicht. Sofern man darüber verfügt, sollte man den Aufsteckblitz ebenso im Gepäck haben. Mit diesem lassen sich Motive, die sich im Vordergrund befinden, wirkungsvoll aufhellen. Besitzer von Kameras mit Wechseloptik sind mit einem Weitwinkel- und/oder leichten Teleobjektiv gut beraten. Ersteres kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ein weiter Bildwinkel, wie bei einer Übersichtsaufnahme, von einer hell erleuchteten Stadt gewünscht sind.

Kameraeinstellungen

Menüprogramm – Manuelle Einstellungen

© Fotograf: Hans-Jürgen Schmidt, Sternenhimmel, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hans-Jürgen Schmidt, Sternenhimmel, Blende-Fotowettbewerb
Je nach Kamera kann der Fotograf die Einstellungen manuell vornehmen oder auch das Menüprogramm „Nacht“ wählen. Oftmals bestehen gegenüber den Kameramenüprogrammen Vorurteile. Heute sind diese jedoch nicht mehr angebracht. Menüprogramme empfehlen sich gerade für Einsteiger, denn so müssen sich über irgendwelche Einstellungen keine Gedanken machen. Profis meiden vielfach Menüprogramme, da ihnen ihre Einflussnahme wichtig ist. Welchen Weg man bestreitet, muss jeder für sich bestimmen und oftmals gibt das fotografische Experiment, also das Spiel mit den Möglichkeiten der Kamera, die Richtung an. Wichtig für überzeugende Nachtaufnahmen sind nicht nur der Blick für mögliche Motive, sondern auch Zeit, was nicht nur in der längeren Belichtungszeit begründet liegt.

ISO-Empfindlichkeit

© Fotograf: Angela Hamm, Brunnen bei Nacht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Angela Hamm, Brunnen bei Nacht, Blende-Fotowettbewerb
Das Rauschen konnte bei einer Vielzahl an neu eingeführten Kameramodellen deutlich reduziert werden, so dass man theoretisch auch mit höheren ISO-Werten fotografieren kann. In der Praxis wird sich jedoch gern für einen niedrigeren ISO-Wert entschieden, da mit jeder Erhöhung die Dynamik sinkt und die Aufnahmen flau wirken. Generell sagt man, dass die ISO-Einstellung nicht über 800 liegen soll. Ein Test im Vorfeld gibt übrigens Aufschluss, ab welcher ISO-Einstellung das Rauschverhalten der Kamera inakzeptabel wird.

Belichtungsmessung

Je nach Kamera stehen unterschiedliche Optionen der Belichtungsmessung zur Verfügung. Im Vorfeld ist es ratsam, sich mit diesen vertraut zu machen, denn nur so verlässt man auch die „Vollautomatik“, die nicht immer weiß, was für den Fotografen bildbestimmend ist.

Auflösung

Ratsam ist die maximal verfügbare Auflösung an der Kamera zu wählen. Nur so hat man den maximalen Spielraum in Sachen Bildbearbeitung sowie Bildausschnitt bei maximal möglicher Bildqualität. Fotos in hoher Auflösung lassen sich einfach verkleinern, ohne dass das Bild an Qualität verliert. Ein vergrößern einer zu kleinen Aufnahme ist jedoch immer mit einem Qualitätsverlust verbunden: Je höher der Vergrößerungsfaktor, umso kleiner wird die Auflösung in ppi.

Dateiformat: RAW oder JPEG?

© Fotograf: Stefan Liebermann, Nacht im Thüringer Wald, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Stefan Liebermann, Nacht im Thüringer Wald, Blende-Fotowettbewerb
Bei den meisten Kameras kann zwischen mehreren Dateiformaten gewählt werden. Die am weitesten verbreiteten Dateiformate sind JPEG (JPG) und RAW. Bei erstgenanntem handelt es sich um ein universelles Bildformat, das von nahezu allen Endgeräten gelesen werden kann. Das JPEG-Format lässt es zu, die gewünschte Aufnahmequalität wählen zu können. Hierbei gibt es die Möglichkeit, die Auflösung und somit die Pixelanzahl zu ändern sowie die Bildqualität einzustellen. Als Nachteil des JPEG-Formats gilt die Komprimierung des Bildes, um die Dateigröße zu verringern und damit den Speicherbedarf zu minimieren. Ein weiteres Manko ist die im Vergleich zum RAW-Format geringere Einflussnahme in Punkto Bildbearbeitung.

Das RAW gilt als das bessere Bildformat – setzt aber anschließende Bildbearbeitung voraus, da es sich hierbei faktisch um ein digitales Negativ handelt, welches die digitalisierten Informationen der einzelnen Pixel beinhaltet. Verschiedene Farbinformationen wie Weißabgleich, Kontrast, Sättigung und vieles mehr, können verlustfrei angepasst und neu berechnet werden. Zusätzlich besitzen RAW-Bilder eine höhere Farbtiefe, was das Anpassen der Helligkeit bzw. Belichtung im gewissen Umfang ermöglicht. Eine Helligkeitsanpassung für eine Korrektur von +/-2EV ist jedoch auch beim RAW Konverter mit einem Qualitätsverlust verbunden. Ein Nachteil des RAW-Dateiformates ist, dass dieses Format in der Regel nur von speziellen RAW-Konvertern gelesen werden kann und anschließend in ein universelles Format wie JPEG oder TIF konvertiert werden muss. Außerdem ist das Datenvolumen eines Fotos im RAW Format erheblich größer als das einer JPEG Aufnahme, da bei einem RAW sämtliche Bildinformationen als Rohdaten abgespeichert werden, um diese auch im Nachhinein noch verlustfrei anpassen zu können.

Einige Kameramodelle lassen es zu, beide Formate gleichzeitig nutzen zu können. Das erhöht zwar den Speicherbedarf, aber man hält sich so alles offen.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2016

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1 Kommentare

Wieder mal ein sachlicher informativer Bericht über einen Bereich der sich mit den fortschreitenden Möglichkeiten der Technik zunehmender Beliebtheit erfreut. Ich bekomme jede Menge an Newslettern die sich mit der Fotografie befassen , dieser hier ist aber der interessanteste ! LG

von Hans Lachmann
12. Oktober 2016, 19:09:20 Uhr

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