Nachtfotografie – Weihnachtszeit, wenn draußen die Lichter glitzern und leuchten

Nachtfotografie – Weihnachtszeit, wenn draußen die Lichter glitzern und leuchten
Die Weihnachtszeit ist die Zeit der Lichter – wahre Kunstwerke von Lichtinstallationen begegnen uns bei unseren abendlichen Streifzügen durch Straßen und Gassen. Ab zirka 16 Uhr können wir uns mit einbrechender Dunkelheit bereits auf Motivjagd begeben. Aktuelle Kameramodelle aus dem Bereich der hochwertigen Kompaktkameras sowie aus den Bereichen der kompakten System- und Spiegelreflexkameras unterstützen uns perfekt in unserem Anliegen, dieses Eldorado wirkungsvoll einzufangen. In welcher Komfortzone wir heute, allein aus kameratechnischer Sicht leben, wird unter anderem augenscheinlich, wenn wir uns den weihnachtlichen Lichtimpressionen hingeben. Wir erzielen mit aktuellen Aufnahmegeräten Bildqualitäten, die im Amateurbereich vor wenigen Jahren schlichtweg undenkbar waren.

Deutschland, so scheint es, ist in der Weihnachtszeit das Land der Beleuchtungskünstler. Nicht nur der leuchtende Schwippbogen aus dem Erzgebirge schmückt so manches Fensterbrett, sondern auch am Balkon herunterhängende Weihnachtsmänner, im Vorgarten stehende Rentiere oder Schneemänner erleuchten die Dunkelheit ebenso wie Lichterketten am Haus oder in Bäumen. Nahezu in jeder Region in Deutschland gibt es funkelnde und leuchtende Highlights, die sogar zu festen Treffpunkten mit Glühwein und Co. geworden sind. Dass da die Kamera nicht fehlen darf, versteht sich ganz von selbst – das Smartphone können wir getrost in der Hosentasche lassen, denn bei diesen Lichtbedingungen liefert es für uns keine überzeugenden Qualitäten.

Zwar raten wir immer, Nachtaufnahmen während der Dämmerung zu machen, also während der „Blauen Stunde“ zwischen Sonnenuntergang und absoluten Dunkelheit, weil dann die Kontraste zwischen Licht und Umgebung nicht so groß sind. Wie wir aber alle wissen, ist das Zeitfenster der „Blauen Sunde“ jetzt in der Winterzeit verdammt kurz, weshalb eine Verlagerung in die absolute Dunkelheit unausweichlich ist. Diese hat aber auch ihre Reize und wir können uns schlussendlich auch die notwendige Zeit für unsere Motive nehmen. Dass Gute an diesen ist, dass sie uns zum fotografischen Experimentieren einladen, denn sie laufen nicht weg und wir haben alle Zeit der Welt, mit den Optionen, die unsere Kamera uns bietet, zu spielen.

Aktuelle Kameras mit ihren diversen Menüprogrammen und der Option, die ISO-Empfindlichkeit zu erhöhen, machen theoretisch das Fotografieren bei Nacht auch ohne Stativ möglich. Wir würden jedoch immer zum Einsatz eines Statives raten, und zwar eines Drei- beziehungsweise Vierbeinstativs wenn nicht gerade in einer Menschenmasse wie auf einem Weihnachtsmarkt fotografiert wird. So ein Stativ entlastet nicht nur die Arme, sondern es lässt auch erst das kreative Spiel mit den Kameramöglichkeiten zu.

Kameraeinstellungen

Nachtfotografie – Weihnachtszeit, wenn draußen die Lichter glitzern und leuchten
Je nach Kamera kann man die Kameraeinstellungen manuell vornehmen oder auch das Menüprogramm „Nacht“ wählen. Heutige Automatikfunktionen liefern sehr gute Bildergebnisse. Anders als noch vor einigen Jahren sollte man also die Automatik nicht verteufeln, allerdings sollte man sie jedoch immer im Blick haben, ob man mit ihr das Optimum herausholt. Grund dafür ist, dass die Kameraautomatik, je nach Modell, durch die Lichtsituation auch in die Irre geführt werden kann. In Kombination mit einer zu hohen ISO-Empfindlichkeit, kann dies dazu führen, dass die Nacht als solches in den Bildern nicht mehr erkennbar ist, weil die Kamera den schwarzen Himmel als grau interpretiert. Dass die Lichtinstallationen durch den fehlenden Kontrast dann nicht mehr so imposant in Erscheinung treten liegt auf der Hand. Sogenannte „flache“ Aufnahmen sind das Ergebnis. Diese lassen sich durch manuellen Eingriff auf einfache Art und Weise vermeiden, indem die Belichtungszeit um ein bis zwei Blendenstufen reduziert wird.

Auch, wenn Kameras zu immer besseren Nachtsichtgeräten mit ihren extremen ISO-Empfindlichkeiten werden, so würden wir davon abraten, diese zu hoch zu wählen. Je nach Kameramodell tritt Bildrauschen auf, das sich in einer sehr körnigen Aufnahme bemerkbar macht und sich für uns negativ auf die Bildqualität auswirkt. Über 800 ISO würden wir nicht empfehlen denn mit jeder ISO-Erhöhung sinkt die Dynamik. Dies hat zur Folge, dass die Aufnahmen flau wirken – und wer will das schon.

A und O ist auch, in der Nachtfotografie die Belichtung im Griff zu haben. Je nach Kamera stehen einem unterschiedliche Optionen der Belichtungsmessung zur Verfügung. Im Vorfeld ist es ratsam, sich mit diesen vertraut zu machen, denn nur so verlässt man gegebenenfalls auch die „Vollautomatik“, die ja nicht immer weiß, was für Sie als Fotografen das Wichtige ist.

Beim Fotografieren in tiefer Nacht sollte keinesfalls auf die dunklen Motivteile belichtet werden. Die Lichter werden sonst total überbelichtet und fressen aus. Empfehlenswerter ist es, einen Bereich für die Belichtungsmessung auszuwählen, der sozusagen beschienen wird.

Gängig bei allen aktuellen Kameras ist für die Ermittlung der optimalen Belichtung die Objektmessung, auch als TTL-Messung (TTL= Through The Lens) bezeichnet. Die Kamera erfasst das Licht, das vom Objekt reflektiert wird. Je nach Kameramodell stehen dann mit der Integral, Mehrfeld- oder Matrix- sowie der Spotmessung grundsätzlich drei verschiedene Messarten zur Verfügung.

Bei der Integralmessung setzt sich der Belichtungswert aus einer Vielzahl von Messpunkten zusammen, die gleichmäßig über das Bildfeld verteilt sind. Der Belichtungsmesser in der Kamera ist auf ein mittleres Grau abgestimmt, das genau 18 Prozent des einfallenden Lichtes reflektiert. Die Integralmessung empfiehlt sich für Motive ohne große Hell-Dunkel-Unterschiede, weshalb sie für die weihnachtlichen Lichtinstallationen nicht unbedingt die erste Wahl ist. Nur, wenn es schnell gehen muss und man keine Zeit hat, sich über die Belichtung große Gedanken zu machen, bietet sich die Integralmessung an.

Eine Weiterentwicklung der Integralmessung ist die Mehrfeld- beziehungsweise Matrixmessung. Hier wird das Bildfeld in mehrere Zonen aufgeteilt, die bei der internen Belichtungsberechnung der Kamera unterschiedlich gewichtet werden. Mit in die Berechnung einbezogen werden – je nach Kamera – auch Objektentfernung, Spitzlichtwerte und die Brennweite des Objektivs. Da die ermittelten Daten mit der in der Kamera gespeicherten Erfahrungswerten aus tausenden Aufnahmen verglichen werden, garantiert diese Messung eine recht genaue Belichtung. Natürlich sind auch mit dieser Messmethode Fehlbelichtungen nicht auszuschließen. Profifotografen stehen der Mehrfeld-/Matrixmessung skeptisch gegenüber, da sie die Belichtungsberechnung oftmals nicht nachvollziehen können.

Die Spotmessung erachten wir als die flexibelste Belichtungsmessart. Hier wird nur ein kleiner Bereich des Bildfeldes gemessen und zur Belichtungsermittlung herangezogen. Anhand einer Markierung in der Mitte des Suchers kann man als Fotograf sein Ziel punktuell anvisieren. Im Zusammenhang mit der Spotmessung trifft man auch noch auf den Begriff Selektivmessung. Beide Messarten unterscheiden sich nur in der Größe des gemessenen Bildbereiches. Bei der Spotmessung beträgt der Messwinkel etwa 2 bis 5 Prozent des Bildfeldes, bei der Selektivmessung ist der Messwinkel größer und liegt etwa bei 8 bis 10 Prozent des Bildfeldes. Ist man im Besitz einer höherpreisigen Kamera, so lässt sich die Messfeldgröße im Kameramenü einstellen. Fotografen, deren Kamera über den Menümodus „Bulb“ verfügt, setzen diesen gern für ihre Nachtaufnahmen ein. Mit dieser Einstellung kann ein Motiv so lange belichtet werden, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Natürlich auch länger als die üblichen 30 Sekunden. Ein Kabelfern- oder Funkauslöser ist hier von Vorteil, da Verwacklungen durch das Gedrückthalten des Auslösers vermieden werden.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2015

3 Kommentare

wieder was dazu gelernt, auf zum Weihnachtsmarkt in die Innenstadt von Aachen und schöne Aufnahmen machen, natürlich beim Lichterglanz. Sehr informativer Artikel.

Jürgen

von Jürgen
09. Dezember 2015, 23:10:04 Uhr

...dem kann ich nur zustimmen...

RoMy

von RoMy
09. Dezember 2015, 12:17:20 Uhr

Schöner Artikel! Macht richtig Lust jetzt zur Weihnachtszeit durch die Straßen zu ziehen und die schönsten Weihnachtsbeleuchtungen ausfindig zu machen, um mit dem Licht zu experimentieren.

Alex

von Alex
09. Dezember 2015, 10:55:48 Uhr

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