Naturfotografie: Erntezeit - Fotozeit

© Blende, Anne Kortstock, Goldene Ernte Bildgalerie betrachten © Blende, Anne Kortstock, Goldene Ernte

Jede Jahreszeit steht für überaus reizvolle Motive – wer diese verpasst, muss ein ganzes Jahr warten, außer er sucht andere Breitengrade auf. Die Erntezeit ist für uns eine solche Jahreszeit, in der man als Fotograf voll auf seine Kosten kommt und die man sich dementsprechend auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte. Zum einen haben wir die landwirtschaftlich genutzten Felder mit Getreide, Gemüse oder aber auch mit Sonnenblumen und Co., die in ihrer Geometrie und dem Farbenspiel es immer wieder wert sind, den Auslöser zu betätigen. Zum anderen beginnt jetzt die Hochsaison der Landwirte, denn es ist Erntezeit mit Mähdreschern und Co., und das mitunter bis tief in die Nacht. Ja, und dann haben wir die bereits abgeernteten Felder, die es auch wert sind, nicht aus dem Fotofokus zu verschwinden. An Motiven mangelt es wahrlich nicht, sie liegen förmlich vor den Füßen – man kann als Fotograf so richtig seiner Sammelleidenschaft nachgehen und tut gleichzeitig auch noch etwas für seine Gesundheit, denn man ist an der frischen Luft. Und solche Aufnahmen von der Erntezeit gehören für uns ebenso in den selbstgestalteten Jahreskalender wie in das Fotojahrbuch. Und den eigenen vier Wänden kann man gerade im Essensbereich sowie in der Küche mit solchen Aufnahmen als Vergrößerungen im XXL-Format neues, sehenswertes Leben einhauchen. Was uns persönlich statt Fliesen auch zusagt, sind Fotos von der Erntezeit hinter Glas als Spritzschutz. Persönlicher und individueller kann man seine Küche quasi nicht gestalten. Und ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass es genau solche Aufnahmen sind, die an einem trüben Tag unsere persönliche Stimmung aufhellen.

Das fotografische Schauspiel der Erntezeit kann prinzipiell vom Smartphone bis hin zur Mittelformatkamera mit jedem Aufnahmegerät eingefangen werden. Für den Schnappschuss und wenn gerade keine Kamera zur Hand ist, dann ist das Smartphone sicherlich besser als nichts. Auch, wenn die Bildqualitäten von Smartphones immer besser werden, so stößt man mit ihnen schnell an die Grenzen des Machbaren und ist natürlich vom Funktionsumfang her sehr eingeschränkt. Hinzu kommt, dass sich die Bilddaten nur in den wenigsten Fällen für Vergrößerungen größer als 20 × 30 cm eignen. In der Dämmerung, sei es nun am Morgen oder Abend, kann man das Smartphone getrost in der Hosentasche lassen, außer man nutzt es beispielsweise zur Fernsteuerung seiner Kamera oder um Sonnenstandsinfos einzuholen. Gerade wenn die Lichtbedingungen nicht optimal sind, dann ist die Smartphone-Bildqualität einfach nicht zufriedenstellend. Dann hat man mit Bildrauschen zu kämpfen, und das macht jede noch so gute Aufnahme zunichte. Lassen Sie sich auch nicht von den Werbeplakaten der Hersteller täuschen – diese sieht man immer nur aus der Entfernung und kleingedruckt ist auf ihnen zu lesen, dass die Aufnahmen für die Größe optimiert wurden.

Wir würden grundsätzlich der hochwertigen Kompaktkamera mit einem großen Zoombereich vom Weitwinkel- bis hin zum Telebereich oder der kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera den Vorzug geben. Bevorzugte Optiken, die für uns zum Einsatz kommen, sind das Weitwinkel- und das Teleobjektiv mit 200 bis 400 mm. Sieht man seinen fotografischen Schwerpunkt in der Erntezeit auch in der Makrofotografie, dann darf das Makroobjektiv natürlich nicht fehlen. Auch, wenn man über ein recht aktuelles Kameramodell verfügt, das mit immer ausgefeilteren Bewegungsstabilisationssystemen aufwartet, so empfiehlt sich dennoch nach wie vor der Einsatz eines Stativs. Hier fällt unsere Wahl ganz klar auf ein Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ. Dieses entlastet nicht nur die Hände und Arme, sondern es wirkt maßgeblich der Handunruhe entgegen. Zudem ist es ein Garant für den gleichen Ausschnitt, wenn zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine Szenerie immer und immer wieder abgelichtet wird. In der Dämmerung, der blauen Stunde oder wenn die Dunkelheit sich ausbreitet, spätestens dann ist ein Stativ natürlich Pflicht. An den Fernauslöser sollte man auch denken. Ein Kamerareinigungsset gehört für uns in jedem Fall in die Fototasche, denn in der Erntezeit kann es mitunter sehr staubig zugehen und da gilt es, die Augen der Kamera auch mal von diesem zu befreien. Ein Ersatzakku darf in der Fototasche ebenso wenig fehlen wie mindestens eine Ersatzspeicherkarte.

Gute Ernteaufnahmen werden für uns nicht in der grellen Mittagssonne gemacht. Tolles Licht versprechen die Morgen- sowie die Nachmittagsstunden und die blaue Stunde. Eine tief stehende Sonne bringt mehr Farbe ins Bild, lässt die Landschaft dramatischer und durch Schatten auch viel plastischer erscheinen als ein Planet, der senkrecht vom Himmel sticht. Wichtig ist, als Fotograf rechtzeitig vor Ort zu sein und dann geduldig auf das richtige Licht zu warten. Hat man die Erntezeit mit Mähdreschern und Co. im Fokus, dann lautet unsere Empfehlung, Kontakt mit dem Landwirt aufzunehmen. Hier geht es weniger um die Erlaubnis, sondern um die Sicherheit. Wenn der Landwirt weiß, wo Sie sich aufhalten, dann wird er Sie auch nicht über den Haufen fahren. Und nun noch ein weiterer Tipp: An die Straßenverkehrsordnung sollte man sich natürlich halten. Lieber sich mit gutem Schuhwerk ausstatten und ein paar Meter laufen als sich mit seinem Fahrzeug auf landwirtschaftlich genutzten Wegen aufzuhalten. Zum einen behindert man damit mitunter die Landwirte und zum anderen kann dies auch ein Bußgeld nach sich ziehen.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2015

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