Naturfotografie - Sonnenuntergänge

© Fotograf: Johann P. Gebhardt, Containerhafen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Johann P. Gebhardt, Containerhafen, Blende-Fotowettbewerb
Sonnenuntergänge üben auf uns alle einen magischen Reiz aus, da können wir sie insgeheim noch so kitschig finden – uns würde etwas fehlen, wenn wir sie nicht hätten. Wir können dementsprechend einfach von der untergehenden Sonne nicht lassen, die es versteht, uns in ihren Bann zu ziehen und den Auslöser nicht mehr stillstehen zu lassen. Natürlich sind die eigenen fotografisch festgehaltenen Sonnenuntergänge immer die schönsten, was sicherlich auch mit unseren Erlebnissen im Zusammenhang steht. So einfach es auf den ersten Blick erscheint, Sonnenuntergänge fotografisch in Szene zu setzen, ist es in Wirklichkeit nicht.

Die schönsten Sonnenuntergänge erleben wir an der Küste. Das hängt nun nicht damit zusammen, dass hier die Sonne anders untergeht, sondern steht beispielsweise im Zusammenhang mit der Fließbewegung des Wassers, aber auch dem Wolkenspiel am Himmel. Für wirkungsvolle Sonnenuntergangsaufnahmen braucht es also mehrere Zutaten.

© Fotograf: Soon-Hee Lim-Teuchert, Wattwanderung im Sonnenuntergang, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Soon-Hee Lim-Teuchert, Wattwanderung im Sonnenuntergang, Blende-Fotowettbewerb
Spektakuläre Sonnenuntergänge sind kaum vorhersehbar und darin liegt auch der große fotografische Reiz. Farbliche Impressionen kommen so schnell, wie sie wieder gehen. Überzeugende Sonnenuntergangsaufnahmen bedingen eine gewisse fotografische Hartnäckigkeit, oftmals sind sogar unzählige Anläufe notwendig, wobei natürlich eine gute Planung schon einmal die halbe Miete ist. So sollten Sie natürlich Informationen über den Stand der Sonne an Ihrem Standort haben. Mithilfe des Internets und speziellen Apps wie beispielsweise „LightTrac“ oder „Sun Scout“ können Sie das im Handumdrehen in Erfahrungen bringen. Sie halten Ihr Smartphone einfach gen Himmel und es zeigt Ihnen die Bahn der Sonne an.

Entscheidend für tolle Sonnenuntergangsaufnahmen ist natürlich der Kamerastandort. Auch, wenn die untergehende Sonne im Mittelpunkt Ihrer Betrachtung steht, beziehen Sie beispielsweise Felsformationen oder ein auf Reede liegendes Schiff im Vordergrund mit ein – das macht Ihre Aufnahme gleich viel interessanter und somit sehenswerter. Gerade wenn Sie erstmalig einen potentiellen Kamerastandpunkt besuchen, sollte dieser mindestens zwei Stunden vor Sonnenuntergang aufgesucht werden, damit Sie alle Ruhe haben, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Denken Sie auch an die Gezeiten mit Ebbe und Flut, nicht dass Sie mit Ihrer Kamera baden gehen.

© Fotograf: Fred Poßner, Sonnenuntergang, der Klassiker, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Fred Poßner, Sonnenuntergang, der Klassiker, Blende-Fotowettbewerb
Sonnenuntergänge können natürlich auch mit Smartphones, die ja als „Immer-Dabei-Kamera“ gelten, festgehalten werden. Wenn man gerade keine Kamera zur Hand hat, dann bleibt einem schlichtweg auch nichts anderes übrig. Smartphones, die mit ihrem Funktionsumfang auch als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichnet werden, sind für den Schnappschuss bestens geeignet. Zu viel darf man von diesen Aufnahmen jedoch nicht erwarten und spätestens wenn die Lichtbedingungen kritisch werden, dann sind Smartphones schnell überfordert und die Aufnahmen alles andere als sehenswert. Da nützt einem auch der schönste Sonnenuntergang nichts mehr. Wenn Sie kreativ Einfluss nehmen möchten, dann sind höherwertige Kompaktkameras mit ihren zahlreichen Features oder Kameras mit Wechseloptik die wesentlich bessere Wahl. Erst die zahlreichen Einstellmöglichkeiten an diesen Kameras, wie beispielsweise die Wahl der Blende und damit das Spiel mit Schärfe und Unschärfe sowie mit der Verschlusszeit bringen Ihr Motiv wirkungsvoll zur Geltung. Aber nicht nur das – Sie haben alle Optionen, kreativ Einfluss zu nehmen und Ihren Aufnahmen somit eine ganz persönliche Note zu verleihen.

© Fotograf: Jürgen Morawetz, Kontraste, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jürgen Morawetz, Kontraste, Blende-Fotowettbewerb
Ob Sie nun mit einer Kompakt- oder einer Kamera mit Wechseloptik fotografieren – ein Stativ ist Pflicht. Wir würden uns für ein Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ entscheiden, natürlich geht auch ein Einbeinstativ. Sofern Sie mit einer Kamera mit Wechseloptik, also einer Spiegelreflex- beziehungsweise kompakten Systemkamera, fotografieren, so würde unsere Entscheidung auf ein Objektiv mit kurzer Brennweite im Bereich von 17 bis 35 mm fallen. Als Kameraeinstellung ist die Zeitautomatik optimal, denn somit haben Sie die volle Kontrolle über die Schärfentiefe. Ist eine durchgängige Schärfe vom Vorder- bis zum Hintergrund gewünscht, ist eine Blende zwischen f/11 und f/16 eine gute Wahl. Der ISO-Wert sollte möglichst niedrig gewählt werden, denn das wirkt sich positiv auf die Bildqualität aus. Empfehlenswert ist auch ein Grauverlaufsfilter von drei Blendenstufen, denn bei Sonnenuntergang übersteigt der Kontrastunterschied zwischen hellem Himmel und dämmrigen Vordergrund schnell den Dynamikumfang Ihrer Kamera. Hat man diesen nicht zur Hand, muss, mittels Bildbearbeitung, zu Hause nachgebessert werden. Achten Sie an Ihrer Kamera auch auf den Weißabgleich. In der Regel liefert der automatische die gewünschten Bildergebnisse. Manchmal ist es jedoch auch ratsam, die Voreinstellung „bewölkt“ zu wählen. Dadurch wird er in Richtung „warm“ verschoben, und das kommt den natürlichen Farben des Sonnenuntergangs zugute. Ist man ein Freund der kamerainternen Filter, so liefern diese beeindruckende und mitunter überaus sehenswerte Effekte. Bei zahlreichen Kameras kann die Einstellung so vorgenommen werden, dass das Motiv mit dem einmaligen Auslösen automatisch hintereinander mit allen zur Verfügung stehenden Effektfiltern aufgenommen wird. Packen Sie genügend Speicherkarten in Ihre Fototasche und auch Ersatzakkus. Und vergessen Sie die Taschenlampe nicht – diese erleichtert Ihnen den Rückweg in der Dunkelheit.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2014

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