Photopraxis - Fliegende kleine Geschöpfe - Naturphotographie mit der Lupe

Feldmaikäfer Bildgalerie betrachten “Fritz Rauschenbauch”

Unser Tiererlebnis in der Natur ist gleichzeitig Jagderlebnis. Nur ist es eine Jagd mit den Sinnen, mit dem Auge und der Kamera. So verschiedenartig die Wege sind, die zur Liebe, zum Verständnis und zum Schutze der Natur führen - so verschiedenartig ist die Motivation. Stets geht der Weg über das Schauen zum Erkennen. Beides will und muß erlernt werden. Einen besonderen Reiz üben Insekten, Schmetterlinge, Nagetiere, Reptilien und Amphibien auf Photographen aus. Der Makrospezialist kennt die Schreckstellungen der Tiere, die Brautwerbung, die Rivalität, die Paarung und das Flugverhalten.

Wer sich ernsthaft mit der Makrophotographie beschäftigen möchte, der benötigt eine Kamera mit Wechselobjektiven, um Motive unterschiedlicher Größe formatfüllend abzubilden und die Perspektive zu verändern. Die Vergrößerungen der Motive erzielt man mit Makro- oder Spezialobjektiven, die zusätzlich mit Zwischenringen oder einem Balgengerät bestückt werden können.

Makroobjektive sind in der Regel bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 berechnet. Spezialobjektive erlauben 20-fache Vergrößerungen. Der normale Einstellbereich der Objektive reicht nicht aus, um kleine Objekte, etwa Blüten und Käfer, formatfüllend zu photographieren. Mit Naheinstellhilfen als Zubehör ist jedoch eine formatfüllende Abbildung möglich. Die einfachste Möglichkeit ist eine Vorsatz- oder Nahlinse, die die Objektivbrennweite verkürzt. Sie erfordert zwar keine Belichtungsverlängerung, geht aber zu Lasten der gleichmäßigen Schärfe, falls man nicht mindestens auf Blende 8 abblendet. Zwischenringe, die bei Spiegelreflexkameras zwischen das Kameragehäuse und das normale Objektiv geschraubt werden, machen aus diesem fast ein Makroobjektiv, wobei allerdings reichlicher belichtet werden muß. Die tubusförmigen Zwischenringe bringen eine starre Auszugsverlängerung mit sich, ermöglichen aber Abbildungsmaßstäbe 1:1. Balgengeräte wirken wie Zwischenringe, sie erhalten jedoch die optische Leistung des Objektivs und lassen sich stufenlos einstellen. Sie erschließen den Bereich der sogenannten Lupenphotographie, das heißt, das Objekt wird in übernatürlicher Größe auf dem Film abgebildet. Umkehrringe ermöglichen es, das Objektiv mit der Vorderlinse zur Kamera gewandt anzubringen (Retrostellung), dadurch kann man nicht nur näher an das Objekt herangehen, sondern gewinnt auch Schärfe im Makrobereich. Welche Naheinstellhilfen zu welchen Kameras erhältlich sind, darüber informieren Bedienungsanleitungen, Prospekte und auch der Fachhändler.

Makroobjektive sind spezielle Objektive, die für den Nahbereich besonders korrigiert sind. Sie erlauben ohne Naheinstellhilfen dank ihrer extrem langen Einstellschnecken ein stufenloses Naheinstellen bis in den Makrobereich (Abbildungsmaßstäbe 1:2 oder 1:1) hinein. Sie sind als Normal- oder Teleobjektiv, für Brennweiten von 50 bis 200 mm, auch als Zoomobjektive gebaut, verfügen aber über eine etwas geringere Lichtstärke. Ein Makro-Teleobjektiv empfiehlt sich, wenn zwischen Kamera und dem zu photographierenden Objekt Beleuchtungseinrichtungen, wie Blitzgeräte oder Aufheller, angebracht werden müssen.

Makroobjektive erfüllen natürlich auch die Aufgaben herkömmlicher Objektive entsprechender Brennweiten im Normal- und Fernbereich. Während die Belichtungsverlängerung bei Naheinstellhilfen (außer Vorsatzlinsen) und Makroobjektiven im Zeitalter der TTL-Belichtungsmessung (durch das Objektiv) kein Thema mehr ist, muß man besonders auf die im Nahbereich schrumpfende Schärfentiefe achten. Sie beträgt oft nur noch Millimeter, wenn nicht sogar nur Bruchteile davon. Das erfordert notwendigerweise eine stärkere Abblendung. Hier kommt uns der Elektronenblitz mit seinen extrem kurzen Aufleuchtzeiten von 1/1000 Sekunde und kürzer zu Hilfe. Ein Ringblitz, dessen Leuchte rund um das Objektiv angeordnet ist, ermöglicht es, das Nahmotiv schattenlos zu belichten. Aber auch mit Blitzleuchten kann man schattenlos beleuchten.

Als Filme kommen bei stillen Objekten bevorzugt niedrigempfindliche und hochauflösende Materialien wie Filme mit 25 und 50 ISO in Betracht. Bewegte Objekte erfordern natürlich "schnellere", normal- oder hochempfindliche Filme ab 100 ISO aufwärts.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2004

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