Wie bei Nebel stimmungsvolle Aufnahmen perfekt gelingen

Das Wetter im Blick haben und rechtzeitig losziehen

© Fotograf: Gisela Weinreich, Frühnebel, Blende-Fotowettbewerb
Gisela Weinreich, Frühnebel, Blende-Fotowettbewerb

Stimmung pur, von märchenhaft bis gespenstig, das garantieren Aufnahmen, die jetzt in einer Zeit eingefangen werden, die von großen Temperaturunterschieden in der Nacht und am Tag geprägt ist. Diese sind nämlich verantwortlich für den Nebel, wie er in Mitteleuropa vor allem im Frühjahr und Herbst auftritt. In den Morgen- und Abendstunden legt sich der bei Fotografen so geschätzte typische weiße Schleier über die Landschaft und hüllt Städte ein. Im Sekundentakt ändern sich die imposanten visuellen Stimmungen weshalb man rechtzeitig und mit genügend Speicher- und Akkukapazität aufbrechen sollte, um ja keinen dieser einzigartigen Momente zu versäumen.

Rechtzeitig losziehen

© Fotograf: Björn Reibert, Der König des Spessart, Blende-Fotowettbewerb
Björn Reibert, Der König des Spessart, Blende-Fotowettbewerb
Diese Aufnahme entstand während der Brunft am frühen Morgen im tiefen Spessart und der Nebel hat sich so langsam verzogen, da stand dieses majestätische Tier vor meiner Linse. Ein unvergesslicher Moment in meinem Leben und in meiner Zeit als Tierfotograf.

Sich frühzeitig auf Fototour begeben ist, neben dem passenden Fotoequipment, Voraussetzung für stimmungsvolle Nebelbilder, nicht nur in der Landschafts- sondern auch in der Streetfotografie. Den frühen Morgenstunden ist meist der Vorzug zu geben. Erfahrungsgemäß wirken Landschaften unberührter und in Städten herrscht sozusagen noch die Ruhe vor dem Sturm. Über Wetter-Apps kann man sich perfekt im Vorfeld über die zu erwartende Wetterlage informieren. Bei der Zeitplanung ist die Anfahrtszeit ebenso zu berücksichtigen wie die Suche nach dem perfekten Aufnahmestandpunkt. Die Fototasche sollte gepackt bereitstehen und an Proviant ist auch zu denken.

Ich packe meine Fototasche …

© Fotograf: Ingo Weber, Nebelschloss, Blende-Fotowettbewerb
Ingo Weber, Nebelschloss, Blende-Fotowettbewerb
Fotografiert aus dem fahrendem Auto auf dem Weg nach Italien.

Was in die Fototasche gepackt wird hängt davon ab, über welches Fotoequipment man verfügt. Ist man im Besitz einer Bridgekamera – vielfach auch als Superzoomkamera bezeichnet – so wird sich der Inhalt in der Fototasche auf Ersatzakkus sowie -speicherkarten, Reinigungsutensilien für die Kamera, gegebenenfalls ein bis zwei Filter und einen Fernauslöser beschränken. Verfügt man hingegen über eine Kamera für Wechseloptik, also eine kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera, so hat man den großen Vorteil, situationsbedingt das perfekt auf die Aufnahmesituation passende Objektiv auswählen zu können. Weitwinkelobjektive sind perfekt geeignet, wenn nebelverhangene Landschaften in ihrer Weite eingefangen werden sollen. Ein leichtes Teleobjektiv bietet sich für die Streetfotografie an und, wenn man in der Landschaftsfotografie ein Hauptelement, wie beispielsweise einen Strommast, hat und der Nebel noch mehr verdichtet werden soll. Sind es im Wald lebende Tiere, die man im Fokus hat, so gilt es in der Regel größere Distanzen überbrücken zu müssen. Dies gelingt mit mittleren Teleobjektiven beziehungsweise Superteleobjektiven perfekt. Ansonsten gleicht der Inhalt der Fototasche weitestgehend dem derjenigen, die mit einer Superzoomkamera unterwegs sind. Ein Stativ sollte ein Muss sein, denn zum einen verlangen die Lichtbedingungen mitunter längere Belichtungszeiten und zum anderen ist der Ausschnitt bei Aktivierung der Serienbildfunktion immer identisch. Für das Stativ spricht auch, dass es die Hand des Fotografen entlastet und man die Kamera perfekt ausrichten kann.

Kamerastandpunkt ist abhängig von den Begebenheiten und der gewünschten Bildaussage

Liegt nicht gerade Hochnebel vor, so sammelt sich der Nebel in der Regel in den Senken und Tälern von Landschaften. Das kann sich der Fotograf perfekt zu Nutze machen, indem er in Erwägung zieht, einen erhöhten fotografischen Standpunkt zu wählen, so dass in der Bildkomposition der Übergang vom Nebel zum klaren Himmel mit aufgegriffen wird. Eine andere und nicht weniger interessante Option für einen Aufnahmestandpunkt ist die auf Höhe des Nebels. Insbesondere bei ebenen Landschaften und im Wald hat man nur diese Wahl. Welcher Aufnahmestandpunkt bevorzugt wird hängt vom Motiv, den Begebenheiten und der gewünschten Bildaussage ab. Ein Schlüssel zum Erfolg ist, auch wenn in der Fotografie vielfach auch der Zufall Regie führt, rechtzeitig vor Ort zu sein und sich fotografisch zu positionieren.

Bildgestaltung und Bildformat

© Fotograf: Cornelia Muhl-Hünicke, vernebelt, Blende-Fotowettbewerb
Cornelia Muhl-Hünicke, vernebelt, Blende-Fotowettbewerb
Magdeburg, Elbpromenade, Hubbrücke

Fotografieren ist ein höchst kreativer Schaffensprozess und so viel mehr, als nur den Auslöser zu betätigen. Aufnahmen, ob bewusst oder unterbewusst, werden gestaltet. Das Spiel mit Linien und Formen entfällt bei Nebel. Umso wichtiger ist es, das Hauptmotiv im Zusammenspiel mit dem Nebel in den Fokus zu rücken. Die Fokussierung auf das Wesentliche ist schon einmal ein entscheidender Schritt zum Bilderfolg. Die Bildanordnung kann, muss aber nicht nach fotografischen Regeln erfolgen. In der Landschaftsfotografie sehr beliebt ist der goldene Schnitt. Fotografien, das noch als Tipp, sind zudem meist spannender, wenn sich das bildwichtige Element nicht in der Bildmitte befindet. Ratsam ist, unterschiedliche Aufnahmepositionen einzunehmen. Einen großen Einfluss auf die Bildwirkung hat das gewählte Bildformat. Hier hat man die Wahl zwischen Quer-, Hoch- und Panoramaformat. Für welches Bildformat man sich entscheidet hängt vom Motiv, von der gewünschten Aussage und wofür die Bilder eingesetzt werden, ab. Grundsätzlich ist das Querformat das am weitesten verbreitete Bildformat, weil es unseren Sehgewohnheiten am nächsten kommt. Das quadratische Bildformat sollte nicht unerwähnt bleiben. Es steigt in der Beliebtheit und ist dann in jedem Fall eine Option, wenn mittels Bildbearbeitung ein anderer Bildausschnitt gewählt wird.

Vor lauter Nebel sollte man auch etwas erkennen

© Fotograf: Nicolas Alexander Otto, Midnight Runner, Blende-Fotowettbewerb
Nicolas Alexander Otto, Midnight Runner, Blende-Fotowettbewerb
Auf dem Radar konnte ich sehen, das Nebel von der Nordsee landeinwärts Richtung Rotterdam zog. Kurzerhand entschied ich die Kilometer auf mich zu nehmen und den Innenhafen der niederländischen Metropole zu fotografieren. Als ich ankam, an einem Sonntag um 22:00 war die Stadt fast wie ausgestorben und es war komplett windstill. Eine nahezu geisterhafte Atmosphäre.

Der Nebel kann mitunter so dicht sein, dass man sprichwörtlich die Hand vor Augen nicht sieht. Aus Fotografensicht ist das alles andere als perfekt, denn wichtig ist, dass die Aufnahmen mehr zu bieten haben als nur eine graue Suppe. Es muss also außerhalb vom Nebel irgendetwas zu erkennen sein. Gerade bei extremen Situationen ist ein Hauptmotiv wichtig, auf das man sich als Betrachter fokussieren kann. Das kann der in der Landschaft stehende Strommast ebenso sein wie die Kirchturmspitze, die aus einem Nebelfeld herausragt.

Darauf gilt es bei den Kameraeinstellungen zu achten

© Fotograf: Frank Willershäuser, Komm herein, mein Kind !, Blende-Fotowettbewerb
Frank Willershäuser, Komm herein, mein Kind !, Blende-Fotowettbewerb

Bei Nebel sind die Lichtbedingungen nicht immer eindeutig und das kann die Belichtungsmessung der Kamera in die Irre führen. Unterbelichtung ist die Folge, die die Bildwirkung bei einem noch so guten Motiv zunichtemachen kann. Ratsam ist, sofern die Kamera das zulässt, Belichtungsreihen. Wird im Kameramodus Zeitautomatik fotografiert, so wird die Wahrscheinlichkeit für unterbelichtete Aufnahmen durch eine positive Belichtungskorrektur reduziert. Im manuellen Modus ist die Wahl einer längeren Verschlusszeit eine praktikable Option, wodurch sich Unterbelichtung ausschließen lässt. Um den Aufnahmen das gewisse Etwas zu verleihen sollte das Spiel mit dem Weißabgleich in Betracht gezogen werden. Auf den ISO-Wert, also die Sensor-Empfindlichkeit sollte das Augenmerk auch gerichtet sein. Auch wenn aktuelle Kameramodelle immer weniger zum Bildrauschen neigen, so sollte der ISO-Wert bestmöglich zwischen 200 und maximal 400 liegen. Das RAW-Bildformat ist, sofern man seine Bilder entsprechend bearbeitet, die beste Wahl. Es bietet enorme Möglichkeiten der Einflussnahme und Fehlbelichtungen lassen sich zum Beispiel nachträglich besser eliminieren. Weiß man definitiv, dass man mit Bildbearbeitung nichts zu tun haben möchte, so ist das JPEG-Bildformat perfekt. Einige Kameras bieten die Option, der Parallelaufzeichnung von JPEG und RAW. Damit hält man sich alles offen. An genügend Speicherkartenplatz ist dann allerdings zu denken.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

Blende bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 03 / 2018

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