Neue Kamera - Erste Schritte

© Fotograf: Georg Birner, Feuerbaum, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Georg Birner, Feuerbaum, Blende-Fotowettbewerb
Während einer Urlaubsfahrt in der CZ bei Eger entdeckt
Der Sommerurlaub steht bevor. Damit verbunden ist vielfach die Neuanschaffung einer Kamera, denn sie ist – wie auch unsere im Herbst 2014 durchgeführte Prophoto-Online-Umfrage ergab, an der nahezu 4.000 Menschen teilnahmen – das bevorzugte Aufnahmegerät, wenn es auf Reisen geht. So eine Kameraanschaffung ist nichts Alltägliches, denn besonders hochwertige Kameras liegen in der Verbrauchergunst. Es ist also etwas Besonderes und ein großes Glücksgefühl, wenn man den Kauf getätigt hat. Weiß man die Kamera dann in seinem Besitz, kann man es gar nicht abwarten, bis der Akku geladen ist und man endlich loslegen kann – vorausgesetzt, man hat auch gleich eine Speicherkarte mit erworben. Zusätzliche Freude kommt beim Kauf von Zubehör, wie einer Kameratasche, einem Reinigungsset, einem Stativ oder beispielsweise eines separaten Blitzes auf. In jedem Fall ist der Besitz einer neuen Kamera etwas Tolles mit anhaltendem großem Spaßfaktor. Ja, und wenn man dann mit seiner Neuerwerbung im Urlaub unterwegs ist, zieht man nicht nur die Blicke auf sich, sondern wird möglicherweise von Dritten angesprochen, die mehr über die Kamera wissen möchten. Die Kamera quasi als Kontaktbörse. Im ersten Schritt gilt es, die Kamera kennenzulernen, denn wie wir alle wissen, sind sie reich an Features.

1. Bedienungsanleitung

Auch, wenn die Kamerabedienung immer intuitiver wird, so bleibt einem meist ein Blick in die Bedienungsanleitung nicht erspart. Je nach Hersteller und Kameramodell sind diese unterschiedlich umfangreich. Handelt es sich um eine Kurzfassung, liegt vielfach eine CD/DVD mit einer umfangreicheren Anleitung bei oder man kann sich diese im Internet herunterladen. Zahlreiche Verlage bieten zudem spezielle Bücher und Lernvideos zu einzelnen Kameramodellen an. Inwieweit man ein Freund von Bedienungsanleitungen ist, muss jeder für sich entscheiden. Wir empfehlen, sie nicht zu ignorieren, denn auf diese Weise erhält man in der Regel einen guten Überblick, über das, was die Kamera alles zu leisten vermag.

2. Datum einstellen nicht vergessen

© Fotograf: Mira Berthold, Urlaub am Schaalsee, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Mira Berthold, Urlaub am Schaalsee, Blende-Fotowettbewerb
Nachdem Akku geladen und mit der Speicherkarte eingelegt wurde, sollte das Datum an der Kamera eingestellt werden. Das dauert nicht wirklich lange und so ist dann bei der Bildspeicherung auch das richtige Datum hinterlegt. Das ist wichtig, wenn die Aufnahmen dann später archiviert werden.

3. Beste Bildqualität wählen – Für die Zukunft gewappnet

Anwender können an ihren Kameras wählen, in welcher Bildqualität die Aufnahmen abgespeichert werden. Manche Hersteller beschreiben die Bildqualität mit S, M, L, andere geben beispielsweise LF, LN, MN, SN oder die Auflösung in Pixel an. Auch, wenn es mehr Speicherplatz kostet und die Bilddaten größer sind, so sollte immer die höchstmögliche Bildqualität gewählt werden. Auf diese Weise hält man sich alle Optionen offen und kann beispielsweise seine Aufnahmen später auch in XXL als wunderbaren Wandschmuck ausgeben. Bei einigen Kameramodellen kann neben der Bildqualität auch die Druckqualität ausgewählt werden – auch hier sollte man die bestmögliche wählen.

4. Sensorempfindlichkeit – ISO-Werte zwischen 100 und 400 optimal

Kameras sind heute oftmals Nachtsichtgeräte mit grandiosen Empfindlichkeiten, die in ISO angegeben werden. Auch, wenn dem so ist, sollte man mit ISO-Werten zwischen 100 und 400 fotografieren. Hintergrund: Je höher der ISO-Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Bildrauschen – auch, wenn die Kamerahersteller alles daran setzen, dieses weitestgehend zu eliminieren. Bildrauschen zeigt sich in körnigen Aufnahmen und nimmt natürlich Einfluss auf die Bildqualität.

5. Bildformat JPEG oder RAW

© Fotograf: Mona Siegele, Fisch Highway, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Mona Siegele, Fisch Highway, Blende-Fotowettbewerb
den “Fisch Highway” habe ich bei meinem Australien Urlaub am Great Barrier Reef aufgenommen.
Immer mehr Kameras bieten die Option, Aufnahmen im JPEG oder RAW-Bildformat speichern zu können. Manche aktuellen Kameras bieten sogar die Option, Bilder sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format gleichzeitig abzuspeichern – damit hält man sich natürlich als Anwender alles offen, das kostet aber Speicherplatz. Das JPEG-Format gilt als das Universal-Standardformat, das von nahezu allen Programmen gelesen werden kann. Sieht man in der Bildbearbeitung weniger seine Berufung, so ist das JPEG-Bildformat sicherlich das richtige. Mehr Spielraum, aber nur wenn Bildbearbeitung betrieben wird, bietet das RAW-Bildformat. Der große Vorteil bei diesem Bildformat liegt darin, dass die Aufnahmen sozusagen in der rohen Form alle Bildinformationen enthalten, die vom Bildsensor eingefangen wurden. Als Fotograf kann nachträglich mittels Bildbearbeitung mehr Einfluss genommen werden. Dies setzt aber entsprechende Bildbearbeitungssoftware voraus.

6. Weißabgleich steht für Farbtreue

Bei aktuellen Kameramodellen steht der automatische Weißabgleich prinzipiell für Farbtreue. Es gibt jedoch immer wieder Aufnahmesituationen, in denen die Automatik in die Irre geleitet wird – wir kennen alle die Aufnahmen von Innenräumen mit orangefarbener Anmutung. Der Weißabgleich ist dazu da, die Kamera auf die Farbtemperatur des Lichtes am Aufnahmeort einzustellen. Die durch das Licht entstehenden Farbstiche werden durch Verschiebung der roten, blauen und grünen Farbkanäle zum Weiß hin ausgeglichen – daher auch der Name Weißabgleich. Je nach Kameramodell kann man zwischen Tageslicht, Kunstlicht, sonnig und wolkig, Halogen-, Blitz- und Glühlampenlicht unterscheiden. Bei einigen Kameramodellen versteckt sich der Weißabgleich auch im Menüprogramm.

7. Aufnahmemodi stehen für kreatives fotografisches Spiel

© Fotograf: Louisa Fuchs, Sonnenuntergang auf Sylt, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Louisa Fuchs, Sonnenuntergang auf Sylt, Blende-Fotowettbewerb
Während Sommerurlaub am roten Kliff lange auf den richtigen Augenblick gewartet
Je nach Kameramodell stehen Anwender unterschiedliche Aufnahmemodi zur Verfügung – schon deshalb sollte man in die Bedienungsanleitung schauen. Kameras mit Wechseloptik – übrigens absolut in und angesagt – sind mit einem Rädchen ausgestattet, das neben Symbolen auch Buchstaben, wie beispielsweise A für Automatik, P für Programm, S für Blendenautomatik, M für Manuell, beinhaltet. Entscheidet man sich für A, so nimmt die Kamera alle Einstellungen (Blende, Belichtung, Verschlusszeit) selbstständig vor. Gerade wenn man neu in die Fotografie einsteigt, wird man diesen Modus zunächst bevorzugen. Man sollte jedoch auch die anderen Modi lieber früher als später kennenlernen, denn damit kann man beispielsweise mit der Schärfentiefe wunderbar Einfluss nehmen auf die Bildwirkung.

8. Messmethode bestimmen – Optimal belichtet

Je nach Kameramodell kann man als Anwender zwischen Mehrzonenmessung, mittenbetonter Messung und Spotmessung wählen. Bei erstgenannter Messung wird das gesamte Motiv berücksichtigt während sich die beiden letztgenannten Messungen an den zentralen 60 beziehungsweise fünf Prozent des Sucherbildes orientieren.

9. Einzel AF / Kontinuierlicher Autofokus – wann was?

Kameras mit Wechseloptik bieten dem Fotografen die Wahl zwischen Einzel- (auch als Single oder One-Shot bezeichnet) und kontinuierlichem Autofokus. Beim Einzel-Autofokus wird nach der Fokussierung – zum Beispiel halbes Durchdrücken des Auslösers – die Schärfe nicht mehr geändert. Der Einzel-Autofokus ist prädestiniert für statische Motive. Wichtig ist, dass man sich nach der Fokussierung nicht mehr nach vorne beziehungswese hinten bewegt und auch das Motiv an Ort und Stelle bleibt. Ist man sich unsicher, so sollte lieber neu fokussiert werden. Da im Einzel-Autofokus standardmäßig auf Schärfepriorität eingestellt ist, lösen die Kameras erst dann aus, wenn das Bild korrekt fokussiert ist.

© Fotograf: Ursula Siegele, Kolibri, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ursula Siegele, Kolibri, Blende-Fotowettbewerb
diese Aufnahme ist während unseres Urlaub in Boquete Panama entstanden
Bei sich bewegenden Motiven sollte der kontinuierliche Autofokus zum Einsatz kommen, der die Schärfe auch nach dem Fokussieren nachführt. Etliche Kameras verfügen zudem über eine Automatik, die das Motiv analysiert und dann den passenden Modus wählt. Überaus interessant ist das 3D-Tracking, bei der die Kamera das Motiv auch bei seitlichen Bewegungen verfolgt. Beim kontinuierlichen Autofokus ist übrigens die Auslösepriorität voreingestellt. Dies hat zur Folge, dass die Kamera auch dann auslöst, wenn die Aufnahme noch nicht perfekt scharfgestellt wurde. Bei Kameras der gehobenen Klasse ist es möglich, die Priorität auf die Schärfe umzustellen. Auch, wenn der Serienbildmodus unter Umständen etwas langsamer wird, steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, scharfe Aufnahmen zu erhalten.

10. Probieren und mit den Möglichkeiten spielen

Aktuelle Kameras bieten einen bunten Blumenstrauß an Möglichkeiten. Diese lernt man am besten kennen, indem man sie ausprobiert. Ein Beispiel dafür sind nicht nur die Zahlreichen Menüprogramme wie Personen, Sport, Schnee, Nacht, Feuerwerk und so weiter sondern auch die zahlreichen Filter bis hin zu HDR oder Panorama. Auch wenn man bisher sich noch nicht zu den Filmern zählte, so kann dies die Videofunktion – mit der heute nahezu alle Kameras ausgestattet sind – in Zukunft ändern.

Abschließend können wir den Tipp geben, die Kamera wann immer es geht, mitzuführen und mit ihr zu fotografieren. Auf diese Art und Weise lernt man sie nicht nur immer besser kennen, sondern man weiß auch um ihre unendlichen Vorzüge wenn es darum geht, Erlebtes in Bildern zu konservieren.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2015

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1 Kommentare

Woher wußten Sie ..... ? Ich kaufte am 12.6.2013 meine erste Nikon. Und in die zweite arbeite ich mich gerade ein, und zwar genau so, wie Sie es beschrieben haben. Ihre Tipps aus der Praxis kommen zur rechten Zeit und sind praxisnah. Danke dafür!

von Elke Glatzer
17. Juni 2015, 11:50:25 Uhr

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