Fototipp: Oft gesehene und fotografierte Motive noch sehenswerter fotografiert

Landauf und -ab gibt es mit Bauwerken, Parks, Naturformationen etc. Orte, die Touristen in Scharen anziehen. Allen gemeinsam ist, dass der Auslöser nicht stillsteht. Man will, trotz aller Postkarten die es möglicherweise zu kaufen gibt, eigene Aufnahmen. Diese belegen, dass man hier war. Vielfach werden einem sogar Fotopunkte (Fotopoints) von Tourismusorganisationen oder Imagingherstellern ausgewiesen. Sie geben den Aufnahmestandpunkt vor und stehen dafür, dass man von hier aus die Sehenswürdigkeit optimal in Szene setzen kann. Sicherlich ein gutes Hilfsmittel für alle, die eine Rundreise gebucht und nur wenig Zeit haben, sich die Touristenmagnete fotografisch zu erschließen. Möchte man jedoch mehr als nur ein Abbild schaffen und sollen die Fotografien auch ein Zeugnis dessen sein, was einen so begeistert, dann sollte man die Objekte erkunden und somit für sich erobern. Nur so gelingt es, Sehenswürdigkeiten jenseits der bekannten Postkartenmotive, wirkungsvoll und vielsagend abzulichten. Kristian Wilmsmeier, Teilnehmer bei „Blende 2016“, ist mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Der Kaiser grüßt“ so eine Aufnahme jenseits des weitläufig Bekannten gelungen. Er führt zu seiner Aufnahme aus: „Kaiser Wilhelm Denkmal am vermutlich kältesten Tag des Jahres 2016. Es herrschte aufgrund der klirrende Kälte und des Frosts eine ganz besondere Atmosphäre am Denkmal, die durch die Strahlen der tief stehenden Sonne verstärkt wird.“

© Fotograf: Kristian Wilmsmeier, Der Kaiser grüßt, Blende-Fotowettbewerb
Kristian Wilmsmeier, Der Kaiser grüßt, Blende-Fotowettbewerb

Fotografien von Sehenswürdigkeiten mit visueller und emotionaler Nachhaltigkeit sind keine Selbstläufer. Objekte wollen erobert und erlebt werden. Das bedeutet, sich Zeit für sie zu nehmen, sie zu entdecken und Visionen entwickeln. Der Blende-Teilnehmer Kristian Wilmsmeier hat sich Zeit genommen und das Denkmal an der Porta Westfalica studiert, um für sich den besten Aufnahmestandpunkt herauszufinden. Zudem wartete er mit der Aufnahme so lange, bis die Sonne für seine Bildidee den optimalen Stand erreichte. Fotografieren bedeutet ja schließlich nichts anderes als mit Licht zu malen. Nur wenn mit dem vorhandenen Licht gespielt wird und wenn es für die Umsetzung der eigenen Bildidee optimal ist, dann können Motive so wirkungsvoll modelliert werden. Die aus fotografischer Sicht besten Lichtbedingungen liegen übrigens in den Vormittags- und Nachmittagsstunden sowie zur Blauen Stunde vor. Die Fototechnik ist Mittel zum Zweck – sie unterstützt den kreativen Schaffensprozess. Zunächst kommt es jedoch auf das Auge, die Komposition des Gesehenen und natürlich auf den richtigen Zeitpunkt an.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie Kristian Wilmsmeier gelungen ist, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

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