Optische Filter

Für kreative Fotografen unverzichtbar

© Fotograf: Michael O.A. Klapper, Götterwasserfall (Goðafoss), Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Michael O.A. Klapper, Götterwasserfall (Goðafoss), Blende-Fotowettbewerb
Wenn Objektive als die Augen einer Kamera betrachtet werden, so lassen sich optische Filter als deren Brille bezeichnen. Auch heute in der Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung lässt sich längst nicht alles auf später verschieben. Manche Optimierungen der Abbildungsqualität und etliche kreative Effekte für Foto und Video sind nach wie vor nur durch den Einsatz optischer Filter zu erreichen.

Eine Langzeitaufnahme mit offener Blende, beispielsweise weil ein Wischeffekt durch Bewegung mit gezielt begrenzter Schärfentiefe erzeugt werden soll, ist ohne Einsatz eines Neutraldichtefilters selbst bei Einstellung der Sensorempfindlichkeit auf den niedrigsten ISO-Wert kaum zu realisieren. Ähnliches gilt auch für Landschaftsaufnahmen, in denen die Bewegung der Wolken eine besondere Stimmung erzeugt, aber auch für die beliebten Aufnahmen von fließenden beziehungsweise bewegten Gewässern, wie reißenden Bächen, stäubenden Wasserfällen oder windgepeitschten Wellen. Filter erfüllen viele Aufgaben: Sie können Fotos und Filmeszenen realistischer erscheinen lassen, um so ihren dokumentarischen Charakter zu unterstreichen. Sie können Szenen auch verfremden und Bilder dramatischer oder romantischer wirken lassen. Ebenso sind überraschende Verfremdungen und Effekte möglich. Die Bildidee des Fotografen oder Filmers bestimmt, ob und wann ein Filter angebracht ist. Gekonnt eingesetzt, bemerkt der Betrachter den Filtereinsatz gar nicht. Reine Effekthascherei dagegen ermüdet ihn eher bald oder verärgert ihn sogar. Jeder Fotograf, der nicht nur auf Motive reagiert, sondern seine Bilder gezielt plant, findet im Angebot der verschiedensten optischen Filter, einfache und nützliche Hilfsmittel zur kreativen Umsetzung seiner Bildideen.

Die wichtigsten Qualitätskriterien für Filter

© Fotograf: Nicolas Alexander Otto, The First Fire, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Nicolas Alexander Otto, The First Fire, Blende-Fotowettbewerb
Voraussetzung für den erfolgreichen Filtereinsatz ist – wie auch bei einer Brille – die Qualität von Fassung und Gläsern. Damit die optische Leistung des Objektivs nicht negativ beeinflusst wird, ist auch für Filter die Verwendung ausgesuchter, optischer Materialien die Voraussetzung. Ebenso wichtig ist deren sorgfältige Verarbeitung. Hochwertige Filter besitzen plane Oberflächen mit einer in Spezialverfahren aufwändig aufgebrachten Mehrschichtenvergütung. Die Qualität der Vergütung bestimmt den Grad der Reflexfreiheit, die Empfindlichkeit gegen Schmutz und Kratzer und auch, wie leicht sich etwa Staub, Schmutz oder Fingerabdrücke abwischen lassen.

Auch die Fassung ist von großer Bedeutung, ist sie zu breit, kann es beim Einsatz in Kombination mit Weitwinkelobjektiven zu Vignettierungen kommen. Schlampig gefräste Gewinde können klemmen. Die Stabilität der Fassung und ihre Empfindlichkeit gegenüber Temperatureinflüssen, aber auch das Gewicht spielen eine wichtige Rolle bei der Filterwahl.

Filter für Foto und Video werden sowohl aus optischen Gläsern als auch aus optischen Kunststoffen gefertigt. Wesentliches Qualitätskriterium ist, neben dem Material, auch eine plane Oberfläche, deren Mehrfachvergütung durch Entspiegelung die Durchlässigkeit für das Licht verstärkt und Reflexionen der Lichtstrahlen reduziert oder ganz ausschaltet. Die aufwändige Mehrfachbeschichtung – auch als Vergütung bezeichnet – hat zudem die Aufgabe, die Farbneutralität zu gewährleisten. Die äußere Schicht sorgt bei hochwertigen Filtern für eine hohe Kratzfestigkeit. Sie bewirkt, dass Wasser beziehungsweise Feuchtigkeit abperlen und sich Schmutz sowie Fingerabdrücke leichter entfernen lassen. Kunststofffilter sind in der Regel zwar preiswerter und deutlich leichter als Glasfilter, aber sie sind meist empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen wie Temperaturschwankungen. Sie verkratzen schneller und ihr Gewinde kann sich bei starker Hitze oder Kälte verformen. In der Weitwinkelfotografie spielt auch die Stärke der Filterfassung eine wesentliche Rolle. Hier können breite Filterfassungen zu Vignettierungen führen. Die Kunst der Filterhersteller besteht also darin, den optimalen Kompromiss zwischen Stabilität und schmaler Fassung zu finden.

Wichtige Anwendungsbereiche für optische Filter

© Fotograf: Marc Böhning, Zwischen den Welten, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marc Böhning, Zwischen den Welten, Blende-Fotowettbewerb
Vornehmlich Aufgabe optischer Filter ist die Verbesserung der Bildqualität, wie beispielsweise das Ausschalten von Spiegelungen und Reflexen, um dadurch mehr Details im Bild sichtbar zu machen. Aber auch der Ausgleich von Kontrasten, etwa bei hellem Himmel und dunklerer Landschaft, wird erreicht. Filter können helfen, Dunst und Nebel zu durchdringen und, durch das Ausschalten von Reflexionen, Unsichtbares sichtbar machen.

Rund oder eckig?

Zwei Filtertypen wetteifern um die Gunst der Fotografen: Die runden Schraubfilter, die direkt in das Filtergewinde des Objektivs geschraubt werden und die rechteckigen beziehungsweise quadratischen Steckfilter, für die der Fotograf eine spezielle Halterung benötigt. Beide Filtertypen haben ihre Vor- und Nachteile. Schraubfilter lassen sich nur an Objektiven mit dem gleichen Filtergewinde verwenden, können aber bei häufigem Gebrauch auf dem Objektiv bleiben. Kauft man ein Filter für das Objektiv mit dem größten Gewindedurchmesser, lässt sich dieser über Reduzierringe auch an allen anderen Objektiven nutzen. Steckfilter benötigen einen Filterhalter. Auch er kann über Reduzierringe an verschiedene Objektivgewinde-Durchmesser angepasst werden, wodurch sich die Filter ebenfalls für sämtliche Objektive einer Ausrüstung verwenden lassen. Beim Einsatz von Verlaufsfiltern lassen sich mit den Stecksystemen die Hell-Dunkel-Übergänge sehr präzise anpassen, während bei Schraubfiltern der Übergang meist in der Mitte beginnt.

Vorteile von Filtersystemen

Systeme aus Filterhaltern und Steckfiltern haben gleich mehrere Vorteile. Obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht zunächst etwas sperriger wirken und die Ausrüstung mehr zu belasten scheinen, sind sie deutlich flexibler einsetzbar. Ein Halter reicht für alle Filtertypen. Meist besitzen sie mehrere Einschübe, wodurch sich auch mehrere Filter kombinieren lassen und außerdem sind sie in der Regel auch mit Weitwinkelobjektiven problemlos zu verwenden. Außerdem lassen sich die einzelnen Filter praktisch in jede Richtung sehr genau platzieren und damit in ihrer Wirkung präzise steuern.

Filter, die in keiner Ausrüstung fehlen sollten

Drei optische Filtertypen gelten in der anspruchsvollen kreativen Fotografie als unverzichtbar. Polarisationsfilter, Neutraldichtefilter und ND-Verlaufsfilter. Polarisationsfilter dienen dazu, Reflexionen auf nicht metallischen Flächen auszuschalten oder zu reduzieren. Damit wirken Farben intensiver, das Blattgrün wirkt kräftiger, der Himmel dunkler, die Kontraste werden gesteigert. Polfilter gelten auch als die Saubermacher der Fotografie, weil sie für klare, reine Farben sorgen und den Dunst reduzieren.

Die zweite Filterspezies, die in keiner Fototasche fehlen darf, sind die Neutraldichtefilter, auch Graufilter genannt, die das auf den Sensor fallende Licht mindern und somit erlauben, die Blende weiter zu öffnen oder die Verschlusszeit zu verlängern. So lassen sich Bewegungsunschärfen oder eine Begrenzung der Schärfentiefe im Motiv realisieren. Wie ihr Name sagt, sind diese Dichtefilter farbneutral. Sie reduzieren nur die Menge des durch das Objektiv auf den Sensor fallenden Lichts, ohne die Farbe zu beeinflussen. ND-Filter gibt es zur genauen Dosierung des Lichts in unterschiedlichen Stärken.

Eine Variante der Neutraldichte- oder Graufilter sind die ND-Verlaufsfilter. Auch sie gibt es in unterschiedlichen Stärken. Sie dienen vor allem bei Landschaftsaufnahmen mit hellem Himmel zum Kontrastausgleich, indem sie das hellere Himmelslicht reduzieren, ohne die übrigen Motivpartien zu beeinflussen. ND-Verlaufsfilter werden gleichmäßig von der Filtermitte aus dunkler. Auch sie gibt es in unterschiedlichen Stärken.

Optische Filter erweitern die kreativen Möglichkeiten der Kameras, sie optimieren die Bildqualität und sie erlauben es, die Bildaussage den eigenen Vorstellungen und Sehweisen anzupassen. Nicht vergessen sollte man aber auch den Spaß, den es macht, mit ihnen herumzuexperimentieren.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2015

1 Kommentare

Danke für den Beitrag. Bin Einsteiger und wusste bisher nichts über die Wirkung von Filtern.

Anne

von Anne
16. Dezember 2015, 09:52:09 Uhr

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