Panoramafotografie - Den Boden im Panorama aufräumen

Panoramafotografie - Den Boden im Panorama aufräumen
Ein Panoramafoto zusammenzusetzen, ist keine allzu große Kunst mehr, schließlich gibt es dafür jede Menge Programme, kostenpflichtige und kostenlose. Aber einen Rundblick aus einzelnen Fotos zusammenzusetzen, ist nur die halbe Miete. Denn wer ein Kugelpanorama macht, lässt die Betrachter ja in alle Richtungen schauen. Also auch nach unten und dort gibt es etwas zu sehen, was da nicht hingehört: das Stativ.

Man kann ein Panorama drehen und wenden wie man will, in der Nadiransicht, also dem Blick senkrecht nach unten, kommt man um das Stativ nicht herum. Manchmal auch um die eigenen Füße, aber das lässt sich ja schnell lernen, ein paar Schritte von der Kamera weg zu machen, bevor sich mit dem Selbstauslöser der Verschluss nach einigen Sekunden öffnet. Aber das Stativ lässt sich eben nicht wegtragen. Was also tun?

Ist ein Kugelpanorama erst einmal zusammengesetzt, merkt der Betrachter des zweidimensionalen Bildes schnell, dass hier ja der Kreis quadriert wurde. Etwas, das nur näherungsweise möglich ist. Und etwas, das zwei Bereiche besonders verzerrt erscheinen lässt, nämlich den schon genannten Nadir, als auch den Zenit, also den Blick senkrecht nach oben. Man muss sich die Kugel, die ein Panorama darstellt, ausgebreitet vorstellen. Und schon erscheinen Nadir und Zenit ziemlich breit, sehr breit sogar. Genauer gesagt: Das Stativ, das ja nur als Teil im Zentrum steht, erstreckt sich in der zweidimensionalen Ansicht des Bildes über die ganze Breite.

Panoramafotografie - Den Boden im Panorama aufräumen
Das Problem kennen die meisten. Wer in einen Atlas schaut und dort eine Weltkarte hat, sieht oft eine so genannte „Zylinderprojektion“. Die sorgt dafür, dass die Abstände auf der x-Achse, also von links nach rechts, in etwa stimmen, nach Norden oder Süden aber keinesfalls. Und in eben dieser Zylinderprojektion erscheint oft die Antarktis um den Südpol über die ganze Breite, obwohl das Land aus Eis und Schnee zwar riesig, aber doch ein Stück kleiner ist als dargestellt ist. Oder anderes Beispiel aus der Urlaubsplanung: Wer einen zwölfstündigen Flug von Frankfurt nach Bangkok hinter sich hat, könnte noch schnell den kleinen Sprung nach Australien machen. Problem – und Folge der Zylinderprojektion – von Bangkok nach Sydney sind es nochmals elf Flugstunden.

Beim Panoramafoto heißt das: Das Stativ muss irgendwie mittels Bildbearbeitung entfernt werden. Wer jetzt aber einfach den unteren Teil des Bildes ersetzt, hat ein Problem. Denn kaum ist das Panorama wieder als Kugel zu sehen, passt das natürlich ganz und gar nicht. Wer im zweidimensionalen Bild einen Teil so ersetzen will, dass er später wieder ins Kugelpanorama passt, hat eine Mammutaufgabe vor sich, falls das überhaupt möglich ist.

Wer das Stativ ernsthaft aus seinem Kugelpanorama entfernen will, muss sich dafür eines Hilfsprogramms bedienen. Für die Nadirretusche gibt es Plugins für PTGui (kostenlos), viele Konverter, die das zweidimensionale Bild in eine steuerbare Kugel verwandeln, können eben diesen Teil des Panoramas extrahieren, so dass der Fotograf die Retusche in der Bildbearbeitung vollenden kann. Und sie setzen den Teil der Kugel dann wieder entsprechend ein. Man muss sich also nicht daran versuchen, sich im quadrierten Kreis zurechtzufinden.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2014

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