Photomotive in und an Gewässern

Freund und Feind Bildgalerie betrachten Blende ,“Freund und Feind”
Stefan Lämmer

Gartenteiche liegen voll im Trend, denn sie haben nicht nur den klassischen Goldfisch als Lebewesen zu bieten, sondern unendlich viele weitere Photomotive wie beispielsweise Frösche. Aber auch andere Gewässer wie Sümpfe, Teiche, Flüsse und Meere warten mit hochinteressanten Objekten auf, die ein Eldorado für den Naturphotographen darstellen. Es muß also nicht immer das große Flußpferd oder der Alligator sein, um zur Kamera zu greifen und man muß auch nicht immer abtauchen, um die Wasserbewohner vor die Linse zu bekommen.

Die Tatsache, daß viele Photographen Angst davor haben, sich im wahrsten Sinne des Wortes die Füße naß zu machen, ist ein guter Grund, gerade diese Orte aufzusuchen - man hat weniger störende Konkurrenz. Normale Gummistiefel für seichte und hüfthohe Wasserstiefel für tiefere Gewässer sind die einzige Spezialkleidung, die der Photograph braucht. Ins Wasser sollte jedoch nur dann gegangen werden, wenn keine bedrohlichen Tiere auf einen lauern. Es ist also davon abzuraten, mit einem Alligator auf Tuchfühlung zu gehen. Die Gummistiefel schützen den Photographen übrigens nicht nur vor Feuchtigkeit, sondern auch vor Verletzungen.

Die Kameraausrüstung gilt es natürlich auch vor Feuchtigkeit und gegebenenfalls vor Sand zu schützen. Viele Hersteller bieten für ihre Kameras Unterwassergehäuse an, die den optimalen Schutz darstellen. Von einer Plastiktüte, in die für das Objektiv ein Loch reingeschnitten wird, ist abzuraten. Kommt das Stativ, das meist aus rost- und korrosionsbeständigen Material hergestellt ist, mit ins Wasser, so sollte es nach jedem Aufnahmetag gründlich von allem anhaftenden Schmutz gereinigt werden. Natürlich sollte vorher geprüft werden, ob das Stativ wassertauglich ist.

Im flachen Gewässer ist es oft schwieriger, die Bewohner ausfindig zu machen. Der erste Schritt ist, sich anhand von Literatur über die Lebensräume und -gewohnheiten zu informieren. Viele Lebewesen hinterlassen Spuren, die für den Photographen ein wichtiges Indiz sind. So nagen Biber Bäume um und bauen Dämme im Wasser. Bisamratten hingegen legen Bauten im Ufer von Teichen und Flüssen an und Otter bauen im Lehm von Uferböschungen Rutschbahnen. Um kleinere Tiere wie beispielsweise Frösche oder Sumpfvögel ausfindig zu machen, die im dichten Schilf oder Sumpfgras leben, sollte man sich am besten von deren Ruf leiten lassen und sich langsam auf sie zu bewegen.

Die kleinsten Lebewesen seichter Gewässer sind paradoxerweise am leichtesten zu finden. Sümpfe, Schlammufer und andere Strände wimmeln von winzigen kriechenden, schwimmenden und stationären Tierchen. Wichtig ist für den Naturphotographen, den Lebensraum der Tiere nicht zu zerstören. Ist es notwenig für die Aufnahme ins Wasser zu gehen, so sollte dies behutsam zum Schutz der Tiere erfolgen, aber auch um den Morast auf dem Boden nicht aufzuwirbeln.

Mit einer analogen oder digitalen Spiegelreflexkamera ist man als Naturphotograph im und am Gewässer gut beraten, wobei auch Kompaktkameras mit einem weiten Zoombereich und Bridgekameras bestens geeignet sind. Wie immer kommt es auf die Ansprüche, aber auch auf das Motiv an. Je nach Größe des zu photographierenden Lebewesens gilt es zwischen Tele- und Makroobjektiv zu wählen. Zudem ist auf Spiegelungen auf der Wasseroberfläche zu achten, die mit Hilfe von Filtern reduziert werden können, so daß das Objekt in der Aufnahme auch gut zur Geltung kommt. Widmet man sich den Kleinlebewesen zu, so sind je nach Aufnahmesituation und Kameraausrüstung Nahlinsen eine gute Wahl. Diese werden einzeln oder in Sätzen angeboten. Ihre Brechkraft wird in Dioptrien gemessen. Um den jeweiligen Abbildungsmaßstab zu ermitteln, teilt man die Zahl 100 durch den Dioptrienwert und erhält den Aufnahmeabstand in Zentimetern. Für besonders große Abbildungsmaßstäbe kann man zwei Vorsatzlinsen kombinieren, wobei die Bildqualität allerdings leidet. Beim Einsatz von Nahlinsen tritt kein Lichtverlust auf, da der Auszug nicht verlängert wird. TTL-Messung und Belichtungsautomatik funktionieren wie gewohnt. Zwischenringe können mitunter auch sehr nützlich sein, wenn kein Makroobjektiv zu Hand ist. Der Auszug wird durch einen einzelnen Zwischenring um 5 bis 30 mm vergrößert. Da die Zwischenringe kombiniert werden können, kann der Auszug weiter vergrößert werden. Zwischenringe liefern eine bessere Bildqualität als Nahlinsen, da sie keine optischen Elemente besitzen, die die Leistung eines Objektivs schmälern können. Beim Einsatz von Zwischenringen kommt es jedoch zu einem Lichtverlust, der zum Beispiel bei einem Normalobjektiv und Zwischenringen von 50 mm Länge zwei Blendenwerte beträgt. TTL-Messung ist möglich, Offenblendenmessung und Belichtungsautomatik jedoch nur mit „Automatik-Zwischenringen“.
 

Fotografieren in der Praxis 04 / 2006

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