Photogene Geschöpfe, schmackhaft oder giftig

Parasolpilze Bildgalerie betrachten Blende ,“Parasolpilze”
Martin Bolle

Pilze sind nicht nur, sofern sie nicht giftig sind, äußerst schmackhaft, sondern auch überaus photogen. Nur zirka zehn Prozent der rund 5.000 einheimischen Pilzarten sind für den Kochtopf geeignet. Photographieren lassen sich hingegen alle. Wer die Pilze als Photomodelle für sich entdeckt hat, der wird so schnell von dieser Leidenschaft nicht mehr loskommen.

Feucht und naß ist es in den Monaten, wenn die Pilze sich in voller Pracht zur Schau stellen. Die Lichtbedingungen im Herbst sind nicht immer optimal und so muß einiges beachtet werden, damit der Fruchtkörper der Pilze, nur dieser ist ja sichtbar, im rechten Licht erscheint. Der Diafilm ist beispielsweise nur bedingt geeignet, denn die Farbtemperaturen, die im Wald vorherrschen, machen eine farbneutrale Aufnahme schwierig. Erst der Einsatz von CC-Filtern und ein Farbtemperaturmesser garantieren farbneutrale Photos. Spiegelreflexkameras sind sicherlich eine gute Wahl, denn durch die Möglichkeit des Objektivwechsels kann man die kleinen Geschöpfe formatfüllend auf Film oder Sensor bannen. Von Vorteil ist, wenn die Spiegelreflexkamera über eine Spiegelvorauslösung verfügt. Auf dem weichen Moos kann der Spiegelschlag trotz des Einsatzes eines stabilen Stativs zur Unschärfe führen. Heutige digitale Zoom-Kompaktkameras, am besten die mit schwenkbarem Display und erst recht jene, die sich manuell einstellen lassen und über einen Selbstauslöser verfügen, sind für die Pilzphotographie bestens geeignet. Der Bildaufbau kann über das Display kontrolliert werden. Der Weißabgleich sollte auf das Symbol wolkiges Wetter eingestellt sein, denn der Waldboden mit grünem Moos oder braunen Blättern und Nadeln würde zu Farbdominanten führen. Auf den integrierten Blitz kann dann verzichtet werden, wenn eine weiche Ausleuchtung gewünscht ist. Wird mit Blitz gearbeitet, kann es schnell zu Überstrahlung an den hellen Pilzteilen kommen.

Zum Einsatz sollte ein Stativ mit tiefem Kamerastandpunkt und Kugelkopf kommen, denn Pilze sind bekanntlich in Bodennähe anzutreffen. Die Telestellung ist bestens für das Festhalten von Pilzen, auch von sehr kleinen, geeignet. Wichtig ist, auf die Entfernungseinstellung zwischen Objekt und Frontlinse zu achten, die je nach Kameramodell variiert. In einigen Fällen ist es notwendig, mit einer Nahlinse zu arbeiten, das hängt natürlich vom Pilzmodell ab. Die Makroeinstellung im Weitwinkelbereich ist in der Regel kaum verwendbar, aber das sollte man testen. Entscheidend ist auch die Brennweite. Eine lange Brennweite erleichtert das Ablichten der Pilze, denn diese müssen aus einem sehr flachen Winkel aufgenommen werden, möchte man alle Details am Stiel und Hutrand gut sichtbar machen. Aufgrund der, im Vergleich zum Kleinbildfilm, kleineren Sensorfläche erhält man mit digitalen Kompaktkameras eine relativ große Schärfentiefe. Aus diesem Grund reichen Blenden von 5,6 bis 8 mm für gewöhnlich aus.
 

Fotografieren in der Praxis 09 / 2005

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden