Photographieren an Bord

Trocken im Nass Bildgalerie betrachten Blende ,“Trocken im Nass”
Werner Krein

Schiffsreisen sind für viele ein Traum. Das aus der Fernsehserie bekannte „Traumschiff“ mit unzähligen Kabinen, Eventhallen und Pools ist oftmals gar nicht das erstrebenswerte, sondern die Yacht mit ihrem ganz speziellen Ambiente. Der Photoapparat darf bei der bevorstehenden „Weltumseglung“ natürlich nicht fehlen. Vor Reiseantritt gilt es, die Frage zu klären, welche Kamera sich für das Photographieren an Bord am besten eignet.

Mit einer Spiegelreflexkamera ist man in jedem Fall immer gut beraten, denn sie gilt als das Nonplusultra durch die totale Kontrolle über Bildgestaltung und Aufnahmetechnik, durch die Übereinstimmung von Sucherbild und Bildausschnitt, durch die visuelle Überprüfung der Schärfentiefe durch Abblenden, durch die Autofokusgekoppelte Belichtungsmessung durch das Objektiv mit mehreren Meßarten sowie durch die kreative Erschließung aller photographischen Einsatzgebiete und Motivbereiche durch Wechselobjektive sowie Zubehör.

Besonderes Augenmerk ist auf einem Schiff auf die Objektivwahl zu richten. Für Aufnahmen unter Deck ist zwingend ein Weitwinkelobjektiv erforderlich, ein 28er bietet mehr Vorteile als ein 24er Objektiv. Da man aber nicht nur das Leben in den Kajüten ablichten möchte, sondern auch andere vorbeiziehende Yachten oder beispielsweise die eigene unter Segel vom Beiboot aus, kommt man um ein Teleobjektiv nicht herum. Hier sollte die Wahl nach Möglichkeit auf ein 300 mm Objektiv fallen.

Zoomobjektive werden von vielen favorisiert, denn wir verdanken ihnen viele Schnappschüsse und der Objektivwechsel entfällt. In der Literatur wird vielfach von Zoomobjektiven abgeraten, da sie angeblich nicht die Bildqualität von Festbrennweitigen erreichen. Es ist dem Auge eines jeden einzelnen überlassen - wir konnten nicht unbedingt einen Qualitätsunterschied feststellen.

Unabhängig mit welchem Photoapparat, ob Spiegelreflex-, Zoom- oder Bridgekamera, man photographiert, gilt es, die Ausrüstung vor Salzwasser und salzhaltiger Luft zu schützen. Unterwassergehäuse sind Pflicht, denn sie eignen sich nicht nur zum Abtauchen. Die Gefahr von Feuchtigkeit lauert aber nicht nur über, sondern auch unter Deck. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit auf See können sich Schimmel und Pilze speziell auf das Objektivglas setzen. Es gilt, seine Photoausrüstung häufig zu nutzen und sie frischer Luft und auch Sonnenlicht auszusetzen oder aber sie in einem luftdichten Behältnis zusammen mit Silikagel aufzubewahren. Wenn Silikagel trocken ist, dann ist es von tiefblauer Farbe. Hat es der Umgebung Feuchtigkeit entzogen, so verfärbt es sich rosa und wird wirkungslos. Der Vorgang ist umkehrbar. Wer sich längere Zeit an Bord eines Schiffes aufhält, der sollte in regelmäßigen Abständen die Photoausrüstung direktem Sonnenlicht aussetzen, denn UV-Licht tötet zuverlässig aufkeimenden Schimmel und Pilze ab.

Verführerisch ist der Gedanke, die Digitalkamera der analogen vorzuziehen, denn man muß nicht monatelang auf seine Bildergebnisse warten und muß sich über die Filmlagerung an Bord auch keine Gedanken machen. Wenn jedoch an Bord keine Möglichkeit besteht, die digitalen Bilddaten auf CD zu brennen oder sie auf ein Notebook zu überspielen, so kommt man nicht umhin, genügend Speicherkarten mit auf die Yacht zu nehmen. Ersatzakkus sind in jedem Fall Pflicht.

Entscheidet man sich für eine analoge Kamera, so steht die Frage nach dem optimalen Filmmaterial an. Viele geben dem Diafilm den Vorzug, denn erstklassige Vergrößerungen sind garantiert und es läßt sich nach der Entwicklung leichter beurteilen, ob die Aufnahmen auch etwas geworden sind. In hellen Gegenden, wie den Tropen, ist man mit einem 64er Film gut beraten, während sonst der 100er und der 200er einen guten Kompromiß zwischen Schärfe und Kontrast darstellen. An Filmmaterial sollte auf gar keinen Fall gespart werden, zehn Filme sind schnell verschossen. Auf das Verfallsdatum ist zu achten, das wegen der Gefahr der Farbverfälschungen möglichst nicht - schon gar nicht in sehr heißen Gegenden - überschritten werden sollte. Die Lagerung des Filmmaterials an Bord ist unkritisch, so lange die Filmdose fabrikdicht verschlossen ist. Sobald der Film belichtet ist, sollte er nach Möglichkeit so schnell wie möglich zum Entwickeln und bis dahin trocken aufbewahrt werden.
 

Fotografieren in der Praxis 03 / 2006

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