Photopraxis - Tauchexkursion im Urlaub - Photographieren unter Wasser

Unterwasserphotographie Bildgalerie betrachten

Thomas Haltner

Ob Thyrrenisches oder Rotes Meer, ob vor den Malediven oder im Atlantik: Die Erde hat viele Dutzend phantastische Reviere zu bieten, die nicht nur die Herzen von Tauchsportlern höher schlagen lassen, sondern ebenso Unterwasser-Photographen begeistern. Doch auch in den heimischen Gewässern, etwa den norddeutschen Seen, finden Unterwasser-Photographen unendlich viele Motive, die zwar nicht exotisch, aber trotzdem faszinierend sind.

Um in die Unterwasserphotographie einzusteigen, gibt es von seiten der Kameraausrüstung her verschiedene Möglichkeiten. Einfachste und preiswerteste ist der Gebrauch einer wasserdichten Single Use Camera. Sie reicht für einen ersten Blick in eine Unterwasserwelt bis etwa drei Meter Tauchtiefe. Für Fortgeschrittene gibt es spezielle Unterwasserkameras. Sie können in tieferen Bereichen eingesetzt werden. Hersteller von Digitalkameras haben spezielle Unterwassergehäuse entwickelt, die ihre High-Tech-Geräte nicht nur sicher vor mechanischen und chemischen Belastungen schützen, sondern sogar die Möglichkeit bieten, die Welt unterhalb der Wasseroberfläche photographisch zu erforschen. Die meist volltransparenten Schutzgehäuse "tauchen" nicht nur was, sie sind auch exakt auf die Form und Funktionen der digitalen Kameramodelle zugeschnitten. Alle Funktionen, inklusive Display, Zoom oder Blitz lassen sich ebenso schnell, sicher und unkompliziert nutzen wie bei der "nackten" Kamera, und das bis zu einer Wassertiefe von 40 Metern. Damit lassen sich dann nicht nur die Seesterne oder die Füße der Kinder im ufernahen Bereich, sondern auch Fischschwärme, Polypen oder Moränen in tieferen Gefilden ablichten. Dritte Aufnahmevariante ist eine Spiegelreflexkamera mit Unterwassergehäuse. Sie wird vor allem von anspruchsvollen Photographen benutzt, die auf der gesamten Klaviatur der Phototechnik spielen möchten.

Doch für gute Ergebnisse ist nicht allein die Ausrüstung entscheidend. Denn ebenso wie der Körper folgt auch die Photographie unter Wasser anderen Gesetzen als an Land. So ist das Wissen um die physikalischen Bedingungen eine der wichtigsten Voraussetzungen, um im nassen Element erfolgreich auf die Photopirsch zu gehen. Mit zunehmendem Weg, den das Licht durch das Wasser zurücklegen muß, verschwinden beispielsweise immer mehr Farben. So haben die Bilder nach drei Metern kein Rot mehr, nach zehn Metern ist Orange weg und nach 30 Metern fehlt Gelb, übrig bleiben blaue und grüne Farbtöne. Hier ist es wichtig zu wissen, daß der Weg des Lichtes nicht mit der Tauchtiefe identisch ist. Vielmehr wird unter Wasser der Weg von der Oberfläche zum Objekt plus dem Weg vom Objekt zur Kamera gerechnet. Ist also der Taucher beispielsweise zwei Meter vom Objekt entfernt, und befindet sich dieses (nur) zwei Meter unter der Wasseroberfläche, wird bereits Rot weggefiltert (weil der Weg des Lichtes insgesamt vier Meter beträgt).

Um dem Problem fehlender Farben entgegenzuwirken, sollte unter Wasser immer mit Blitz gearbeitet werden. Dabei ist zu beachten, daß sich die Leitzahl des Blitzgerätes halbiert. Hat das Blitzgerät die Leitzahl 32 bei ISO 100, so muß bei einem Meter Entfernung zum Motiv die Blende 16 und bei einem halben Meter Entfernung die Blende 32 eingestellt werden. Blitzaufnahmen mit Reichweiten von mehr als einem Meter sind nicht ratsam, da durch die angeblitzten Schwebeteilchen und Plankton die Aufnahmen meist zu flau erscheinen. Sollte es doch einmal notwendig sein, auf größere Distanz zu photographieren, wird man bei ausgestelltem Blitz zu besseren Ergebnissen kommen, jedoch muß dann mit einem Blaustich gerechnet werden.

Unter Wasser begegnet dem Photographen ein großes Motivspektrum von der Makro- bis zur Fisheye-Aufnahme. Der Photograph sollte sich auf zwei bis drei Brennweiten konzentrieren und die Ausrüstung kontinuierlich nach seinem photographischen Können ausbauen. Einsteiger sollten sich zuerst ein 50 - 60 mm Makroobjektiv zulegen, dann ein 20er Weitwinkel. Bei der Wahl des Filmmaterials für Unterwasseraufnahmen ist fast alles erlaubt. Doch es hat seinen Grund, daß unter Wasser über 90 Prozent Diafilme verwendet werden. Diamaterial muß zwar wesentlich genauer belichtet werden als Negativmaterial, doch dafür ergibt sich ein äußerst brillantes, scharfes und farbtiefes Bild, das sich für die faszinierende, leuchtende Diaschau eignet.

Ebenso bedeutsam ist das Wissen um äußere Einflüsse, die sich auf die photographischen Ergebnisse auswirken können. Als wichtigste sind hier die Windrichtung (ablandiger oder anlandiger Wind sorgen für unterschiedlichen Wellengang), die Strömung und der Stand der Sonne zu nennen. Schließlich kann das Verhalten des Tauchers selbst die Ergebnisse im wahrsten Sinne des Wortes trüben: Durch falsche Bewegungen oder falschen Flossenschlag kann er Sediment aufwirbeln, das, im Wasser treibend, durch Refexionen für diffuse Bilder ohne Brillanz sorgt.

Literatur


  • Thomas Kromp, Hans J. Roggenbach, Peter Bredebusch: Praxis des Tauchens. 406 S., Verlag Delius und Klasing, Bielefeld

  • Tauchreiseführer, Band 27, Deutschland, Der Osten. Frank Wieland. 210 S., Verlag Delius und Klasing, Bielefeld

  • Tauchreiseführer, Band 28, Deutschland, Der Süden. Titus Müller. Verlag Delius und Klasing, Bielefeld

  • Tauchplätze in der Ostsee, Teil 1, Flensburger Förde bis Lübecker Bucht. Jörg Wilhelmy. 176 S., Jahr-Verlag, Hamburg
  • Arnd Rödiger: Makrofotografie unter Wasser. 112 S., Verlag Delius und Klasing, Bielefeld

  • Herbert Frei: Spiegelreflexfotografie unter Wasser. 144 S., Verlag Delius und Klasing, Bielefeld

  • Sibylle Hoffmann, Axel M. Mosler: Ostfriesland. 160 S., C. J. Bucher, München


 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2004

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