Fototipp: Polarlichter (Nordlichter) wirkungsvoll eingefangen

In unseren Breiten hier in Deutschland das Naturschauspiel Polarlichter sehen und dann auch fotografieren zu können hat schon Seltenheitswert. Die meisten zieht es deshalb auch ganz weit in den Norden, sind hier doch die Polarlichter – auch als Nordlichter bezeichnet – am wirkungsvollsten. Wie der „Blende“-Teilnehmer Werner Moller mit seiner Aufnahme „Nordlicht-Kappl“, die er zur diesjährigen thematischen Vorgabe „Schätze der Region“ bei „Blende 2016“ einreichte, jedoch eindrucksvoll unter Beweis stellt, gelingen auch in unseren Breiten imposante Aufnahmen mit einem ganz eigenen Charme. Sicherlich sind diese Aufnahmen nicht gleichzusetzen mit Aufnahmen aus dem hohen Norden – aber sie sind deswegen nicht weniger sehenswert. Man muss jedoch ambitioniert sein, denn wie Werner Moller zu seiner Aufnahme ausführt: „Nordlichter in unseren Breiten fotografieren zu können ist eher eine Seltenheit. Wenn es dann doch der Fall ist, ist es meist nur fotografisch sichtbar. Um so eine Aufnahme in unseren Breiten zu machen, braucht mal viel Ausdauer, entsprechende Quellen im Internet und sehr viel Glück.“ Dass allein reicht aber auch noch nicht aus, denn eine Kamera ist ebenso benötigt wie ein Stativ.

© Fotograf: Werner Moller, Nordlicht-Kappl, Blende-Fotowettbewerb
Werner Moller, Nordlicht-Kappl, Blende-Fotowettbewerb

Welches Fotoequipment ist empfehlenswert?

Grundsätzlich, jedoch mit Abstrichen, ist eine sogenannte „Hosentaschenknipse“ geeignet. Die ideale Kameraausrüstung sieht jedoch wie folgt aus:

  • eine APS-C bzw. besser eine Vollformat-Kamera, mit möglichst gutem High-ISO-Rauschverhalten
  • lichtstarkes Weitwinkelobjektiv im Bereich 8-35mm, bis f4 – gerne deutlich weniger
  • stabiles Stativ
  • Fernauslöser
  • Powerpack mit Dummy-Akku
  • Wärmepads / Objektivheizung (kommt auf die Temperaturen an)

Prinzipiell zieht man eine Vollformatkamera einer APS-C Kamera vor. Der Grund: bei gleicher Auflösung sind die Sensorpixel bei Vollformat größer und damit lichtempfindlicher und damit gleichzeitig weniger anfällig für High-ISO-Rauschen.

Bei den lichtstarken Objektiven gibt es sehr gute Zoomobjektive der bekannten Hersteller, z.B. im Bereich 16-35mm bei f2.8 oder f4. Besonders empfehlenswert sind aber auch als „Speziallinsen“ bekannte Festbrennweiten im Bereich 14-35mm bei teilweise f1.4 oder Fisheyelinsen. Die Brennweite hängt weniger von speziellen Notwendigkeiten als vielmehr vom persönlichen Geschmack bezüglich Komposition oder gewünschten Effekten ab.

Generell gilt, eine besonders lichtstarke Linse kann durchaus das Manko einer „schwächeren“ beziehungsweise rauschanfälligeren Kamera ebenso umgekehrt eine besonders gute Kameras ein schwächeres Objektiv ausgleichen – es muss also nicht immer gleich von allem das Beste sein, ein guter Kompromiss ist allemal ein guter Start in der Polarlichtfotografie. Die Aussage bezieht sich natürlich nur auf das Erreichen einer möglichst kurzen Belichtungszeit, die zu einem gut belichten Ergebnis führt, bei gleichzeitigem Erhalt der schönen Strukturen der Polarlichter.

Das Stativ spielt eine zentrale Rolle gerade dann, wenn es einen in den Norden zum Fotografieren zieht. Die Bedingungen sind hier oftmals schwierig mit starken Seitenwind oder beispielsweise einer instabilen Eis- und Schneeunterlage. Hier in Deutschland reicht sicherlich ein normales stabiles Stativ während man in Skandinavien an einen Ballasthaken zur weiteren Stabilisierung denken sollte – idealweise nimmt man noch Eisspikes beziehungsweise Schneepads mit, um diese im Bedarfsfall an den Stativbeinen zu befestigen und damit einen stabilen Stand zu erreichen.

Möchte man Timelapse-Sequenzen erstellen, benötigt man einen programmierbaren Fernauslöser (egal, ob kabelgebunden oder eine Funklösung), ansonsten tut es auch ein normaler Fernauslöser.

Und nicht vergessen, wenn es draußen kalt ist, machen die Akkus der Kameras schneller schlapp – also entweder mehrere geladene Akkus zum Wechseln mitbringen oder einen Powerpack mit Dummy-Akku anschließen, der hält dann die ganze Nacht.

Kameraeinstellung

Über die bestmögliche Kameraeinstellung lässt sich nur spekulieren. Solange man weder über die konkrete Situation noch über das genaue Equipment sowie über die Intention des Fotografen Kenntnisse hat, sind nur abstrakte Aussagen möglich. Auch, wenn die Automatikfunktion der Kameras immer besser wird, so sollte man sinnvollerweise alle Einstellungen manuell vorgeben. Hintergrund: in der Dunkelheit tut sich die Kamera besonders schwer zu ahnen, welches Bildergebnis man erzielen möchte. Aus diesem Grund ist dem Kameramodus „M“ der Vorzug zu geben. Zudem sollte man den Dunkelbildabzug ausstellen, also die kamerainterne Rauschreduzierung für High-ISO und Langzeitbelichtung deaktivieren. Macht man das nicht, so muss man nach jedem Bild recht lange warten, bis das Darkframe in gleicher Länge wie die Originalaufnahme aufgenommen wurde. Die Rauschreduzierung von Lightroom und ähnlichen Produkten ist mittlerweile so gut, dass hier keine Nachteile entstehen – beim Reduzieren des Rauschens mit diesen Werkzeugen. Einzige Ausnahme: Die Kamera hat schon zu viele Hot/Coldpixel, hier ist die interne Rauschunterdrückung zu empfehlen. RAW ist das zu bevorzugende Bildformat.

Helle Polarlichter benötigen natürlich generell kürzere Belichtungszeiten, als eher schwache Polarlichter. Zudem gibt es noch „langsame“ und „schnelle“ Polarlichter, will heißen Polarlichter können teilweise fast statisch, manchmal aber auch recht schnell in ihrer tänzelnden Bewegung sein. Möchte man bei einem schnellen Polarlicht die feinen Strukturen und Zeichnungen innerhalb des Lichtvorhangs auf dem Foto einfangen, dürften Belichtungszeiten um die 10 Sekunden relevant sein, wenn möglich aber auch kürzer. Hat man eine lichtempfindliche, nur wenig abgeblendete Linse und eine Kamera mit gutem High-ISO-Verhalten, so kann man durchaus auf ISO 3.200 bis 6.400 gehen und dafür die Belichtungszeit auch um 5 Sekunden halten zugunsten der Strukturen des Polarlichts.

Bei einem nahezu statischen Polarlicht kann man die ISO-Zahl deutlich geringer halten, das Objektiv auch etwas mehr abblenden (um schönere, punktförmige Sterne zu erhalten). Die Belichtungszeit kann hier durchaus auch mal 30-45 Sekunden betragen, ohne ein „Verschmieren“ des Polarlichts zu befürchten und gleichzeitig noch punktförmige Sterne zu erhalten.

Zusammengefasst: Bei „schnellen“ Polarlichtern lieber die ISO-Zahl hochfahren und die Blende möglichst weit aufmachen, um bei Belichtungszeiten um die 10 Sekunden zu landen. Bei langsameren und schwachen Polarlichtern sind Belichtungszeiten um die 30 Sekunden ok, hier lieber ISO runter und etwas mehr abblenden – für bessere Bildergebnisse (weniger Rauschen und Verzeichnung).

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

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