Porträtfotografie - Menschen mal anders in Szene setzen

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© Blende, Gotthard Nauditt, Der Hundertjährige der aus dem Fenster sprang…

Die Porträtfotografie hat unendlich viele Gesichter, was zum einen an den Akteuren vor der Kamera liegt, aber auch an der bildlichen Umsetzung – und damit an der Einflussnahme des Fotografens hinter der Kamera – und natürlich der gewählten Location. Heute möchten wir dazu inspirieren, andere neue Wege einzuschlagen und mit seinen Interpretationen eigene besondere Porträt-Bilderwelten zu schaffen. Dazu bedarf es übrigens nicht zwangsläufig eines Fotografens. Dank des Selbstauslösers kann man auch vollkommen autonom sein. Das birgt möglicherweise auch Vorteile. So müssen beispielsweise keine zeitlichen Absprachen getroffen werden, man kann seine Bildideen so umsetzen wie man möchte und es muss kein Vertrauen zum Fotografen aufgebaut werden. Aber es geht natürlich auch zu mehreren, wo sich die Akteure vor und hinter der Kamera gegenseitig inspirieren.

Das A und O – Die Bildidee

Entscheidend ist zunächst die Bildidee, die natürlich im direkten Zusammenhang mit der Location steht. Inspirierend für den eignen Ideenfundus sind Maler mit ihren Werken, weshalb sich das Durchblättern von Kunstbänden und Besuchen von Museen anbieten. Natürlich kann man sich auch Anregungen bei Fotografen in ihren Ausstellungen suchen – hier, so unser Eindruck, kommt es mitunter jedoch sehr schnell zu einem Kopieren. Oftmals entstehen Bildideen aber auch beim Lesen eines Buches, wie beispielsweise von Romanen und Märchen, oder bei einem Spaziergang am Strand, durch den Wald oder wenn man an einem leeren Industriegebäude vorbeikommt. Immer wieder sind Fotografen mit ihrem Modell auf Friedhöfen anzutreffen. Im Prinzip ist dagegen nichts einzuwenden – jetzt kommt das Aber: Wir beobachteten in der Vergangenheit vielfach, dass Trauernde durch sie gestört wurden und der Respekt gegenüber den Gräbern und den Verstorbenen für die Inszenierungen auf der Strecke blieben.

Hat man die Location und die Bildidee, dann heißt es, diese gleich niederzuschreiben mit den Gedanken zu möglichen Inszenierungen. Natürlich ist es nur mit der Location allein nicht getan. Wie bringt man sich beziehungsweise sein Modell dort ein, welche Kleidung, aber auch Requisiten unterstützen die Inszenierung. Hier kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen – von Luftballons über luftige Gewänder bis hin zu Blumen wie beispielsweise Rosen.

Tageszeit des Fotoshootings

Welche Tageszeit gewählt wird, ist natürlich von der gewünschten Inszenierung abhängig. Prinzipiell bietet sich jede an – doch außergewöhnliche Bildideen setzen unseres Erachtens auch das entsprechende Licht voraus. Für eine romantische Inszenierung am Strand bietet sich der Sonnenuntergang förmlich an. Möchte man es hingegen mystisch haben, dann ist es jedoch besser, wenn Strand und Meer in Nebel gehüllt sind. Möchte man ein Märchen wie Rotkäppchen und der Wolf mit der Begegnung im Wald in Szene setzen, dann sind wegen des besonderen Lichtes die Vor- oder Nachmittagsstunden sicherlich besser als die Mittagszeit. Soll die Szenerie beängstigender sein, dann muss man hingegen das Fotoshooting auf einen Tag mit Nebel verlegen. Oftmals entwickeln sich außergewöhnliche Bildideen auch erst mit dem Licht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es vielfach mit einem einzigen Shooting nicht getan ist.

Fotoausrüstung

Besondere Bildideen setzen unserer Meinung nach auch das entsprechende Fotoequipment voraus. Auch, wenn Smartphones eine immer bessere Fotoqualität bieten und man den Funktionsumfang mit Foto-Apps steigern kann, so sind diese Aufnahmegeräte alles andere als die erste Wahl – so entfällt beispielsweise das Spiel mit der unterschiedlichen Schärfe im Bild. Als prädestiniert sehen wir hochwertige Kompaktkameras mit ihrem breiten Funktionsumfang sowie kompakte System- und Spiegelreflexkameras. Die Wahl der Inszenierung bestimmt natürlich das Objektiv. Aus diesem Grund kann man dazu schlecht etwas Allgemeingültiges sagen. Immer gut beraten ist man mit einem mittleren Teleobjektiv – damit muss man dem Modell vor der Kamera nicht zu nah auf die Pelle rücken. Ein Stativ ist Pflicht, wenn Selbstinszenierungen geplant sind und mit dem Selbstauslöser gearbeitet wird. Ist man schon im Besitz einer Kamera, die 4K bietet, so kann man auch die Videofunktion nutzen, denn der große Vorteil von 4K ist für Fotografen, dass das Filmmaterial es zulässt, Einzelbilder herauszuschneiden, die von hoher Qualität sind. Je nach Inszenierung bietet sich das Spiel mit zusätzlichem Licht durch ein oder mehrere Blitzgeräte an und/oder durch zusätzliche Strahler. Um mit Licht und Schatten wirkungsvoll spielen zu können, ist der Einsatz von Reflektoren, mit denen das Licht wunderbar gelenkt werden kann, hilfreich. Lohnenswert, so unsere Erfahrung, ist auch der Einsatz der kamerainternen Filter, die Szenerien noch einmal ganz anders wiederzugeben vermögen.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2015

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