Porträtfotografie: Headshots - Das Porträt 2.0

Headshots
Steht der Kopf im Mittelpunkt des fotografischen Interesses, dann war es bisher so, dass man ihn in seiner ganzen Schönheit ablichtete. Immer mehr in Mode kommen die sogenannten Headshots – ein Trend aus den USA, der nun auch auf unseren Kontinent überschwappt. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger stark angeschnittene Kopfporträts und zwar oberhalb der Stirn. Einige treiben es mitunter soweit, dass sie die Aufnahmen bis hin zur Stirn beschneiden. Wie wir gelesen haben, stammen Headshots ursprünglich aus der Filmindustrie, damit sich Carstingsdirektoren ein Bild von der Wandelbarkeit der vorstelligen Personen machen konnten. Aktuell erobern Headshots verstärkt die Business-Welt und Online-Portale, wie die Social-Media-Kanäle.

Headshots werden vielfach als das Passbild 2.0 bezeichnet. Im Gegensatz zum Passbild jedoch, welches ja strengen Vorgaben unterliegt und das damit standardisiert wurde, sollen Headshots Aufschluss über die individuelle Persönlichkeit der abgelichteten Person geben. Es darf also gelächelt werden, man darf auch die Stirn in Falten legen, wenn es einen als Markenzeichen auszeichnet. Headshots sind authentische Bilder, die mehr von den Abgelichteten preisgeben. Wie viel hängt natürlich vom Abgelichteten und vom Geschick des Fotografens ab. Kommunikation ist natürlich das A und O. Bei den meisten Headshots treten Kleidung und Schmuck in den Hintergrund – wichtig sind das Gesicht sowie der Augenkontakt und damit die Ausstrahlung der abgelichteten Person. Die Augen werden unseres Erachtens optimal zur Geltung gebracht, wenn sie leicht oberhalb der Mittellinie positioniert werden. Bevorzugte Hintergründe sind übrigens grau und weiß. Letztgenanntes gilt als moderner und subtiler. Mit dem Make-Up sollte man es nicht übertreiben – weniger ist mehr, denn es soll nicht im Vordergrund stehen.

Wie sehr der Kopf angeschnitten wird, hängt sicherlich auch von der Person vor der Kamera und ihrer Kopfform ab. Unser Tipp: Man sollte es mit dem Beschnitt nicht zu sehr auf die Spitze treiben. Ab einem gewissen Grad hat man sonst das Gefühl, dass der Fotograf hinter der Kamera sein Handwerk nicht verstand.

Digitale Identität / Digitales Image

Hauptaufgabe von Headshots ist in der sich immer stärker überschneidenden Arbeitswelt mit der Freizeit, ein virtuelles Image aufzubauen. Entscheidend sind hier authentische Bilder, die auch zum Blickfang werden und von Nachhaltigkeit geprägt sind, möchte man sich in den Fokus rücken. Private Aufnahmen beispielsweise von sich am Strand sind als Profilbild zunehmend out. Heute dienen Profilbilder als die Visitenkarte des 21. Jahrhunderts. Ziel dieser ist es, eine digitale Identität von sich zu hinterlegen und dementsprechend ein digitales Image aufzubauen, das beispielsweise für Glaubwürdigkeit steht.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2015

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