Wasser in seiner schönsten Form: Rauhreif - ein lohnendes Photomotiv

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Herbert E. Maas

Für den Photographen ist Wasser von fundamentaler Bedeutung, ganz gleich, in welchem Aggregatzustand es auftritt: gasförmig, flüssig oder fest.

Wasser beschert die unverzichtbare Himmelsfarbe für die Landschaftsphotographie und als wichtiges Gestaltungsmittel Wolken und Nebel, die Kondensationsprodukte des Wasserdampfes.

Wasser in seiner üblichen, flüssigen Form ist als Tau und Regen, als kleines Rinnsal oder reflektierende Pfütze, Bach und Fluß, Teich und Binnensee oder als Weltmeer ein schier unerschöpfliches Photothema.

Im festen Aggregatzustand offenbart sich Wasser häufig jedoch noch interessanter. So zum Beispiel als Zapfen am Dachrand, als Schollen beim Eisgang, als Eisfläche auf Pfützen, Bächen und Seen, als in allen Blautönen schillernder Gletscher, und schließlich in feinkristalliner Form als Schnee, Eisblumen und Rauhreif.

Vom Rauhreif soll heute hier die Rede sein, denn gerade in diesen feinsten Kristallen erweist sich Wasser als besonders bizarr, und ist daher ein interessantes und lohnendes Photomotiv. Auch deshalb, weil einmalige, schnell vergängliche Motive entstehen.

Jedes der winzigen Eiskristalle stellt ein sechsstrahliges Sternchen dar, dessen Strahlen wieder sechsstrahlig verzweigt sind. Niemand wird wohl zwei identische Kristalle entdecken, denn die Zahl ihrer Formen ist astronomisch wie die Zahl der Sterne. Erst jüngst haben amerikanische Wissenschaftler mit Hilfe von Computern die Zahl der Eiskristall-Formen ermittelt. Sie kamen auf eine Gesamtzahl von vielen Trillionen, also auf eine Zahl mit zwölf Nullen.

Den mit Eiskristallen überzogenen Pflanzen oder Gegenständen darf man sich nur vorsichtig nähern, denn bei der geringsten Bewegung zerfallen gerade die großen und prächtigsten Kristalle. Zur Wahrung der Distanz verwendet man daher am besten mittlere Tele-Objektive mit 135 bis 200 mm Brennweite oder ein Tele-Zoom-Objektiv, etwa 70 bis 210 mm. Ein Zoom-Objektiv bietet zudem den Vorteil, daß die Brennweitenveränderung auf einfache Weise möglich ist und der beste Bildausschnitt schnell festgelegt werden kann.

Von oben herab darf man den Rauhreif-Motiven nicht begegnen. Sie wollen aus der Hocke oder knieend aufgenommen werden, am besten im Gegenlicht oder im seitlichen Frontlicht, weil dann die vielen winzigen Kristalle geradezu aufleuchten. Der Himmel oder ein dunkler Wald als Hintergrund sorgen für Kontrast und Plastizität. Selbstverständlich muß das kontrastreiche Sujet richtig belichtet werden, um im Bild zu wirken. Daher sollte man die im Schatten liegenden, weiß bereiften Pflanzen anmessen.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2004

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