Rummelplätze - Gleißendes Lichtermeer

Kettenkarussell Bildgalerie betrachten

"Kettenkarussell"
Moritz Mahler

Auf dem Rummelplatz dreht und windet sich alles. Dem einen wird schon vom Zuschauen schlecht, andere würden sich am liebsten gleich eine Achterbahn mit nach Hause nehmen. Ganz so einfach ist das allerdings nicht - wohl dem, der mit Kamera auf den Jahrmarkt geht und dann die Bewegung und Lichter auf Bildern sein Eigen nennen kann. Fehlt nur noch der Duft gebrannter Mandeln und schon ist das ganze Jahr über der Rummel zu Hause zu Gast.

Der Rummelplatz mit seinen zahlreichen Fahrgeschäften ist ein Eldorado für Photographen, das man sich nicht entgehen lassen sollten. Der Experimentierfreude mit Belichtungszeit, Blende, Licht und Filtern sind keine Grenzen gesetzt, außer der Akku ist nicht geladen und man hat zu wenige Speicherkarten beziehungsweise Filme im Gepäck. Für stimmungsvolle Aufnahmen ist nur der Abend geeignet. Die so genannte „Blaue Stunde“ - die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit - ist ideal. Dabei ist der Motivkontrast zwischen den Lichtern und den unbeleuchteten Bildteilen noch nicht zu groß. Bei absoluter Dunkelheit besteht zudem die Gefahr, dass einzelne Lichter im leeren Raum schweben. Zwar sind auch tagsüber Aufnahmen von Fahrgeschäften möglich, allerdings wird es ungleich schwieriger, Bewegungen mit längeren Verschlusszeiten einzufangen. Ein verwischtes Karussell oder Riesenrad wirken viel lebendiger, als ein stehendes Fahrgeschäft.

Tagsüber ist es ungleich aufwändiger, die Bewegung einzufangen - für den Photographen heißt es, in die Trickkiste zu greifen. Ein niedrigempfindlicher Film oder eine niedrige ISO-Einstellung an der Digitalkamera sind ein erster Schritt. Allerdings lassen manche Kameras keine Einstellung unter ISO 100 zu, auch das Filmangebot ist in diesen Bereichen nicht sehr groß. Verbesserte Emulsionstechniken und - damit verbunden - feineres Korn haben dazu geführt, dass die meisten Filme höhere Empfindlichkeiten aufweisen. Das Schließen der Blende sorgt ebenso dafür, dass sich die Belichtungszeit verlängert. Jede Blendenstufe bringt eine Verdoppelung der Zeit. Bei Blende 11 statt 8 beträgt die Zeit also 1/60 Sekunde statt 1/125 Sekunde. Allerdings wächst gleichzeitig die Schärfentiefe. Es wird also nicht mehr möglich sein, einzelne Gegenstände vor einem unscharfen Hintergrund freizustellen.

Bleiben am Ende noch neutralgraue Filter. Diese sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich und sorgen dafür, dass weniger Licht durch das Objektiv fällt. Je nach Stärke des Filters können dabei mehrere Belichtungsstufen gewonnen werden. Dichte Filter neigen zu einer wärmeren Farbgebung. Dies kann entweder mit einem weiteren Filter (leicht blau, beispielsweise Filter mit der Bezeichnung KB3 oder LBB-2 [Fuji] oder 82A [Wratten]) ausgeglichen werden oder mit einem entsprechenden Weißabgleich an der Digitalkamera.

Lange Verschlusszeiten erfordern ein Stativ. Je stabiler dieses ist, desto besser. Ein Photographieren von Zeiten bis zu 1/15 Sekunde kann zwar aus der Hand möglich sein, aber schärfere Bilder gibt es nur mit Stativ. Stative ermöglichen zudem, den Bildaufbau in Ruhe in Angriff zu nehmen und bei Bedarf jederzeit leicht korrigieren zu können.

Verwischte Bewegungen werden ab einer Belichtungszeit von etwa 1/15 Sekunde sichtbar. Ein Riesenrad, das sich gemächlich dreht, verlangt natürlich andere Zeiten als ein Kettenkarussell, das geradezu im Kreis rast. Bei 1/15 Sekunde verwischen Personen und Geräte. Ein Riesenrad verträgt durchaus Belichtungszeiten bis zu vier oder gar acht Sekunden. Beim Kettenkarussell kann da schon ein heilloses Durcheinander auf dem Bild entstehen - schnell in die Höhe schießende Plattformen können nur noch als Streifen auftauchen. Belichtungsreihen sind in jedem Fall sinnvoll - also ausreichend Filme und Speicherkarten mitnehmen.

Hoch aufragende Fahrgeschäfte haben den Vorteil, dass der Photograph nach oben photographieren kann und am Boden vor der Kamera entlanggehende Personen gar nicht im Bild erscheinen. Alternativ kann auch ein Standort weiter weg gewählt werden und ein Teleobjektiv zum Einsatz kommen.

Geduld, aber auch Experimentierfreude sind das A und O für bestechende Aufnahmen von Fahrgeschäften. Der Auslöser muss mehrmals betätigt werden und als überaus nützlich kann sich die Serienbildfunktion erweisen. Mit der Perspektive sollte in jedem Fall gespielt werden. So ist es für ausdrucksstarke Aufnahmen nicht zwangsläufig notwendig, Fahrgeschäfte im Ganzen abzulichten. Vielfach kann ein Ausschnitt sehr viel imposanter wirken.
 

Fotografieren in der Praxis 05 / 2007

71 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden