Fototipp Rummelplatz im Focus

© Fotograf: Dennis Stracke, Hamburger DOM, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Dennis Stracke, Hamburger DOM, Blende-Fotowettbewerb
Rummelplätze gibt es im Kleinen wie im Großen, sie kommen und gehen und die Begeisterung für sie ist bei Groß und Klein gegeben. Die Bezeichnungen für die Vergnügungsoasen variieren je nach Ursprung und Region – denken wir hier in Frankfurt am Main nur an die Dippemesse, die ursächlich als Verkaufsplattform für Töpfe genutzt wurde oder den Hamburger Dom auf St. Pauli. Rummelplätze mit ihren Fahrgeschäften sowie Schaustellern und natürlich Besuchern sind ein Eldorado für jeden Fotobegeisterten. Die Bandbreite an Motiven ist gigantisch weshalb sie allein aus fotografischer Sicht nie ihren Reiz verlieren.

Die beste Zeit

© Fotograf: Oliver Hallmann, Tacke Disco Swing, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Oliver Hallmann, Tacke Disco Swing, Blende-Fotowettbewerb
Geht es einem darum, das Lichtermeer der Fahrgeschäfte wirkungsvoll abzulichten, dann ist dafür die beste Zeit die Blaue Stunde – also der Übergang zwischen Tag und Nacht. Am Tag eingefangene Impressionen von den Fahrgeschäften kann man sich sparen, außer Sie fotografieren mit entsprechend Filtern.
Geht es einem um die Schausteller und das Festhalten ihres Leben am Rande der Vergnügungsoasen in den Wohnwagen oder wie sie ihr Fahrgeschäft betreiben, so ist jede Tageszeit bestens geeignet. Die Aufnahmen können aus dem Verborgenen heraus erfolgen – dann ist der Einsatz von Tele- beziehungsweise Zoomobjektiven ratsam, um die Distanz entsprechend zu überbrücken. Aber Achtung: Immer schön die Persönlichkeitsrechte der Akteure dabei wahren!. Eine andere Option ist, mit den Schaustellern in Kontakt zu treten und sie in das Vorhaben einzubeziehen. Letztgenanntes kann sehr spannend sein und daraus kann sich beispielsweise eine wunderbare Serie ebenso entwickeln wie eine tolle Freundschaft.
Lohnenswerte, und auch nicht alltägliche Motive bieten sich, wenn der Rummelplatz am Abend schließt und/oder am Morgen, wenn alles noch menschenleer ist. Hier sollte man übrigens auch mal sehr früh dran sein, denn sehr Imposant ist es beispielsweise, wenn der Rummelplatz in den Morgennebel eingehüllt ist.

Welche Zeit also aus fotografischer Sicht die beste ist, hängt von dem Schwerpunkt ab.

Sich Zeit nehmen

© Fotograf: Marina Hewig, Der Kartenabreißer, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marina Hewig, Der Kartenabreißer, Blende-Fotowettbewerb
Fotografieren bedeutet, Motive zu entdecken. Auch wenn es durch die Fahrgeschäfte und die umtriebigen Menschen sehr dynamisch zugeht, so darf man sich als Fotobegeisterter davon nicht anstecken lassen. Fotografieren heiß Entschleunigung, denn nur die setzt den Blick für lohnenswerte Motive frei. Auch wenn Fotobegeisterte bei der Jagd nach ihren Motiven vielfach wie Eichhörnchen sind, die von den eingesammelten und versteckten Nüssen nie genug bekommen, so kommt es nicht auf die Anzahl der gemachten Aufnahmen an. Möchte man ausdrucksstarke Motive einfangen, die verstehen eine Geschichte zu erzählen und die mehr sind als Knipsbilder, dann muss man sich Zeit nehmen, sowohl bei ihrer Entdeckung als auch beim Vorgang, sie fotografisch in Szene zu setzen.

Welche Kameraausrüstung sollte zum Einsatz kommen

© Fotograf: Ernst Hobscheidt, Karussell IKARUS, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ernst Hobscheidt, Karussell IKARUS, Blende-Fotowettbewerb
Hochwertige Kompaktkameras mit ihrem großen Funktionsumfang sowie Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras sind bestens geeignet, wenn es darum geht, dass Lichtermeer der Fahrgeschäfte in aussagekräftigen Aufnahmen festzuhalten. Ganz klar im Vorteil ist man, wenn man über ein Kameramodell neueren Ursprungs verfügt. Diese Kameras sind wahre Geschwindigkeitsweltmeister mit beispielsweise Serienbildfunktionen, die einen kein Motiv mehr verpassen lassen. Noch besser ist es, wenn die Kamera über das Feature 4K verfügt, dass auch Fotografen einen klaren Mehrwert bietet. Der Fotograf wird hier kurzfristig zum Videofilmer. Aus der Videosequenz kann er dann einzelne Standbilder extrahieren.

Smartphones können bei diesem Sujet – außer es versucht Sie jemand telefonisch zu erreichen oder man möchte jemanden in nächster Umgebung fotografieren – getrost in der Tasche bleiben. In der Blauen Stunde und/oder bei Dunkelheit erzielt man mit diesen Aufnahmegeräten keine tollen Aufnahmen. Außerdem ist ihr fotografischer Funktionsumfang so begrenzt, dass nur der Nahbereich in Frage kommt. Auch wenn man heutzutage den einen oder anderen auf dem Rummelplatz mit dem Tablet fotografieren sieht, so ist das nicht nur absolut unhandlich, auch die Bildqualität reißt einen nicht vom Hocker – sie ist vielfach noch schlechter als die der Smartphones.

Spiel mit den Möglichkeiten

© Fotograf: Marc Fuchs, Licht gefangen im Rad, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marc Fuchs, Licht gefangen im Rad, Blende-Fotowettbewerb
Der Experimentierfreude mit Belichtungszeit, Blende, Licht und Filtern sind auf dem Rummelplatz keine Grenzen gesetzt, außer der Akku ist nicht geladen und man hat zu wenige Speicherkarten im Gepäck. Wie schon erwähnt ist für stimmungsvolle Aufnahmen nur der Abend geeignet. Die sogenannte „Blaue Stunde“ – die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit – ist ideal. Dabei ist der Motivkontrast zwischen den Lichtern und den unbeleuchteten Bildteilen noch nicht zu groß. Bei absoluter Dunkelheit besteht die Gefahr, dass einzelne Lichter im leeren Raum schweben. Zwar sind auch tagsüber Aufnahmen von Fahrgeschäften möglich, allerdings wird es ungleich schwieriger, Bewegungen mit längeren Verschlusszeiten einzufangen. Ein verwischtes Karussell oder Riesenrad wirken viel lebendiger, als ein stehendes Fahrgeschäft.

Lange Verschlusszeiten erfordern ein Stativ. Je stabiler dieses ist, desto besser. Ein Fotografieren von Zeiten bis zu 1/15 Sekunde kann zwar aus der Hand möglich sein, aber schärfere Bilder gibt es nur mit Stativ. Diese ermöglichen zudem, den Bildaufbau in Ruhe in Angriff zu nehmen und bei Bedarf jederzeit leicht korrigieren zu können. Wegen der Menschenmengen auf Rummelplätzen würden wir dem Einbeinstativ den Vorzug geben. Dann stolpern andere Besucher auch nicht drüber.

Verwischte Bewegungen werden ab einer Belichtungszeit von etwa 1/15 Sekunde sichtbar. Ein Riesenrad, das sich gemächlich dreht, verlangt natürlich andere Zeiten als ein Kettenkarussell, das geradezu im Kreis rast. Bei 1/15 Sekunde verwischen Personen und Geräte. Ein Riesenrad verträgt durchaus Belichtungszeiten bis zu vier oder gar acht Sekunden. Beim Kettenkarussell kann da schon ein heilloses Durcheinander auf dem Bild entstehen – schnell in die Höhe schießende Plattformen können nur noch als Streifen auftauchen. Belichtungsreihen sind in jedem Fall ratsam.

Hoch aufragende Fahrgeschäfte haben den Vorteil, dass Sie nach oben fotografieren können und am Boden vor der Kamera entlanggehende Personen gar nicht im Bild erscheinen. Alternativ kann auch ein Standort weiter weg gewählt werden und ein Teleobjektiv zum Einsatz kommen.

Geduld, aber auch Experimentierfreude sind das A und O für bestechende Aufnahmen. Wie so oft, muss man sich an den Erfolg herantasten. Ratsam ist es, sich nicht unter Druck zu setzen. Und sollten die Aufnahmen im ersten Anlauf nicht das gewünschte Ergebnis liefern, dann einfach am nächsten Tag noch einmal den Rummelplatz aufsuchen und einen erneuten Anlauf nehmen.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2016

19 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden