Schattenrisse mit der Kamera

Schattenrisse Bildgalerie betrachten

Der Schattenriß entwickelte sich aus der alten Kunst des Schattenspiels. Als es die Photographie noch gar nicht gab, waren Schattenrisse eine populäre Form der Portraitdarstellung. Zur Zeit Ludwig XV. kam in Frankreich die Mode auf, die Profile von Gesichtern aus schwarzem Glanzpapier nachzuschneiden. Den noch heute gebräuchlichen Namen Silhouette erhielten diese Portraits nach dem damaligen Minister der Finanzen, der immer höhere Steuern eintrieb. Seine Sparmaßnahmen begünstigten die wohlfeile Silhouette, die an die Stelle der teuren Miniaturportraits trat.

Heute muß man nicht geschickt mit Schere und Glanzpapier umgehen können wie die damaligen Silhouettenschneider. Mit der Kamera lassen sich Schattenrisse recht leicht umsetzen. Voraussetzung ist, daß Gesichter stets im Profil erfaßt werden. Am unkompliziertesten geht das, wenn die Person, die à la Silhouette dargestellt werden soll, vor einem Fenster mit freier Sicht sitzt und bei tiefem Sonnenstand im Gegenlicht aufgenommen wird. Belichtet wird auf hellem Hintergrund. Nach dieser Methode entstehen auch im Freien Schattenbilder, wenn gegen die untergehende Sonne photographiert wird und das Modell sich vom Himmel abhebt.

Mit Hilfe von Kunstlicht, Blitz oder Projektor lassen sich ebenfalls perfekte Silhouetten photographieren. Das Modell wird vor einen weißen Hintergrund gesetzt, der von einer Lichtquelle angestrahlt wird. Dabei muß darauf geachtet werden, daß das Modell vollkommen im Schatten bleibt. Die Lichtquelle ist daher am besten zwischen Modell und Hintergrund aufzubauen.

Wer analog photographiert, nehme als Aufnahmematerial einen Film niedriger Empfindlichkeit, der wegen seiner geringeren Grauabstufung hart arbeitet. Das Entwickeln in konzentriertem Entwickler und das Vergrößern auf Papier mit harter Gradation ergibt das echte Silhouettenphoto. Bei der hier gezeigten Bildsequenz wurden die Frau und ihr Hund erst im Heimlabor zum Schattenbild, denn die Negative wiesen noch Grautöne auf. Wer digital photographiert, für den ist es dank Bildbearbeitungssoftware auch ein leichtes, Schattenbilder nachträglich entstehen zu lassen. Übrigens: Schattenbilder eignen sich hervorragend als Postkartenmotive.
 

Fotografieren in der Praxis 03 / 2004

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