Schattenspiele

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Blende ,“Fischer auf dem Inlesee”
Manfred Laube

Das überaus reizvolle photographische Thema „Schattenspiele“, ob in Farbe oder Schwarzweiß, begrenzt sich nicht nur auf die überaus faszinierende Darstellung von beispielsweise Personen oder Händen vor einem Leinenvorhang. Landschaften, die im Sonnenlicht lange Schatten werfen, sind ebenso eine Aufnahme wert, wie Industriegebäude, die durch das Spiel mit Licht und Schatten eine ganz andere Anmutung erhalten.

Wer sich dem photographischen Thema „Schattenspiele“ in der Natur stellt, für den sind der Morgen und der Abend die richtigen Tageszeiten zum Photographieren, wenn die von der Sonne beleuchteten Objekte Schatten werfen. Die klassische Regel „Sonne im Rücken“ wird außer Kraft gesetzt, denn sie führt zu flachen Aufnahmen ohne Tiefe. Wie kann man Licht zum Leuchten bringen? Nur durch Schatten. „Gegenlicht“ heißt also die Devise. Gegenlicht schafft Tiefe, Effekte. Die Schatten laufen auf den Betrachter zu. Feine Lichtsäume schaffen Plastizität. Allerdings verlangt eine markantere Verteilung von Hell und Dunkel mehr Sorgfalt bei der Belichtungsmessung, schließlich kann die Kameraelektronik nicht wissen, ob die sonnigen oder die schattigen Bildpartien von Bedeutung sind. Im Zweifelsfall hilft die Nahmessung, um die Helligkeit in den wichtigsten Bildbereichen zu ermitteln. Wer ganz sicher gehen möchte, macht von jedem Motiv eine Belichtungsreihe, indem er ein Photo beim gemessenen Wert sowie je eines bei einer Blendenstufe darunter und darüber aufnimmt.

Lacht die Sonne bei Gegenlichtaufnahmen ins Objektiv, so ist das nicht tragisch, da Kameras mit hochwertig vergüteten Objektiven dies ohne stärkere Überstrahlung verkraften. Strukturen von Bäumen, Bauwerken oder Bodenformationen treten im Gegenlicht besonders deutlich hervor. Auch flach einfallendes Seitenlicht, das die Motive nur streift, kann interessante Effekte auslösen. Die sanft geschwungenen Oberflächen von Sanddünen am Meer oder in Wüstenregionen, die Fassadengestaltung von Häusern und die Zeichnung in glatten Felswänden werden erst dadurch sichtbar. Sogar wenig erhabene Reliefs enthüllen bei seitlicher Beleuchtung ihre feinen Details. Eine düstere enge Gasse in einer alten Stadt kann ihren ganzen Charme zum Ausdruck bringen, wenn zumindest einige Sonnenstrahlen kleine Bildbereiche erhellen, Häuserwände streifen oder sich im nassen Straßenpflaster spiegeln. Wer sich zu früher Stunde im Wald aufhält, wenn die Feuchtigkeit der Nacht noch nicht gewichen ist und Nebelschwaden zwischen den Bäumen hängen, kann Photos von großer Ausdruckskraft machen, ob analog oder digital. Wichtig ist, dass man dabei bewusst die Gegenlichtsituation sucht.

Der Schatten als Gestaltungsmittel kann und sollte in der Aufnahme eine Bedeutung erhalten. Bekanntlich werfen sogar Zwerge bei tiefstehender Sonne Riesenschatten. Das gleiche gilt für zahlreiche andere Objekte. Ein Baum, ein Haus, ein Torbogen ohne besondere Ausmaße können bei abendlichem Gegen- oder Seitenlicht mächtige dunkle Abbilder auf den Boden oder das Straßenpflaster zaubern. Vorsprünge, Erker und Verzierungen an Bauwerken sind bei seitlicher Linienführung in der Lage, ausdrucksstarke graphische Effekte zu schaffen. Gerade in der Architekturphotographie spielt die Verteilung von Licht und Schatten eine große Rolle, lassen sich doch auf diese Weise bestimmte Gebäudeteile im Bild hervorheben und manche unerwünschte Partien im Dunkeln verbergen oder Oberflächenstrukturen verstärken. Leider ist die Sonne am Himmel nicht beliebig verschiebbar, so dass der Photograph etwas Geduld aufbringen muss, bis die gewünschte Beleuchtung erscheint.
 

Fotografieren in der Praxis 05 / 2006

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