Fototipp: Schlechtes Wetter - Stimmungsvolle Impressionen

© Fotograf: Jule Köhnemann, Und plötzlich kam kurz die Sonne..., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jule Köhnemann, Und plötzlich kam kurz die Sonne…, Blende-Fotowettbewerb
„Die Sonne lacht, Blende 8“ war so eine Weisheit aus der analogen Zeit, die selbst heute bei unseren Nachwuchsfotografen mitunter noch tief in den Köpfen verankert ist. Warum dem so ist, können wir uns eigentlich nicht erklären, kennen sie doch nahezu nur die digitale Zeit. Wir räumen dementsprechend heute mal mit diesem Mythos auf, denn die Digitalfotografie mit ihren Qualitäten lässt ein Fotografieren bei jeder Wetterlage problemlos zu. Aber nicht nur das. Aus unserer Sicht erhält man gerade dann, wenn der Himmel verhangen ist und/oder es regnet beziehungsweise schneit und wenn Nebel über einer Landschaften liegt, einmalige Impressionen, die alles andere als alltäglich sind. Für uns kann das Motto nur lauten, sich entsprechend anzuziehen, ran an die Kamera und diese besonderen Stimmungen einfangen. Es lohnt sich, Sie werden sehen. Und einmal Hand aufs Herz – wir lieben doch Herausforderungen. Eine Kamera sollte schon der Begleiter sein. Sie hat den Funktionsumfang, den man bei solchen Begebenheiten schlichtweg benötigt. Die Rede ist von der manuellen Einflussmöglichkeit, die für das kreative fotografische Spiel steht.

© Fotograf: Niklas Hesser, Unwetter - bedrückende Stimmung, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Niklas Hesser, Unwetter – bedrückende Stimmung, Blende-Fotowettbewerb

Landschaften grau in grau

© Fotograf: Thorsten Laudien, Autobahnbrücke, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Thorsten Laudien, Autobahnbrücke, Blende-Fotowettbewerb
Wenn es draußen grau in grau ist, dann fehlt es den Motiven an Leuchtkraft, Kontrast und Farbigkeit – drei wesentliche Elemente, die wir als Fotografen gern für uns nutzen, und die uns in unserem kreativen Spiel mit Licht und Schatten beflügeln. Landschaften wirken bei verhangenem Himmel reduziert, ja vielfach schon fast monochrom – wir finden dies sehr reizvoll, wenn auch herausfordernd, da mitunter die Helligkeitsunterschiede zwischen einem dunklen Vordergrund und dem Himmel, je nach Motiv, gravierend ausfallen können. Wie so oft in der Fotografie hat man verschiedene Optionen. Je nach Landschaftsmotiv kann man den Himmel aus seiner Aufnahme verbannen. Wenn dies nicht infrage kommt, dann kann man sich eines Grauverlaufsfilter bedienen oder aber der nachträglichen Bildbearbeitung, um diesen Kontrastumfang in den Griff zu bekommen. Eine weitere Möglichkeit ist die bewusste Inszenierung durch platzierte farbliche Akzente. Sehr beliebt in diesem Zusammenhang sind die Farben rot und gelb.

© Fotograf: Sarah Wolff, Warmer Sommerregen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Sarah Wolff, Warmer Sommerregen, Blende-Fotowettbewerb

Nahaufnahme grau in grau

© Fotograf: Andrea Mey, Der Wettergeist, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Andrea Mey, Der Wettergeist, Blende-Fotowettbewerb
Ist der Himmel verhangen, dann lohnt es sich, das Detail in den fotografischen Fokus zu rücken. Das Licht ist geradezu prädestiniert dafür, modelliert es in der Regel viel besser die Einzelheiten, als wenn die Sonne lacht. Je nach Situation lohnt sich gegebenenfalls der Einsatz des Blitzes, um mehr Farbigkeit zu erzielen. Regnet oder schneit es, dann kann es durchaus ein interessanter Aspekt sein, wenn die Tropfen/Flocken durch den Blitz überstrahlt abgebildet werden. Wie bei Landschaften kann man natürlich ganz bewusst für farbige Akzente sorgen. Doch Achtung – gewollt muss auch gekonnt sein.

Nebel

© Fotograf: Christian Egner, Abendliches Wetterschauspiel, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Christian Egner, Abendliches Wetterschauspiel, Blende-Fotowettbewerb
Nebel sehen wir als Stimmungsbringer, sei es nun gruselig oder aber romantisch. Gerade in der Landschaftsfotografie ist ein erhöhter Standort reizvoll – man befindet sich sozusagen oberhalb der Nebelschwaden. Wichtig ist, auf Formen und Strukturen zu achten, denn Nebel hat die Angewohnheit, Landschaften zu vereinfachen. Sehr beliebt sind beispielsweise Kirchtürme oder Baumkronen, die aus den Nebelschwaden herausragen. Mit kurzen bis mittleren Teleobjektiven lässt sich die Perspektive hervorragend verkürzen. Die Bildelemente rücken näher zusammen, wodurch sie sich, im Nebel liegend, besser zur Geltung bringen lassen. Die automatische Fokussierung kann mitunter schwierig sein, weshalb die manuelle die bessere ist. Sofern die Kamera darüber verfügt, sollte man sich für den LiveView-Modus entscheiden, um exakt scharf zu stellen. Ratsam ist eine Belichtungsreihe. Ein Kontrollblick auf das Histogramm informiert, ob eine Belichtungskorrektur notwendig ist. Fotografiert man mit der Zeitautomatik, so sollte man eine positive Belichtungskorrektur vornehmen. Im manuellen Modus kann die mögliche Unterbelichtung durch die Wahl einer längeren Verschlusszeit kompensiert werden. Wir empfehlen zudem das Spiel mit dem Weißabgleich – wer sagt, dass Landschaften naturgetreu abgelichtet werden müssen?

Wenn es regnet oder schneit

© Fotograf: Dietmar Pohlmann, Sommergewitter, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Dietmar Pohlmann, Sommergewitter, Blende-Fotowettbewerb
Regen und Schnee können dem Kameraequipment so schnell nichts anhaben. Natürlich sollte man bei länger anhaltendem Starkregen die Kamera entsprechend schützen. Hier gibt es recht kostengünstige Hüllen aus wasserdichtem Nylon mit Sichtfenster für 10 bis 15 Euro. Ratsam ist der Einsatz einer Gegenlicht- oder Sonnenblende. Sie hält Regentropfen beziehungsweise Schneeflocken vom Frontglas des Objektivs ab. Mit der Verschlusszeit gilt es je nach Intention zu spielen. Mit kurzen Verschlusszeiten lassen sich Regentropfen und Schneeflocken einfrieren. Verlängert man bei Starkregen die Verschlusszeit, dann werden einzelne Regentropfen zu langen Strichen. Auf diese Weise gelingt es, über die Aufnahme eine Schraffur zu legen. Möchte man einzelne Schneeflocken als weiße Punkte darstellen, dann bietet sich eine Belichtungszeit von 1/200 s an.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2015

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