Warum schlechtes Wetter für die Landschaftsfotografie nur Vorteile bietet

Dem Himmel mehr fotografische Beachtung schenken bei Gewitter

Ist der Himmel tiefblau und die Sonne scheint als wenn es kein Morgen mehr geben würde, so lieben die meisten diese Wetterlage. Landschaftsfotografen können dann in den meisten Fällen getrost die Beine hochlegen, denn so schön auf der einen Seite dieses Wetter ist, so herausfordernder sind da stimmungsvolle Impressionen. Der Himmel hat mit fehlenden Wolken kein spannungsgeladenes Element und das Licht hat nicht die Qualitäten, um Landschaften perfekt fotografisch zu modellieren. Schlechtes Wetter ist insbesondere in der Landschaftsfotografie die entscheidende Zutat für stimmungsvolle visuelle Impressionen jenseits des Alltäglichen. Auch wenn Smartphones in ihrem Funktionsumfang immer leistungsfähiger werden, so bieten Kameras den größeren fotografischen Spielraum weswegen sie das bevorzugte Aufnahmegerät sein sollten.

Naturschauspiel Gewitter – Blitz und Donner

© Fotograf: Tim Schmand, Das größte Licht und Schatten spiel das die Natur uns gibt, Blende-Fotowettbewerb
Tim Schmand, Das größte Licht und Schatten spiel das die Natur uns gibt, Blende-Fotowettbewerb

Das Wetterphänomen Gewitter ist ein visuelles Spektakel der Extraklasse und garantiert Landschaftsaufnahmen in einem ganz besonderen Licht von unverwechselbarer Stimmung und Schönheit. Entladen sich dann auch noch Blitz und Donner auf ihrem Höhepunkt, ist man wie paralysiert von den Impressionen am Himmel. Kein Gewitterbild gleicht dem anderen und das macht den zusätzlichen Reiz aus. Aber nicht nur dass, denn Gewitteraufnahmen sind bei allem fotografischen Können auch vom Glück bestimmt. Geht es einem darum, Blitze wirkungsvoll einzufangen, dann bedeutet dies, dass der Verschluss der Kamera schon offen sein muss, bevor sich der Blitz entlädt. Zu guten Ergebnissen verhelfen in der Regel die Grundeinstellungen ISO 100, 30 Sekunden und eine Blende f/11 mit einem Weitwinkelobjektiv mit 16-20 mm Brennweite. Natürlich können diese Grundeinstellungen nicht verallgemeinert werden, denn sie sind situationsabhängig und wie weit beispielsweise eine mögliche Dämmerung schon fortgeschritten oder ob beispielsweise Vollmond ist. Hier kann die Blende gegebenenfalls kleiner gewählt werden. Wichtig ist die manuelle Fokussierung. Da sich die Blitze in weiter Entfernung entladen, einfach auf unendlich stellen.

© Fotograf: Jens Reh, Gewitterwolken im Gebirge, Blende-Fotowettbewerb
Jens Reh, Gewitterwolken im Gebirge, Blende-Fotowettbewerb

Aber Gewitter stehen nicht nur für Blitz und Donner sondern auch für ein ganz besonderes Wolkenspiel am Himmel. Um dieses wirkungsvoll zur Geltung zu bringen ist es ratsam, dem Himmel mehr Raum in seiner Aufnahme zu geben, wodurch die Gewitterdramatik erhöht wird. Schnell muss es gehen, denn Gewitter sorgen für rasante visuelle Veränderungen. Da ist es in jedem Fall von Vorteil, wenn man seine Kamera beherrscht. Auch, wenn die Automatikfunktion vielfach noch immer verteufelt wird, so liefert diese bei den aktuellen Kameramodellen sehr gute Bildergebnisse. Sofern die Kamera über die Option verfügt, manuelle Einstellungen vornehmen zu können, so empfiehlt es sich, mit der Belichtungszeit zu spielen. Imposant, hier werden aber nicht alle dieser Meinung sein, ist der Einsatz der kamerainternen Filter. Mit diesen kann die Dramatik nochmals erhöht werden. Sofern die Kamera über die Option verfügt, dann sind Zeitrafferaufnahmen über mehrere Minuten durchaus lohnenswert – sie visualisieren eindrucksvoll, wie sich binnen weniger Minuten die Stimmungen verändern.

Nebel der Stimmungsgarant – von gruselig bis romantisch

© Fotograf: Ludwig Lernbecher, Riederinger Kirche im Nebel, Blende-Fotowettbewerb
Ludwig Lernbecher, Riederinger Kirche im Nebel, Blende-Fotowettbewerb

Gerade in der Landschaftsfotografie ist ein erhöhter Standort reizvoll – man befindet sich sozusagen oberhalb der Nebelschwaden. Wichtig ist, auf Formen und Strukturen zu achten, denn Nebel hat die Angewohnheit, Landschaften zu vereinfachen. Sehr beliebt sind beispielsweise Kirchtürme oder Baumkronen, die aus den Nebelschwaden herausragen. Mit kurzen bis mittleren Teleobjektiven lässt sich die Perspektive hervorragend verkürzen. Die Bildelemente rücken näher zusammen, wodurch sie sich, im Nebel liegend, besser zur Geltung bringen lassen. Die automatische Fokussierung kann mitunter schwierig sein, weshalb die manuelle die bessere ist. Sofern die Kamera darüber verfügt, sollte man sich für den LiveView-Modus entscheiden, um exakt scharf zu stellen. Ratsam ist eine Belichtungsreihe. Ein Kontrollblick auf das Histogramm informiert, ob eine Belichtungskorrektur notwendig ist. Fotografiert man mit der Zeitautomatik, so sollte man eine positive Belichtungskorrektur vornehmen. Im manuellen Modus kann die mögliche Unterbelichtung durch die Wahl einer längeren Verschlusszeit kompensiert werden. Wir empfehlen zudem das Spiel mit dem Weißabgleich – wer sagt, dass Landschaften naturgetreu abgelichtet werden müssen?

Landschaften grau in grau fotografisch neu entdecken

© Fotograf: Jens Gutberlet, Nebelungen, Blende-Fotowettbewerb
Jens Gutberlet, Nebelungen, Blende-Fotowettbewerb

Wenn es draußen grau in grau ist, dann fehlt es den Motiven an Leuchtkraft, Kontrast und Farbigkeit – drei wesentliche Elemente, die man als Fotograf bevorzugt nutzt. Landschaften, und darin liegt das fotografisch reizvolle, wirken bei verhangenem Himmel reduziert, ja vielfach schon fast monochrom. Die Lichtsituationen können je nach Aufnahmesituation herausfordernd ausfallen, da mitunter die Helligkeitsunterschiede zwischen einem dunklen Vordergrund und dem Himmel, je nach Motiv, auch gravierend ausfallen können. Wie so oft in der Fotografie hat man

© Fotograf: Rudolf Mester, Pappeln im Nebel, Blende-Fotowettbewerb
Rudolf Mester, Pappeln im Nebel, Blende-Fotowettbewerb

verschiedene Optionen. Je nach Landschaftsmotiv kann man den Himmel aus seiner Aufnahme verbannen. Wenn dies nicht infrage kommt, dann kann man sich eines Grauverlaufsfilter bedienen oder aber der Bildbearbeitung, um diesen Kontrastumfang in den Griff zu bekommen. Eine weitere Möglichkeit ist die bewusste Inszenierung durch platzierte farbliche Akzente. Sehr beliebt in diesem Zusammenhang sind die Farben rot und gelb.

Landschaftsfotografie steht auch für Nahaufnahmen

© Fotograf: Christa Miserre, Perlen der Natur, Blende-Fotowettbewerb
Christa Miserre, Perlen der Natur, Blende-Fotowettbewerb

Ist der Himmel verhangen, dann lohnt es sich, das Detail in den fotografischen Fokus zu rücken. Das Licht ist geradezu prädestiniert dafür, modelliert es in der Regel viel besser die Einzelheiten, als wenn die Sonne lacht. Je nach Situation lohnt sich gegebenenfalls der Einsatz des Blitzes, um mehr Farbigkeit zu erzielen. Regnet oder schneit es, dann kann es durchaus ein interessanter Aspekt sein, wenn die Tropfen/Flocken durch den Blitz überstrahlt abgebildet werden. Wie bei Landschaften kann man natürlich ganz bewusst für farbige Akzente sorgen. Doch Achtung – gewollt muss auch gekonnt sein

Blende – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist Blende ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Blende schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

Blende-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 06 / 2018

1 Kommentare

Vielen Dank für diesen sehr interessanten und hilfreichen Artikel! Ich muss gestehen, dass ich bis dato eigentlich relativ selten bei Schlechtwetter fotografiert habe, aber ich werde in Zukunft die Tipps so gut es geht umsetzen.

nubinou

von nubinou
19. Juni 2018, 22:45:00 Uhr

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