Der Schnappschuß

Schnappschuß Bildgalerie betrachten Feuerwehr Heilbronn

Der Schnappschuß ist als Begriff weithin bekannt, auch wenn er in den Anfängen der Photographie kaum eine Rolle spielte. Als Kameras noch mehrere Kilogramm wogen, der Aufbau viel Zeit in Anspruch nahm und das Photographieren nicht nur teuer sondern auch eine langwierige Angelegenheit war, gab es noch keine Schnappschußphotos. Damals machten sich Photographen vor jedem Auslösen Gedanken, was aufs Bild soll, Menschen mußten lange still sitzen, damit sie auf den lange belichteten Aufnahmen auch scharf abgebildet wurden. Das änderte sich erst, als Kameras leichter, kleiner und handlicher wurden. Jetzt war es möglich, die Kamera überall hin mitzunehmen und zu photographieren. So mußte sich der Photograph nicht mehr lange vorher Gedanken über sein Bild machen, sondern konnte beim Entdecken des Motivs beschließen, dieses sofort auf den Film beziehungsweise Sensor zu bannen. Je kleiner eine Kamera ist, umso mehr ist sie für die Schappschußphotographie geeignet. Voraussetzung für Schnappschüsse ist zudem die Tatsache, daß die Aufnahmen aus einer zufälligen Situation entstehen - und wer hat eine große Kamera bei sich?

Wenn heute in den Medien von wichtigen Ereignissen, Katastrophen und Unglücken authentische Bilder gezeigt werden können, dann liegt das daran, daß im entscheidenden Moment eine Kamera zur Hand war. Ein gewaltiges Feuer besitzt nicht nur infernale Zerstörungskraft, von ihm geht auch eine gewisse photogene Ästhetik aus. Egal ob ein Lagerfeuer, eine Scheune oder ein Fabrikgelände brennt, photographisch sind dabei immer die gleichen Grundsätze zu beachten. Wer an einem Unglücksort photographiert, muß sich diese besonderen Umstände des Ereignisses vergegenwärtigen. Es bedarf nicht nur photographischen Könnens, sondern auch moralischen Fingerspitzengefühls, in solch einer brenzligen Situation Bilder zu machen.

Eine Kamera ist kein Freibrief für ungebührliches Benehmen und macht vor allem auch nicht unverwundbar. Wichtigste Regeln: Bringen Sie niemanden, auch sich selbst, nicht in Gefahr und behindern Sie die Rettungs- und Hilfskräfte nicht! Normalerweise sind diese ausreichend beschäftigt und brauchen nicht noch mehr Arbeit durch Sie als Photographen. Halten Sie also sicheren Abstand zum Brand- oder Unglücksherd und folgen Sie dabei unbedingt den Anweisungen von Polizei oder Feuerwehr. Ein Teleobjektiv kann hierbei gute Dienste leisten, den Abstand zu wahren und trotzdem formatfüllende Bilder zu machen.

Ein Feuer leuchtet zwar hell in der Nacht, kann aber auch den Belichtungsmesser der Kamera täuschen. Es besteht die Gefahr, daß zwar der helle Feuerschein richtig belichtet ist, der Vordergrund aber in tiefer Dunkelheit verschwindet. Ein Blitzlicht, zusammen mit einer etwas längeren Belichtungszeit, kann für bessere Photos sorgen. Während das Blitzlicht den Vordergrund ausleuchtet, kommt durch die längere Belichtungszeit der Feuerschein auf Film oder Sensor. Ein Einbeinstativ gewährleistet die nötige Beweglichkeit und beugt zu starken Verwacklungen vor.

Das Photographieren von Opfern oder Verletzten ist auch für professionelle und abgebrühte Photographen eine Herausforderung. Zwar kann das Bild eines Opfers die Katastrophe symbolisieren, aus moralischen Erwägungen sollten solche Aufnahmen jedoch vermieden werden.

Wer darauf aus ist, Schnappschüsse auf Film oder Sensor zu bannen, hat klare Vorteile, wenn er eine schnelle Kamera nutzt. Sowohl Kompaktkameras als auch Spiegelreflexkameras bieten sich hierfür an. Mittelformatkameras sind zu schwer und besitzen meist keine Automatikfunktion, so daß das Messen der korrekten Belichtung für einen Schnappschuß zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Für weniger geübte Photographen bietet sich die Programmautomatikfunktion an. Geübtere Photographen können mit dem Wählen einer bestimmten Blende oder Verschlußzeit gezielt Einfluß auf das Aussehen ihres Schnappschusses nehmen. Wenn es schnell gehen muß, ist ein Film mit höherer Empfindlichkeit (höhere ASA-Zahl) beziehungsweise eine höhere Empfindlichkeitseinstellung an der Digitalkamera die richtige Wahl. Auch ein zusätzliches, externes Blitzgerät eröffnet weitere Möglichkeiten, als wenn nur der eingebaute Blitz der Kamera verwendet wird.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2005

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden