Schneeflöckchen

Paradies Rhönwald Bildgalerie betrachten “Paradies Rhönwald”
Winfried Mantel

Die weiße Pracht, die für Staumeldungen auf zahlreichen Straßen sorgt, die Groß und Klein zur Schneeballschlacht bewegt oder aber zum Bau eines Schneemanns motiviert, die unsere Landschaften in eine monochrome verzaubert, entsteht, wenn sich in den Wolken feinste Tröpfchen unterkühlten Wassers an Kristallisationskeimen anlagern und dort gefrieren. Die Eiskristalle, nur wenige Millimeter groß, fallen durch zunehmendes Gewicht nach unten und wachsen durch den Unterschied des Dampfdruckes weiter an. Die unterschiedlichen Grundformen der Schneekristalle hängen von der Temperatur ab, bei tieferen Temperaturen bilden sich Plättchen oder Prismen aus, bei höheren Temperaturen sechsarmige Dendriten (Sterne). Unzählige Motive der weißen Pracht bieten sich dem Photographen, der es gar nicht so leicht mit ihr hat, weil der funkelnde Schnee den Belichtungsmesser gerne irritiert.

Weder Sensor noch Film sind so anpassungsfähig wie das menschliche Auge. Vor allem haben sie kein nachgeschaltetes Gehirn, das uns mit ein bisschen Erfahrung und dem Wissen, wie es denn richtig sein sollte, ein passendes Bild liefert. Sensor oder Film haben diese Kompensation nicht und deshalb gilt es für den Photographen, die richtige Belichtungseinstellung für das Hauptobjekt zu ermitteln.

Der Belichtungsmesser der Kamera kann nicht unterscheiden, welches die wichtigen Bildteile sind und was nur Umgebung ist. Er ermittelt aus dem Licht, das durch das Objektiv einfällt, eine durchschnittliche Belichtung. Genau genommen wird dabei eine Belichtung für 18 Prozent Grau ermittelt. Und die kann durchaus von der Wirklichkeit abweichen. Schließlich ist selten etwas genauso hell oder dunkel wie 18 Prozent Grau.

Es gibt zwei durchaus zuverlässige Methoden, die richtige Belichtung für ein Objekt in einer Schneelandschaft zu ermitteln. Außerdem gibt es Schätzwerte, mit denen man sich ebenfalls behelfen kann. Um beispielsweise eine Person im Schnee richtig zu belichten, ist eine Belichtungskorrektur von +1 oder +2, je nach Intensität der Sonneneinstrahlung, meist das Mittel der Wahl. Das heißt, für jede Stufe Mehrbelichtung - bezogen auf den von der Kamera ermittelten Durchschnittswert - wird die Belichtungszeit verdoppelt (1/125 Sekunde statt 1/250 Sekunde) oder die Blende um einen Wert geöffnet (8 statt 11). Viele Kameras bieten auch in automatischen oder teilautomatischen Programmmodi die Möglichkeit, eine Belichtungskorrektur einzustellen.

Die beiden anderen Möglichkeiten sind genauer, dafür aber auch etwas aufwändiger, jedoch auf dem Weg zum perfekten Photo die optimale Wahl. Eine Möglichkeit, ist es, den Kreis der Belichtungsmessung ausschließlich auf das Hauptobjekt einzugrenzen. Die Überstrahlung des Schnees entfällt dadurch. Dies geschieht entweder mittels Spotmessung, die an der Kamera einzustellen ist, oder mit einem externen Belichtungsmesser. Den kann der Photograph einfach so nahe ans Motiv hintragen, bis keine anderen Bildteile mehr gemessen werden. Bei diesen beiden Methoden wird das vom Motiv reflektierte Licht gemessen.

Als genauste Möglichkeit bleibt noch die Lichtmessung. Unverzichtbar ist dafür allerdings ein externer Belichtungsmesser. Dabei wird vom Motiv aus in Richtung der Kamera gemessen, der Belichtungsmesser zeigt zur Kamera. Dabei wird bestimmt, wie viel Licht auf den Belichtungsmesser fällt - und damit auch auf das Motiv. Schließlich zeigen beide in die gleiche Richtung.

Bei leicht bedecktem Himmel - Schatten sind noch erkennbar - kann der von unten funkelnde Schnee helfen, dunkle Augenhöhlen und tiefschwarze Nasen-Unterseiten zu verhindern. Der Schnee wirkt dabei wie ein Reflektor.

Belichtungsreihen sind in jedem Fall ratsam, gerade dann, wenn Landschaften ohne Hauptmotiv im Bild festgehalten werden. Die zarten Weißtöne von Reif und Schnee verlangen vom Photographen viel Fingerspitzengefühl. Schon eine halbe Blendenstufe kann den Unterschied zwischen einem wirkungsvollen Bild ausmachen und einem, das unterbelichtet und grau oder überbelichtet und ausgebleicht wirkt. Das Augenmerk sollte auch auf die Bildausgabe gerichtet sein. Der Photohandel und Labore bieten eine Reihe an unterschiedlichen Photopapieren an. Soll der Schnee richtig funkeln, so ist Photopapier mit einer Metallic-Oberfläche eventuell eine gute Wahl, in jedem Fall eine außergewöhnliche.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2007

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