Fototipp: Schneelandschaften - Reduktion auf das Wesentliche

Es klingt so simpel, wenn im Zusammenhang mit der Fotografie die Rede von der Reduktion auf das Wesentliche ist. Was jedoch auf den ersten Blick so banal daherkommt kann schon herausfordernd in der Umsetzung sein. Betrachtet man die geposteten Aufnahmen in den sozialen Netzwerken, die eigenen und jene von der Familie und von Freunden, so sind diese oftmals überfrachtet, so dass das Auge schlichtweg mit der Erkennung der Botschaften überfordert ist. Der Winter mit seinen schneebedeckten Landschaften bietet sich geradezu an, sich thematisch mit der Reduktion auf das Wesentliche auseinanderzusetzen. Welcher Reiz darin liegt, führt die Blende-Teilnehmerin Martina Wiebeck mit ihrem diesjährigen Wettbewerbsbeitrag „Winter in Frauenwald“, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Ob’s stürmt, ob’s schneit, ob Sonnenschein – Wetterimpressionen“, eindrucksvoll vor Augen. Zu sehen sind lediglich vier Bäume mit Raureif bedeckt, jeweils eine große Schnee- und Himmelsfläche sowie die zwei Farbkomponenten mit weiß und blau. Durch die Fokussierung auf das Wesentliche mit wenigen Elementen, ist Martina Wiebeck eine Aufnahme gelungen, die in ihrer Schlichtheit ein Blickfang für sich ist und die den Betrachter zugleich die Kälte spüren lässt. Das Motiv aus dem gleichen Blickwinkel beispielsweise im Frühjahr aufgenommen wäre längst nicht so imposant.

© Fotograf: Martina Wiebeck, Winter in Frauenwald, Blende-Fotowettbewerb
Martina Wiebeck, Winter in Frauenwald, Blende-Fotowettbewerb

Fotografieren bei Eis und Schnee hat ein paar eigenen Gesetze – Die sind aber alles andere als herausfordernd, so dass man sich voll auf das Wesentliche fokussieren kann. Der Kamera ist aus unserer Sicht der Vorzug vor dem Smartphone zu geben, da die kreativen Möglichkeiten sowie auch die der Einflussnahme sehr viel umfangreicher sind. Für die Kamera spricht in jedem Fall ihr Akku, der deutlich länger durchhält als der von Smartphones. Die wenigstens wissen, dass im Winter bei eisigen Temperaturen ein ausgekühlter Akku etwa die Hälfte seiner Kraft verliert. Versagt der Akku seinen Dienst, so hilft es vielfach, ihn in der Hosentasche aufzuwärmen, dann sind anschließend noch ein paar Aufnahmen drin. In jedem Fall sollte man an Ersatzakkus denken.

Extreme Kälte kann mitunter zu verfälschten Displayfarben führen. Keine Panik denn spätestens wenn die Kamera wieder ins Warme kommt, gibt sich das. Jetzt kann sich allerdings Kondenswasser auf der Kamera bilden. Mit einem entsprechenden fusselfreien Tuch – bitte mit keinem Papiertaschentuch, führt zu Kratzern – lässt sich dies im Außenbereich beseitigen und wodurch gegebenenfalls Schäden vermieden werden können. Gibt man der Kamera genügend Zeit, sich zu akklimatisieren so wird die Bildung von Kondenswasser vermieden.

Fotografen die mit einem älteren Kameramodell unterwegs sind, gönnen ihrer Kamera oftmals ein Unterwassergehäuse, denn so kann Feuchtigkeit der Kamera nichts anhaben. Ist man mit einem sehr aktuellen Kameramodell unterwegs, wie sie im Umfeld der photokina 2016 vorgestellt wurden, so sind diese immer unempfindlicher gegenüber Feuchtigkeit, so dass es keines besonderen Schutzes bedarf.

Schnee kann so manche Kamera aufs Glatteis führen, was nicht korrekt belichteten Aufnahmen nach sich zieht, die entweder farbstichig sind oder grau und wenig anmutend wirken. Sofern die Kamera über das Motivprogramm für den Winter verfügt, wählt die Kamera in diesem Modus selbstständig die besten Einstellungen für Motive bei Eis und Schnee. Ob die Kamera damit richtig liegt, sollte man prüfen, denn eventuell führen manuelle Einstellungen zu besseren Bildergebnissen. Oftmals ist nämlich die Kameraautomatik überfordert, wenn der Schnee beispielsweise die Wintersonne reflektiert. Dann wird die Belichtung von der Kamera zu weit heruntergesetzt mit dem Ergebnis, dass die Aufnahmen zu dunkel werden. Abhilfe schafft hier nur eine manuelle Belichtungskorrektur über den Knopf mit Plus-/Minus-Symbol beziehungsweise den Buchstaben EV (Exposure Value, Belichtungswert). Eine Korrektur um ein bis zwei Stufen führt zu optimal belichteten Aufnahmen.

Den Weißabgleich sollte man gerade bei älteren Kameramodellen auch im Blick haben und sich nicht unbedingt auf die Automatik verlassen. Man kann manuelle Korrekturen vornehmen oder prüfen, ob Voreinstellungen für Tageslicht, Schatten, Wolken beispielsweise zu dem gewünschten Bildergebnis führen.

Objektivfilter helfen, Fotos zu optimieren. UV-/Skylightfilter sind nicht nur ein guter Objektivschutz, sie beseitigen Dunst und Blaustich durch UV-Strahlen – besonders wichtig im Gebirge und an der See. Die Farben werden brillanter wiedergegeben, die Aufnahme erscheint schärfer. Polarisationsfilter beseitigen ebenfalls Dunst und UV-Strahlen. Mit diesen Filtern können polarisierende Lichtquellen ausgeschaltet werden. Sehr hilfreich ist auch die Sonnenblende, die vielfach auch als Gegenlichtblende bezeichnet wird. Sie wird auf das Objektiv aufgeschraubt und verhindert den unkontrollierten Einfall seitlichen Lichts. Dadurch steigert sie den Kontrast und hilft der Kamera, richtig zu belichten. Die Sonnenblende schützt zudem das Objektiv vor mechanischen Schäden, aber auch davor, dass beispielsweise Schneeflocken sich direkt aufs Objektivglas setzen.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, Europas größter Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen, ist seit Jahrzehnten ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie Martina Wiebeck gelungen ist, zu gelangen. Damit soll nicht inspiriert werden zum Kopieren, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

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