Schwarzweißphotographie - Einfachheit und Kontrast

Winterfütterung am Main Bildgalerie betrachten

Blende ,“Winterfütterung am Main”
R. Fischenich

Schwarzweißaufnahmen sind überaus reizvoll und vermögen mitunter die Wirkung und Atmosphäre eines Motivs besser wiederzugeben als die Farbe. Als große Kunst kann und muß die Schwarzweißphotographie angesehen werden. Die Schulung unseres Auges spielt in der Schwarzweißphotographie eine entscheidende Rolle, denn wir müssen lernen, wie farbige Motive in schwarzweiß wirken. Farbe ist für die Verwirklichung einer Bildidee also nicht zwingend erforderlich, manchmal stört sie sogar. Stehen Strukturen, Kontraste, Umrisse oder Volumen - schlechthin die ausschlaggebenden Bildelemente - im Mittelpunkt der photographischen Betrachtung, dann ist die Reduktion auf Schwarzweiß eventuell sogar ein Muß.

Photographen, die mit Schwarzweißfilmen arbeiten, greifen oftmals auf ein farbiges Objektivfilter zurück, das es ihnen gestattet, das Motiv monochromer zu sehen. Digitalphotographen haben die Option, daß die Entscheidung zwischen Schwarzweiß und Farbe im Nachhinein in der digitalen Dunkelkammer mittels Bildbearbeitung gefällt werden kann. „Die Aufnahme ist das Notenblatt und der Musiker entscheidet, ob in Schwarzweiß, Farbe oder in beiden Richtungen gespielt wird“, so Ansel Adams.

Farbfilter lassen das Licht in ihrer Farbe durch, während die Komplementärfarbe gesperrt wird. So vermindern die Filter Gelb, Orange und Rot beim Schwarzweißfilm bläulichen Dunst und verstärken die Wolken vor dem blauen Himmel. Grünfilter verbessern die Tonwerte von Pflanzen und Bäumen, während mittägliche Schatten durch das Blaufilter reduziert werden. Der Einsatz von Filtern lohnt sich auch in der Digitalphotographie, denn das Bildergebnis ist meist deutlich besser, als wenn nachträglich die Farbe entfernt wird. Einige Kameras verfügen über einen Schwarzweißmodus, die Farbwerte für Rot, Grün und Blau werden nicht erfaßt. Vielfach wird von diesem Modus abgeraten, da die Farbwerte Rot, Grün und Blau die Grundlagen für Schwarzweißaufnahmen sind.

Wird ein Farbbild mittels digitaler Bildbearbeitung in Schwarzweiß konvertiert, so sollten besonders in den Lichtern alle Tonwerte erhalten bleiben. Für die Umwandlung bieten Bildbearbeitungsprogramme meist schnelle Lösungen an und solche, die eine individuelle Nachbearbeitung offen lassen. Bei der schnellen und einfachen Methode - es sollte immer mit einer Kopie der Originalbilddatei gearbeitet werden - weist der Photoshop-Befehl Bild > Modus > Graustufen den einzelnen Pixeln ausschließlich Grauwerte zu. Photoshop räumt dem Anwender noch die Option ein, abweichende Tonwerte beispielsweise mit dem Befehl Bild > Einstellungen > Tonwertkorrektur mit der Darstellung des Histogramms zu korrigieren. Eine weitere einfache Methode zur Umwandlung in ein Graustufenbild bietet Photoshop mit dem Befehl Bild > Anpassen > Sättigung verringern - jedem Pixel werden übereinstimmende Werte für Rot, Grün und Blau zugewiesen. Feinere Tiefen und eine bessere Trennung der Lichter erhält man mit dem Modus LAB-Farbe. Jedes Pixel erhält einen Helligkeitswert plus Werte für die zwei Farbachsen A und B. Die besseren Ergebnisse bei der Umwandlung von Farbe in Schwarzweiß erzielt man mit der Kanalmixer-Einstellung mit aktivierter Monochrome-Option. Wie die Objektivfilter bietet diese Technik eine äußerst präzise Kontrolle des Umwandlungsprozesses, da sich die Tonwerte separieren lassen. Eine weitere Möglichkeit stellt die Film/Filter-Methode dar. Man arbeitet mit zwei Farbton/Sättigungs-Einstellungsebenen, von denen eine „gesättigt“ wie ein Schwarzweißfilm funktioniert und die andere wie ein Objektivfilter. Durch Änderung von Farbton und Sättigung in der Filter-Ebene kontrolliert und verbessert man die Tonwerte in der Schwarzweißaufnahme.

Gute Schwarzweißaufnahmen überzeugen durch ihre Einfachheit und ihren Kontrast. Eine intensive Auseinandersetzung ist notwendig, um ein Gefühl davon zu erhalten, ob das Motiv in Schwarzweiß wirkt. Auch wenn es nicht das gleiche ist, ob man mit Schwarzweißmaterial arbeitet oder den Aufnahmen mit Hilfe von Bildbearbeitung die Farbe entzieht, so stellt es doch eine gute Übung dar und schult das Schwarzweißsehen.

Prädestiniert für die Schwarzweißphotographie sind beispielsweise graphische Formen, denn sie betonen die Gesamtstruktur, rahmen Teile des Bildes ein und führen das Auge des Betrachters durch das Bild. Horizontale und vertikale Linien geben der Aufnahme zum Beispiel eine starke Struktur. Lotgerecht sollten sie sein, wenn die Aufmerksamkeit auf die Linien gelenkt werden soll. Vor dem Auslösen ist auf den Horizont zu achten. Viele Photographen arbeiten aus diesem Grund mit einer Libelle (kleine Wasserwaage) im Zubehörschuh der Kamera. Diagonale können für Dramatik sorgen, führen den Betrachter durch die Aufnahme, wenn sie eine Führungslinie zum zentralen Aufnahmeobjekt bilden. Stoßen Diagonalen zusammen, dann gibt es Chaos im Bild.

Wie geschaffen für die Schwarzweißphotographie sind Aufnahmen bei Gegenlicht und Silhouetten. Gegenlicht erzeugt Photos mit Tiefe, interessanten Lichtern und starkem Kontrast. Vor einem geeigneten Hintergrund versteht die Silhouette in schwarzweiß, als Aufnahmeobjekt zu überzeugen. Muster und Symmetrien sind ebenfalls für die Schwarzweißphotographie prädestiniert.
 

Fotografieren in der Praxis 11 / 2005

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