Schwarzweißfotografie - Der besondere Reiz

© Fotograf: Christine Kress, Die neue Osthafenbrücke, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Christine Kress, Die neue Osthafenbrücke, Blende-Fotowettbewerb
Der Welt die Farbe zu entziehen, also sie in Schwarzweiß festzuhalten, darin sehen – so unsere Beobachtung – immer mehr Fotografen für sich den besonderen Reiz. Ein Grund, und der ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen, liegt ebenso in den technischen Weiterentwicklungen der Kameras und der Drucker begründet. Die Druckerindustrie hat sich mit ihren Produkten kontinuierlich auch den Wünschen der Fotografen angepasst und liefert mit ihren immer leistungsfähigeren Printern, in Kombination mit einem immer breiteren Portfolio an FineArt-Papieren die Grundlage für Ausdrucke, die nicht nur der Schwarzweißfotografie erst richtig gerecht werden, sondern auch im Hinblick auf ihre Haltbarkeit selbst den kritischen Ansprüchen von Kunstsammlern, Galerien und Museen genügen. Gepusht wird die Liebe für die Schwarzweißfotografie natürlich auch durch die Äußerungen zahlreicher Fotografen, dass sie die „einzig wahre Fotografie“ sei, und unter anderem durch Fotoausstellungen wie „100 Jahre Leica Fotografie“, die noch bis zum 11. Januar 2015 in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen ist.

Schwarzweiß sehen lernen

© Fotograf: Axel Schliemann, Gespensterwald, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Axel Schliemann, Gespensterwald, Blende-Fotowettbewerb
Gerade für Einsteiger in die Schwarzweißfotografie besteht die große Kunst darin, farbige Motive in Schwarzweiß zu sehen. Dabei hilft es, Motive auf Graustufen zu reduzieren. Das Hauptmotiv sollte sich klar vom Rest trennen, denn man hat mit Schwarz – auch wenn wir im Kunstunterricht gelernt haben, es sei keine Farbe – quasi nur eine Farbe und die muss umso geschickter eingesetzt werden, damit die Aufnahme eine klare Sprache spricht und es nicht zu sehr in ihr wuselt.

Nicht jedes Motiv ist für die Schwarzweißfotografie geeignet – diese Erfahrung wird man schnell machen. Entgegen kommt gerade Einsteigern in die Schwarzweißfotografie, dass immer mehr aktuelle Kameramodelle über einen „Schwarzweißmodus“ verfügen. In der Praxis wird jeder schnell feststellen, dass die Schwarzweißfotografie das Spiel mit Licht und Schatten liebt. Klare Formen und Strukturen sind für die Schwarzweißfotografie prädestiniert.

Schwarzweißfotografie – RAW Modus die beste Wahl

© Fotograf: Burkhard Merchel, vorsicht bissig, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Burkhard Merchel, vorsicht bissig, Blende-Fotowettbewerb
Geht man der Schwarzweißfotografie nach, so sind Kameras, die den RAW-Modus bieten, die erste Wahl. Nahezu alle aktuellen Kameras verfügen heute über die Option – einfach in die Bedienungsanleitung schauen. Aus Bequemlichkeit oder auch, weil man sich mit dem RAW-Modus nicht auseinandersetzen möchte, wird bevorzugt im JPEG-Modus fotografiert. Natürlich bietet der sehr viele Annehmlichkeiten, denn man benötigt weniger Speicherplatz und muss sich nicht überlegen, welchen RAW-Konverter man auf seinen Rechner lädt. Dem gegenüber stehen die Vorteile des RAW-Formats, in dem alle zum Aufnahmezeitpunkt verfügbaren Rohdaten gespeichert werden. Einstellungen vor/bei der Aufnahme wie zum Beispiel Weißabgleich, Schärfen, Tonwertkorrektur, fallen unter den Tisch. Der Vorteil von RAW ist zudem, dass die Daten in der Regel mit 12 oder 16 Bit Farbtiefe gespeichert werden – bei JPEG sind es nur 8 Bit. Dies bedeutet, dass dem Fotografen im RAW-Modus ein deutlich höherer Farbumfang zur Verfügung steht. Zudem ist der Lichtumfang im RAW-Format besser – dies wird sichtbar in deutlich besseren Farben sowie Differenzierungen. Für das RAW-Format sprechen zudem die feineren Tonwertübergänge und weniger Bildrauschen bei der Umwandlung mit dem Kanalmixer.

Schwarzweißfotografie und Filter

© Fotograf: Helmut Kober, Gabel, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Helmut Kober, Gabel, Blende-Fotowettbewerb
Grauwertverteilung sowie Motivkontrast lassen sich durch den Einsatz von Farbfiltern in der Schwarzweißfotografie verändern und bestimmen. Viele aktuelle Digitalkameramodelle berechnen diese Filterwirkung – es gibt aber auch zahlreiche Modelle, die dies nicht tun. Die wichtigsten Farbfilter in der Schwarzweißfotografie, mit denen man auf die Dramaturgie Einfluss nehmen kann, sind Gelb-, Orange-, Rot-, Grün- und Blaufilter. Diese lassen die Lichtwellen der eigenen Farbe durch, während das Licht der Komplementärfarbe absorbiert wird. Die Meinungen hinsichtlich des Einsatzes von Farbfiltern gehen in der Digitalfotografie auseinander – oftmals wird davon abgeraten, weil flaue „Farben“ das Resultat seien. Statt durch Filter kann die Bildwirkung auch mit Bildbearbeitungsprogrammen erzielt werden. So bietet Photoshop seit der Version CS3 die Möglichkeit, die Wirkung von Blau-, Gelb-, Grün- und Rotfilter bei der Schwarzweißkonvertierung herzustellen.

© Fotograf: Kevin Berlit,  Im Fluss der Zeit, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Kevin Berlit, Im Fluss der Zeit, Blende-Fotowettbewerb
Unbestritten unerlässlich in der Schwarzweißfotografie sind Polarisations- und Verlaufsfilter. Bei erstgenanntem lassen sich durch Kreuzstellung vor allem zwei Arten von polarisiertem Licht ausschalten. Zum einen Spiegelungen von nichtmetallischen Gegenständen und zum zweiten die polarisierten Lichtschwingungen des Himmels. Das steigert den Kontrast zwischen Himmel und Wolken.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2014

1 Kommentare

Bei den meisten spiegellosen Kameras kann man S/W im elektronischen Sucher (falls vorhanden) oder au dem Display einstellen, so dass man schon vor dem Auslösen weiß, wie das Bild in S/W aussehen wird. Von Fuji weiß ich, dass man in deren Kameras sogar Farbfilter für S/W einstellen kann. Damit entfällt dieses "Schwarzweiß sehen lernen". Mit der Zeit bekommt man zwar ein Gefühl dafür, ob etwas in S/W wirkt, wirklich Gewissheit hat man, wenn man durch den Sucher/aufs Display schaut.

GambaJo

von GambaJo
10. Dezember 2014, 08:59:54 Uhr

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