Fototipp: Schwarzweißfotografie - Monochrome Aufnahmen

Hermann Schiffer, Skyline, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten Hermann Schiffer, Skyline, Blende-Fotowettbewerb
Das Bild entstand im Januar in der Kantstrasse Berlin, Nähe Bahnhof Zoo.

Schwarzweißfotografie bedeutet monochrome Aufnahmen zu schaffen, die zwangsläufig nicht in Schwarzweiß gehalten, sondern einfarbig getönt sein können – ob nun chamois, bläulich oder leicht cyan. Dies ist sicherlich auch der Grund dafür, warum heute oftmals eher von der monochromen Fotografie die Rede ist als von der Schwarzweißfotografie. Unabhängig von der genutzten Begrifflichkeit können wir jedem nur empfehlen, in die monochrome Welt der Fotografie einzutauchen, sind die Fotografien – sofern das Motiv dafür geeignet ist – von besonderer Ästhetik. Und dies ist der erste Knackpunkt, denn nicht jedes Motiv ist dafür geeignet, monochrome dargestellt zu werden.

Prävisualisierung – Gabe etwas zu sehen, bevor es existiert

Im ersten Stepp bedeutet dies anders sehen zu lernen und eine Vorstellung zu entwickeln, wie die Szenerie wirken wird, wenn man ihr die Farbe entzieht. Aktuelle Kameras unterstützen gerade fotografische Einsteiger in die monochrome Welt der Fotografie einzutauchen. Nahezu alle Kameramodelle sind mit einem Monochrom-Modus ausgestattet. So manch einer wird jetzt aufschreien, sieht er den monochromen Bilderfolg erst dann gegeben, wenn man nicht nur monochrom sieht, sondern auch denkt. Die Rede ist von Prävisualisierung, also der Gabe etwas zu sehen, bevor es vollständig existiert. Die sogenannte „Im-Kopf-Prävisualisierung“ erfordert Erfahrung, Vorstellungskraft und Abstraktion. Erst im nächsten Schritt steht die Bildschirmdarstellung.

Monochrom sehen lernen

Monochrom zu sehen will gelernt sein – ein Prozess der Zeit beansprucht. Monochrome Aufnahmen zeichnet eine ihnen eigene Ästhetik aus die meist geprägt ist von Linien, Formen, Muster, Verläufen und Kontrasten. Durch den Entzug der Farbe beschränken sich Fotografien auf Schwarz, Weiß und die Grautöne. Damit einher geht eine Reduktion und darin liegt die Abstraktion, die es zu erlernen gilt. Wichtig ist, sich nicht von der Farbe ablenken zu lassen und eben auf Linien, Formen, Muster, Verläufen und Kontrasten zu achten. Schnell wird man dabei feststellen, dass damit eine Sensibilisierung für die Wahrnehmung von Licht einhergeht, was einem dann auch wieder in der Farbfotografie zugutekommt. Unweigerlich wird man auf dem Weg des monochromen sehen Lernens erkennen, wie groß der Kontrastumfang einer Szene vom riefen Schatten bis zum hellen Detail ist oder ob es harten Kontraste sind, die eine andere Bildsprache erzeugen als feine, zarte Übergänge.

Licht sehen lernen

Fotografieren heißt mit Licht malen. Das bedeutet, sein Auge für das Licht zu schärfen. Wie fällt das Licht, aus welcher Richtung kommt das Licht, ist das Licht hart oder weich, ist das Licht gerichtet oder diffus, ist das Licht stark oder schwach, welche Farbe hat das Licht und wie sieht es mit der unterschiedlichen Wirkung von Lichtquellen aus. Gerade wer sich der Schwarzweißfotografie hingibt, für den heißt es intensiver in die Thematik des Licht-Sehens einzusteigen. Der Farbfotograf kann durch Farbe in seinen Fotografien ablenken – diese Option hat der Schwarzweißfotograf nicht. Durch den Verzicht auf Farbe wirken monochrome Aufnahmen übrigens in der Regel ruhiger. In Workshops fällt gern der Ausdruck, dass monochrome Fotografien weniger geschwätzig seien als Farbaufnahmen.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Mit dem verstärkten Aufkommen der Digitalfotografie war zunächst ein Rückgang an monochromen Wettbewerbsbeiträgen auszumachen. Seit den letzten drei bis fünf Jahren ist festzustellen, dass der Anteil monochromer Bildeinsendungen bei „Blende“ von Jahr zu Jahr steigt.

Der Stratschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen. Weitere Informationen:
https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende/blende-2017-startschuss-zur-43-runde-gefallen-10010700

Fotografieren in der Praxis 06 / 2017

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