Sprühende Funken

Schienenschleifzug Bildgalerie betrachten

“Schienenschleifzug”
Moritz Maler

Sprühende Funken in dunkler Nacht, Rauchschwaden verbreitender Geruch von heißem Metall, ohrenbetäubender kreischender Stahl - man möchte eigentlich das Weite suchen, ist aber gefangen von der Szenerie, wenn der Schienenschleifzug entlang der Bahnstrecke ein Feuerwerk aus 10.000 Wunderkerzen entzündet. Ein Photomotiv, das seinesgleichen sucht und das einen alles Unangenehme ertragen läßt.

Um ein Alltagsmotiv handelt es sich beim Ablichten eines Schienenschleifzugs wahrlich nicht - eventuell stellt dies die große Herausforderung an den Photographierenden dar. Dabei muß es nicht unbedingt ein Schleifwagen sein, der Stahlschienen bearbeitet, um zu so eindrucksvollen Aufnahmen zu gelangen. In jedem Metall verarbeitendem Betrieb und außerdem in vielen Hobbykellern wird Metall geflext, geschliffen und geschnitten. Der dabei entstehende Funkenflug sieht oft aus wie überdimensionale Wunderkerzen. Möchte man diesen Funkenflug im Bild festhalten, darf die Belichtungszeit nicht zu kurz gewählt werden, da die Funken sonst nur als Punkte erscheinen. Dynamik würde der Aufnahme fehlen, die Wirkung wäre somit dahin. Erst wenn die Funken im Bild davonstieben, was mit Belichtungszeiten von etwa 1/10 bis 1/100 Sekunde gelingt, haben wir eine Aufnahme im Kasten, die ein wahrer Augenmagnet ist.

Die Belichtungsmessung erfordert etwas Übung, um ein korrekt belichtetes Photo zu erhalten. Einen groben Anhaltswert kann die Belichtungsmessung der Kamera bieten. Sie berechnet aus hellem Funkenflug und dunkler Umgebung einen Mittelwert, der durchaus brauchbar ist, um die beiden Extreme Hell und Dunkel in ein Photo zu packen. In jedem Fall sollten aber Belichtungsreihen gemacht werden, eine leichte Korrektur zur Überbelichtung paßt meistens.

Unendliche Male mußte der Auslöser betätigt werden, bis die Aufnahme vom Funkenflug eines Schienenschleifzugs im Kasten war. Gerade wenn es darum geht, Funken im Bild festzuhalten, gilt es, die Belichtungseinstellungen ständig zu kontrollieren, da sich die photographischen Begebenheiten innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde ändern - das Fahrzeug bewegt sich, das Werkzeug dreht sich, die Position der Schleifscheibe verändert sich, der Arbeiter wechselt seinen Standort.

Besonders wirkungsvoll erscheinen die Funken im Bild, wenn die Umgebung entsprechend dunkel ist. In Gebäuden, Werkhallen oder Hobbykellern ist das meist ohnehin der Fall. Auch entlang von Bahnschienen wird überwiegend nachts gearbeitet. Die Umgebung läßt sich mit einem Blitz leicht aufhellen. Wichtig ist dabei, daß der Photograph darauf achtet, daß der Blitz nicht die ganze Szenerie taghell ausleuchtet, weil dann die Funken nur schlecht zu sehen sind. Eine gezielte Aufhellung mittels Blitzlicht ist deshalb nur mit einem externen Blitzgerät möglich, das dem Photographen entsprechende Optionen zum Eingreifen bietet. Ein gedrosselter Blitz hilft, den Kontrastumfang des Bildes hinreichend zu reduzieren. Andererseits kann auch auf den Einsatz eines Blitzlichts ganz verzichtet werden, um gezielt einen starken Kontrast zwischen hellem Funkenflug und dunklem Hintergrund abzubilden.

Bei sich bewegenden Objekten ist ein Autofokus ein nützliches Feature der Kamera. Zwar kann die automatische Scharfstellung im Dunkeln Schwierigkeiten verursachen, die hellen Funken gewährleisten aber oft schon genügend Licht für den Autofokus. Gegebenenfalls muß der Photograph jedoch manuell eingreifen.

Wenn ein Photograph sich einer Maschine, einem arbeitenden Menschen oder gar einem Zug nähert, dann sollte er unbedingt auf die eigene und auf die Sicherheit anderer achten. Glühende Funken können schwere Verletzungen verursachen oder auch die Kameraausrüstung beschädigen. Es empfiehlt sich daher, schon vorher abzuklären, wohin die Funken fliegen werden. Tabu sind in jedem Fall Bahndamm und Gleise. Wer diese ohne ausdrückliche Erlaubnis betritt, begibt sich in Lebensgefahr und macht sich außerdem auch strafbar.
 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2006

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