Der Griff nach den Sternen

Sternenhimmel vom Stativ aus photographiert Bildgalerie betrachten “Sternenhimmel vom Stativ aus photographiert”
Andreas Lerg

Sternenhimmel faszinieren und wer sich nicht in der Nähe von Großstädten aufhält, der bekommt die volle Pracht zu sehen, denn die Sterne leuchten in der dunklen Nacht noch beeindruckender. Der Wunsch, dieses Naturschauspiel im Bild - beziehungsweise - in Bildern festzuhalten ist groß. So manch einer geht davon aus: Man nehme die Kamera, ein großes Teleobjektiv, Stativ und eine lange Belichtungszeit und fertig ist das Bild vom Firmament. Auch wenn das Rezept zunächst einleuchtend klingt, Aufnahmen von Sternen und Himmelskörpern zu machen, ist leider nicht ganz so einfach!

Jeder, der es schon einmal probiert und sich das Ergebnis dann betrachtet hat, kommt schnell dahinter. Mehrere Minuten Belichtungszeit und das Bild besteht nicht aus einzelnen Sternen, sondern aus mehr oder minder langen weißen Streifen, die bogenförmig sind. Der nächtliche Himmel scheint sich während der Belichtung zu drehen. In Wahrheit ist es natürlich die Erdrotation, die dem unerfahrenen photographischen Himmelsstürmer einen Streich gespielt hat. Hätten Sie es gewußt, daß sich die Erde, gemessen am Äquator, mit einer Geschwindigkeit von 0,5 Kilometern pro Sekunde dreht? Das sind 1800 km/h! Nicht gerade langsam oder? Schafft man es, Aufnahmen von sehr hellen und großen Himmelskörpern - beispielsweise dem Mond - mit nur wenigen Sekunden oder Sekundenbruchteilen Belichtungszeit zu machen, dann ist dieser Effekt nicht zu sehen. Doch in der Regel gelingt ein Photo des nächtlichen Himmels nur mit langen bis sehr langen Belichtungszeiten. Man muß daher die Kamera während der Belichtung mit der Erddrehung mitführen. Doch mit einem normalen Photostativ ist das im Prinzip unmöglich.

So kriegen Sie den Dreh raus!
Wollte man von einem normalen Photostativ aus photographieren, so müßte man beim Mit- oder Nachführen gleichzeitig zwei Achsen bewegen, nämlich die Neigung (auf und ab) und die Drehung beziehungsweise die Himmelsrichtung (links und rechts). Und das müßte so präzise und exakt wie möglich geschehen, damit sich der Bildausschnitt nicht verändert und man damit die Sterne punktförmig photographieren kann. Das jedoch ist sehr schwer, um nicht zu sagen unmöglich. Stative sind von Hand nur grob einzustellen, eine feinfühlige millimeterweise Nachführung ist kaum machbar. Um ein Teleskop, oder in unserem Fall die Kamera an die Erdrotation angepaßt auf einen Stern oder ein Sternbild ausgerichtet mitführen zu können, benötigt man einen speziellen Stativkopf. Astronomen sprechen dabei nicht von einem Stativkopf, sondern von einer so genannten Montierung. In unserem Fall handelte es sich um die parallaktische Montierung. Die genaue Bezeichnung für die hier benötigte Montierung heißt: "Deutsche parallaktische Montierung".

Wie funktioniert eine solche
parallaktische Montierung?

Man macht sich dabei zu Nutze, daß sich die Erde nur um eine einzige Drehachse, nämlich ihre Polachse dreht. Die parallaktische Montierung hat eine so genannte Stundenachse, die auch Polachse genannt wird. Diese wird nun exakt parallel zur Drehachse der Erde ausgerichtet. Das geschieht, in dem man diese Achse mit einer speziellen Visierung exakt auf den Polarstern ausrichtet, denn der liegt präzise auf der Erdachse, würde man diese entsprechend weit verlängern. Das Teleskop oder die Kamera, werden auf der zweiten Achse der Montierung angebracht und genau auf die anvisierten Sterne oder Himmelskörper ausgerichtet. Dann wird diese Achse fixiert. Jetzt muß man die Montierung nur um eine einzige, nämlich die auf den Polarstern ausgerichtete Stundenachse bewegen, um mit dem Teleskop der bogenförmigen Bahn des anvisierten Objektes zu folgen. Die Montierung dreht sich dabei parallel zur Erdrotationsachse. Das kann man manuell machen, doch gerade für die Sternenphotographie empfiehlt sich eine motorische und damit ruckfreie und sehr feinfühlige Steuerung dieser Achse. Die motorische Steuerung hat aber noch einen Vorteil: eine gute motorische Steuerung ist so ausgelegt, daß Ihre Drehgeschwindigkeit exakt der Rotationsgeschwindigkeit der Erde angepaßt werden kann. Damit stimmt die exakte Ausrichtung auf das Hauptmotiv quasi von alleine.

Mit einer solchen Montierung als Fundament gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten, Sternenphotographie zu betreiben. Zunächst durch das Objektiv der Kamera und dann mit der Kamera sowie einem speziellen Adapter durch das Okular des Teleskops.
 

Fotografieren in der Praxis 07 / 2004

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