Straßenfotografie - 10 Tipps, wie Fotos zum Volltreffer werden

Selektivere Vorgehensweise erhöht in der Streetfotografie die Trefferquote

Einzigartige Zeitdokumente und ein Spiegelbild jener Zeit

Das Bild entstand im September 2015 an einer Kreuzung unweit der Townhall in Philadelphia. Eigentlich wollte ich Autos fotografieren, als auf einmal der Junge mit seinem Mountainbike auftauchte und zufälligerweise genau vor meiner Linse einen Wheelie machte.
© Fotograf: Matthias Feser, Im Wheelie durch Philly, (link-blank)Blende-Fotowettbewerb”:/blende

Die Motive liegen in der Streetfotografie förmlich auf der Straße, so dass man womöglich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Und das ist das Herausfordernde, denn ausdrucksstarke Momentaufnahmen verlangen in der Regel nach mehr, als nur den Auslöser zu betätigen. Die nachstehenden Fototipps zeigen auf, wie man sich die Straßenfotografie erschließt und welches Fotoequipment dafür ratsam ist. Wer sich der Straßenfotografie zuwendet der schafft einzigartige Zeitdokumente. Je Ausdrucksstärker diese sind, desto mehr sind sie ein Spiegelbild jener Zeit, als der Auslöser betätigt wurde.

Welche Aufnahmegeräte für die Streetfotografie geeignet sind

Naheliegend als Aufnahmegerät sind Smartphones. Die neueste Generation mit KI bringt eine Menge an Features mit, die auch für die Streetfotografie vorteilhaft sind. Doch bei allem technischen Fortschritt, und sei dieser nur softwareseitig, stößt man mit Smartphones schnell an die Grenzen des Möglichen. So verfügen die meisten Modelle nicht über die Option, optisch heranzoomen zu können. Das erfolgt rein digital und das sieht man den Aufnahmen dann auch an. Ein weiteres Manko ist bei den meisten Smartphones nach wie vor die begrenzte Leistungsfähigkeit bei wenig Licht. Eine Kamera mit einem ordentlichen Zoombereich oder aber eine kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera sind prädestiniert für die Straßenfotografie. Mit einem leichten Teleobjektiv bestückt ist man fotografisch flexibel, zudem ist das Fotoequipment auch nicht zu schwer und fällt bei mehreren Stunden Fotopirsch nicht ins Gewicht. Auch wenn leichte Teleobjektive meist bevorzugt werden, so sollte man das Normalobjektiv nicht außer Acht lassen. Fotografen, wie Barbara Klemm bevorzugen diesen Objektivtyp für die Streetfotografie. Welche Optik letztendlich zum Einsatz kommt hängt natürlich auch vom Motivschwerpunkt und den persönlichen Intentionen ab. An Ersatzakkus ist ebenso zu denken wie an -speicherkarten, denn möglicherweise möchte man nicht nur sogenannte Standbilder aufnehmen, sondern auch Kurzvideos, und die benötigen viel Speicherplatz.

1. Nicht verkrampfen – selektivere Vorgehensweise erhöht die Trefferquote

Italien- Peschiera
© Fotograf: Dirk Luebke, Cat-Walk, (link-blank)Blende-Fotowettbewerb”:/blende

Auch, wenn die Straße Motive wie Sand am Meer zu bieten hat, bedeutet dies zwangsläufig nicht, dass man bei jeder Tour mit Hunderten von Aufnahmen nach Hause zurückkehrt. Manchmal ist es sogar so, dass die Fototour nur einen Volltreffer mit sich bringt. Selbst das ist ein grandioses Ergebnis, denn es kann durchaus sein, dass man zwar mit Hunderten von Aufnahmen heimkehrt, aber keines der Bilder richtig zusagt. Profis empfehlen sogar, sich eine feste Anzahl an Aufnahmen, zum Beispiel 36, zuzugestehen, denn die* selektivere Vorgehensweise erhöht die Trefferquote*.

2. Motive entdecken und sich auf sie einlassen

In der Straßenfotografie – wie sonst auch – muss man sich auf Situationen einlassen. Dazu gehört natürlich auch, sie aufzuspüren und dann auf sich wirken zu lassen. Aber nicht nur das, denn im nächsten Schritt gilt es, Bildideen zu kreieren, die das Motiv bestmöglich zur Geltung bringen. Hat man den Kopf nicht frei, weil einen andere Dinge beschäftigen, so sind das nicht die besten Voraussetzungen für gelungene Aufnahmen. In diesem Fall sollte man sich lieber zu einem anderen Zeitpunkt auf den Weg machen, wenn die persönlichen Rahmenbedingungen stimmen.

3. Sich auf ein Thema zu fokussieren, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Volltreffer

© Fotograf: Vinh Kistner, Streitbare Stromkästen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Vinh Kistner, Streitbare Stromkästen, (link-blank)Blende-Fotowettbewerb”:/blende

Die Straße hat mit Menschen, Autos, Füßen, Frisuren, Hunden, Schildern, Geschäften und so weiter eine beträchtliche Motivpalette. Als Fotograf muss man bei diesem Überangebot an Motiven aufpassen, sich nicht zu verzetteln. Ratsam ist, sich bei jeder einzelnen Fototour einen Schwerpunkt zu setzen, auf dem der Fokus liegt.

4. Befreien von eigenen Ängsten

Straßenfotografie setzt voraus, sich von eigenen Ängsten zu befreien, die oftmals daher rühren, dass in vielen Kulturen der Welt das ungefragte Ablichten von Personen tabu ist. Ihr übrigens tun aktuell die seit 25. Mai 2018 in Kraft getretene Datenschutzverordnung, die zu sehr viel Irritationen geführt hat. Zu beobachten ist, dass gerade Einsteiger in das Fotosujet der Straßenfotografie ihr mit großer Zurückhaltung begegnen. Das ist für die fotografische Entfaltung nicht förderlich. Man muss sich immer darüber bewusst sein, dass man nichts Verbotenes tut, wenn man der Straßenfotografie nachgeht.

5. Beobachten ist der Schlüssel zum Erfolg

Als Fotograf bedeutet Straßenfotografie zwangsläufig nicht, selbst auch immer in Bewegung sein zu müssen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, auch mal an einem Platz eine halbe Stunde oder länger zu verharren, das Treiben zu beobachten und natürlich auszulösen, wenn die Situation danach verlangt. Beobachtung, also mit wachen Augen Szenerien wahrzunehmen, ist die halbe Miete für überzeugende Straßenfotos.

6. Nähe zum Motiv gibt das Gefühl, selbst vor Ort zu sein

© Fotograf: Norbert Gehrmann, Vogelperspektive, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Norbert Gehrmann, Vogelperspektive, (link-blank)Blende-Fotowettbewerb”:/blende

Dieses Zitat „Wenn Ihre Fotos nicht gut genug sind, dann waren Sie nicht nahe genug dran“ von Robert Capa kennt sicherlich jeder. Gerade in der Straßenfotografie sollte man es verinnerlichen, denn nur die Nähe zum Motiv garantiert überzeugende sowie dynamische Bildergebnisse und gibt dem Bildbetrachter das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Erst wenn man Motiven physisch nah ist, ist man es in der Regel auch emotional.

7. Verantwortung und Respekt sollten Selbstverständlich sein

Der Straßenfotograf trägt große Verantwortung – gerade wenn Menschen abgelichtet werden. Respektvoller Umgang ist das A und O. Dies steht sicherlich ab und an im Widerspruch dazu, Alltagssituationen einfangen zu wollen, die den ungeschönten und ehrlichen Alltag thematisieren. Hilfreich für den respektvollen Umgang mit Situationen ist immer wieder ein Hinterfragen, bevor man den Auslöser betätigt.

8. Erlaubnis einholen

Diese Gruppe hatte in der Holstenstraße viele  Zuschauer. Zu recht, denn sie waren wirklich gut.
© Fotograf: Hans Steen, Jugendstil, (link-blank)Blende-Fotowettbewerb”:/blende

Straßenfotografie bedeutet oftmals, Menschen abzulichten. Dies setzt für Straßenfotografen voraus, die Genehmigung des beziehungsweise der Abgelichteten dafür zu haben, wenn die Aufnahmen den privaten Raum verlassen sollen. Und schon gerät man in einen Konflikt. Fragt man vorher nach, ob man ein Bild machen darf, ist die Motivsituation hin. Fotografiert man erst und wird dabei beobachtet, kann es zu einer Konfliktsituation kommen. Eine Gratwanderung also. In den meisten Fällen wird zuerst der Auslöser betätigt und dann mit der beziehungsweise den abgelichteten Personen Kontakt aufgenommen. In der Regel stehen sie dem Straßenfotografen sehr positiv gegenüber, denn sie haben sich von der Masse abgehoben und man war sozusagen ein Bild wert. Die Kontaktdaten sollte man austauschen. Zudem sollte man dem Abgelichteten gegenüber mitteilen, was einen so fasziniert hat. Und meistens freuen sich die Abgelichtete über Bilder, die man ihnen zur Verfügung stellt. Möchte man auf der ganz sicheren Seite sein, so lässt man sich eine Genehmigung unterschreiben. Hierfür gibt es übrigens schon spezielle Apps.

9. Vorbereitet sein und Misstrauen richtig begegnen

Straßenfotografen haben es mitunter nicht leicht, denn gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke haben sehr viele Menschen ihnen gegenüber großes Misstrauen, weil sie die Befürchtung haben, dort mit Bildern verewigt zu werden. Dies kann dazu führen, dass man mehr oder weniger unsanft von der Seite angesprochen wird. Für solche Fälle sollte man im Vorfeld ein paar Antworten einstudieren, um Bedenken aus der Welt zu schaffen. Das hilft übrigens, sich nicht zu verhaspeln, was die Glaubwürdigkeit herabsetzen kann.

10. Allein oder zu mehreren

Auf der Friedenheimer Brücke in München.
© Fotograf: Hans Peter Rank, Der Fußgänger, (link-blank)Blende-Fotowettbewerb”:/blende

Der Straßenfotografie kann man allein oder aber in der Gruppe nachgehen. Derzeit absolut der Renner sind sogenannte fotografische Stadtmarathons. Wir empfehlen jedoch, sich bis auf solche Events immer allein auf die Fotojagd zu begeben, denn nur so ist man losgelöst, hat keinen Zeitdruck durch andere und noch viel wichtiger – man kann sich entspannt auf seine Motive einlassen.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.
„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.
„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.
Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 06 / 2018

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