Straßenfotografie - 10 Tipps, wie Fotos zum Volltreffer werden

© Fotograf J. Jabs, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf J. Jabs, Blende-Fotowettbewerb
Im Bereich der Straßenfotografie liegen die Motive förmlich auf der Straße – wir müssen sie nur entdecken und mit einem Aufnahmegerät einfangen. Naheliegend ist hier sicherlich das Smartphone als „Immer-Dabei-Kamera“ – nur Hand aufs Herz, wenn die Lichtverhältnisse nicht gerade optimal sind und man nicht gerade nah am Geschehen ist, dann werden die Aufnahmen nicht begeistern und dementsprechend auch nicht zum Blickfang. Eine Kamera mit einem ordentlichen Zoombereich oder aber eine kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera sind prädestiniert für die Straßenfotografie. Mit einem leichten Teleobjektiv bestückt ist man fotografisch flexibel, zudem ist das Fotoequipment auch nicht zu schwer und fällt auch bei mehreren Stunden Fotopirsch nicht ins Gewicht. An Ersatzakkus ist ebenso zu denken wie an Ersatzspeicherkarten, denn möglicherweise möchte man nicht nur sogenannte Standbilder aufnehmen, sondern auch Kurzvideos, und die benötigen viel Speicherplatz.

Nicht verkrampfen

Auch, wenn die Straße Motive wie Sand am Meer zu bieten hat, bedeutet dies zwangsläufig nicht, dass man bei jeder Tour mit Hunderten von Aufnahmen nach Hause zurückkehrt. Manchmal ist es sogar so, dass die Fototour nur einen Volltreffer mit sich bringt. Selbst das ist ein grandioses Ergebnis, denn es kann durchaus sein, dass man zwar mit Hunderten von Aufnahmen heimkehrt, aber einen keines der Bilder richtig zusagt. Profis empfehlen sogar, sich eine feste Anzahl an Aufnahmen, zum Beispiel 36, zuzugestehen, denn die selektivere Vorgehensweise erhöht die Trefferquote.

Sich einlassen

In der Straßenfotografie – wie sonst auch – muss man sich auf Situationen einlassen. Dazu gehört natürlich auch, sie aufzuspüren und dann auf sich wirken zu lassen. Hat man den Kopf nicht frei, weil einen andere Dinge beschäftigen, so sind das nicht die besten Voraussetzungen für gelungene Aufnahmen. In diesem Fall sollte man sich lieber zu einem anderen Zeitpunkt auf den Weg machen, wenn die persönlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Ein Thema

© Fotograf: Maren Beyer, Mit Monsti auf Achse, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Maren Beyer, Mit Monsti auf Achse, Blende-Fotowettbewerb
Die Straße hat mit Menschen, Autos, Füßen, Frisuren, Hunden, Schildern, Geschäften und so weiter eine beträchtliche Motivpalette. Als Fotograf muss man bei diesem Überangebot an Motiven aufpassen, sich nicht zu verzetteln – dann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Empfehlenswert ist, sich bei jeder einzelnen Fototour einen Schwerpunkt zu setzen, auf dem der Fokus liegt.

Befreien von eigenen Ängsten

Straßenfotografie setzt voraus, sich von eigenen Ängsten zu befreien, die oftmals daher rühren, dass in vielen Kulturen der Welt das ungefragte Ablichten von Personen tabu ist. Dies haben wir inzwischen so verinnerlicht, dass gerade Einsteiger in die Straßenfotografie ihr mit großer Zurückhaltung begegnen, was für die fotografische Entfaltung nicht förderlich ist. Man muss sich immer darüber bewusst sein, dass man nichts Verbotenes tut, wenn man der Straßenfotografie nachgeht.

Beobachten

Als Fotograf bedeutet Straßenfotografie zwangsläufig nicht, selbst auch immer in Bewegung sein zu müssen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, auch mal an einem Platz eine halbe Stunde oder länger zu verharren, das Treiben zu beobachten und natürlich auszulösen, wenn die Situation danach verlangt. Beobachtung, also mit wachen Augen Szenerien wahrzunehmen, ist die halbe Miete für überzeugende Straßenfotos.

Nähe zum Motiv

© Fotograf: Thomas Schneider, Die Kehrseite des Reichtums II, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Thomas Schneider, Die Kehrseite des Reichtums II, Blende-Fotowettbewerb
Dieses Zitat „Wenn Ihre Fotos nicht gut genug sind, dann waren Sie nicht nahe genug dran“ von Robert Capa kennt sicherlich jeder. Gerade in der Straßenfotografie sollte man es verinnerlichen, denn nur die Nähe zum Motiv garantiert überzeugende sowie dynamische Bildergebnisse und gibt dem Bildbetrachter das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Erst wenn man dem Motiv physisch nah ist, ist man es in der Regel auch emotional.

Verantwortung und Respekt

Der Straßenfotograf trägt große Verantwortung – gerade wenn Menschen abgelichtet werden. Respektvoller Umgang ist das A und O. Dies steht sicherlich ab und an im Widerspruch dazu, Alltagssituationen einfangen zu wollen, die den ungeschönten und ehrlichen Alltag thematisieren. Hilfreich für den respektvollen Umgang mit Situationen ist immer wieder ein Hinterfragen, bevor man den Auslöser betätigt.

Erlaubnis

Straßenfotografie bedeutet oftmals, Menschen abzulichten. Dies setzt für Straßenfotografen voraus, die Genehmigung des beziehungsweise der Abgelichteten dafür zu haben. Und schon gerät man in einen Konflikt. Fragt man vorher nach, ob man ein Bild machen darf, ist die Motivsituation hin. Fotografiert man erst und wird dabei beobachtet, kann es zu einer Konfliktsituation kommen. Eine Gratwanderung also. In den meisten Fällen wird zuerst der Auslöser betätigt und dann mit der beziehungsweise den abgelichteten Personen Kontakt aufgenommen. In der Regel stehen sie dem Straßenfotografen sehr positiv gegenüber, denn sie haben sich von der Masse abgehoben und man war sozusagen ein Bild wert. Tauschen Sie die Kontaktdaten aus, teilen Sie sich mit, was Sie so fasziniert hat und meistens freuen sich Abgelichtete über Bilder, die Sie ihnen zur Verfügung stellen. Möchte man auf der ganz sicheren Seite sein, so lässt man sich eine Genehmigung unterschreiben. Hier ist die App „Easyrelease“ hilfreich.

Misstrauen richtig begegnen

© Fotograf: Simone Bauer, Mülltransport, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Simone Bauer, Mülltransport, Blende-Fotowettbewerb
Straßenfotografen haben es mitunter nicht leicht, denn gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke haben sehr viele Menschen ihnen gegenüber großes Misstrauen, weil sie die Befürchtung haben, dort mit Bildern verewigt zu werden. Dies kann dazu führen, dass man mehr oder weniger unsanft von der Seite angesprochen wird. Für solche Fälle sollte man im Vorfeld ein paar Antworten einstudieren, um Bedenken aus der Welt zu schaffen. Das hilft übrigens, sich nicht zu verhaspeln, was die Glaubwürdigkeit herabsetzen kann.

Allein oder zu mehreren

Der Straßenfotografie kann man allein oder aber in der Gruppe nachgehen. Derzeit absolut der Renner sind sogenannte fotografische Stadtmarathons. Wir empfehlen jedoch, sich bis auf solche Events immer allein auf die Fotojagd zu begeben, denn nur so ist man losgelöst, hat keinen Zeitdruck durch andere und noch viel wichtiger – man kann sich entspannt auf seine Motive einlassen.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2014

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