Straßenfotografie: Eldorado an Motiven - Qual der Wahl

© Fotograf: Andreas Kling, Mutprobe, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten © Fotograf: Andreas Kling, Mutprobe, Blende-Fotowettbewerb

Die Straßenfotografie, gern auch als Streetfotografie bezeichnet, garantiert eine Fundgrube an nicht enden wollenden Motiven zu jeder Jahres- und Tageszeit – da verwundert es nicht, dass auch viele unserer Blende-Teilnehmer für die Umsetzung der jeweiligen jährlichen thematischen Vorgaben, hier auf Motivjagd gehen. Wie Vielseitig die Straßenfotografie ist, belegen allein die visuellen Impressionen unserer diesjährigen „Blende“-Teilnehmer Andreas Dengs, Alois Loidl, Jupp Michels, Saskia Kraft, Jürgen Berg und Andreas Kling.

Die Motive liegen in der Streetfotografie förmlich auf der Straße, doch darin liegt auch das Herausfordernde. Wie unsere oben genannten „Blende“-Teilnehmer, die stellvertretend für vielen anderen stehen, die sich der Streetfotografie zuwenden und hier auf Motivjagd gehen, muss man bei der Flut an variierenden Motiven sich auf eins fokussieren, sonst sieht man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Motivvielfalt reicht von Menschen über Fassaden und Verkehrsmittel bis hin zu Schlafstätten, Graffitis, Wochenmärkten, Straßenfesten aber auch überquellenden Mülleimern etc. Die Entdeckung von Motiven setzt unter anderem die persönliche Entschleunigung voraus, denn nur dann ist man auch offen für sie. Auch wenn die Anzahl der jährlich gemachten Aufnahmen ins unermessliche steigt – für 2016 werden weltweit über 1 Billion prognostiziert -, so kommt es nicht darauf an, wie viele Aufnahmen man macht, sondern dass die entscheidenden für einen dabei sind. Diese sind es dann auch, die es beim Fotowettbewerb „Blende“ ganz nach vorne schaffen können.

Entscheidend für den fotografischen Erfolg ist es auch, sich nicht unter Druck zu setzen und zu verkrampfen. Auch wenn die Anzahl an Motive in der Streetfotografie gigantisch ist, so bedeutet dies noch lange nicht, dass man bei jeder Tour mit Hunderten von Aufnahmen nach Hause zurückkehrt. Manchmal ist es sogar so, dass die Fototour nur einen Volltreffer mit sich bringt. Selbst das ist ein grandioses Ergebnis, denn es kann durchaus sein, dass man zwar mit Hunderten von Aufnahmen heimkehrt, aber einen keines der Bilder richtig zusagt oder gar als Bildeinsendung für einen Fotowettbewerb wie unsere „Blende“ geeignet ist. Profis empfehlen sogar, sich eine feste Anzahl an Aufnahmen, zum Beispiel 36, zuzugestehen, denn die selektivere Vorgehensweise erhöht die Trefferquote.

In der Straßenfotografie – wie sonst auch – muss man sich als Fotograf auf Situationen einlassen. Dazu gehört natürlich auch, sie aufzuspüren und dann auf sich wirken zu lassen. Hat man den Kopf nicht frei, weil einen andere Dinge beschäftigen, so sind das nicht die besten Voraussetzungen für gelungene Aufnahmen. In diesem Fall sollte man sich lieber zu einem anderen Zeitpunkt auf den Weg machen, wenn die persönlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Sind Menschen in der Streetfotografie das bevorzugte Sujet dann obliegt einem als Fotograf große Verantwortung und dementsprechend auch großer Respekt den abgebildeten Personen gegenüber. Gerade letztgenanntes steht oftmals im Widerspruch dazu, Alltagssituationen einfangen zu wollen, die den ungeschönten und ehrlichen Alltag thematisieren. Hilfreich für den respektvollen Umgang mit Situationen ist immer wieder ein Hinterfragen, bevor man den Auslöser betätigt.

Beteiligt man sich mit seinen Aufnahmen, in denen Menschen im Mittelpunkt der fotografischen Betrachtung stehen, an Fotowettbewerben wie Blende, so gilt es, das Recht am eigenen Bild zu wahren. Hierbei handelt es sich um eine besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Es besagt, dass jeder Mensch grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden. Eine Genehmigung schafft Klarheit – als Fotograf gerät man hier aber mitunter in einen Konflikt. Fragt man vorher nach, ob man ein Bild machen darf, ist die Motivsituation hin. Fotografiert man erst und wird dabei beobachtet, kann es zu einer Konfliktsituation kommen. Eine Gratwanderung also. In den meisten Fällen wird zuerst der Auslöser betätigt und dann mit der beziehungsweise den abgelichteten Personen Kontakt aufgenommen. In der Regel stehen sie dem Straßenfotografen sehr positiv gegenüber, denn sie haben sich von der Masse abgehoben und man war sozusagen ein Bild wert. Tauschen Sie die Kontaktdaten aus, teilen Sie sich mit, was Sie so fasziniert hat und meistens freuen sich Abgelichtete über Bilder, die Sie ihnen zur Verfügung stellen. Möchte man auf der ganz sicheren Seite sein, so lässt man sich eine Genehmigung unterschreiben. Hier ist die App „Easyrelease“ hilfreich.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2016

1 Kommentare

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel! Streetfotografie gibt definitiv einiges her. Das einiges Problem ist bei mir die Zeit... besichtige ich eine Stadt, geht sich Streetfotografie nicht ganz aus, wenn ich im Lande bin, dann auch nur sehr wenig. Schade...

nubinou

von nubinou
28. Oktober 2016, 19:26:47 Uhr

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