Streetfotografie - Bewegungsunschärfe

Menschen im urbanen Lebensraum zu fotografieren, ist einer der zahlreichen fotografischen Schwerpunkte, den die Streetfotografie zu bieten hat. Verlassen Aufnahmen den privaten Raum, weil sie beispielsweise bei Fotowettbewerben wie „Blende“ eingereicht oder über die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Instagram gepostet werden, so steigt die Anzahl der Aufnahmen, bei denen abgelichtete Menschen in Unschärfe verschwimmen. Ursächlich sind es verschiedene Gründe, die diesen Fototrend unter Streetfotografen ausgelöst haben. Zum einen ist diese Form der Bewegungsunschärfe ein sehr beliebtes Stilelement, um beispielsweise das hektische Treiben in Bahnhöfen, U-Bahnstationen oder auf stark bevölkerten Plätzen zu visualisieren. Ein Trend führt zudem dazu, dass die Anzahl derer, die ihn aufgreifen, zunächst stetig steigt. Das Recht am eigenen Bild hat diesen Fototrend sicherlich ebenso gefördert, denn in dem Moment, wenn die abgelichteten Personen nicht mehr erkennbar sind, wird das Urhebergesetz nicht verletzt und die Aufnahmen können zu Fotowettbewerben eingereicht oder über soziale Netzwerke verbreitet werden. Kamerainnovationen haben die Vorliebe für die Bewegungsunschärfe sicherlich ebenso gefördert.

© Fotograf: Julian Jurij Scholz, In Bewegung, Blende-Fotowettbewerb
Julian Jurij Scholz, In Bewegung, Blende-Fotowettbewerb

Als Bewegungsunschärfe bezeichnet man in der Fotografie zonal begrenzte Unschärfe in Bildern bewegter Objekte. Die Bewegungsunschärfe kann bewusst als fotografischer Effekt eingesetzt oder auch ungewollt, also als Bildfehler auftreten. Je nach Kameraführung kann dabei das bewegte Objekt oder der Hintergrund unscharf dargestellt sein.

Bewegungsunschärfe entsteht durch die Bewegung der fotografierten Objekte während der Belichtung. Größten Einfluss auf die Bewegungsunschärfe hat dabei die relative Geschwindigkeit des bewegten Objekts im Zusammenspiel mit der Belichtungszeit. Wird eine kürzere Verschlusszeit gewählt, kann die Bewegungsunschärfe reduziert oder gegebenenfalls auch ganz vermieden werden. Die Hintergrundunschärfe entsteht durch das zusätzliche Nachführen der Kamera mit dem bewegten Objekt.

© Fotograf: Sina Redlich, Bahnhof, Blende-Fotowettbewerb
Sina Redlich, Bahnhof, Blende-Fotowettbewerb

Die Bewegungsunschärfe kommt – wie bereits ausgeführt – dann bevorzugt zum Einsatz, wenn es darum geht, Dynamik und Geschwindigkeit zum Ausdruck zu bringen. Wie lang die Verschlusszeit gewählt werden muss, um die Dynamik zu vermitteln, hängt von der Geschwindigkeit des Objekts im Bildausschnitt ab. Setzt man die Bewegungsunschärfe als Stilmittel ein, so sollte man darauf achten, dass immer statische Objekte mit im Bild sind, damit nicht der Eindruck einer verwackelten Aufnahme entsteht.

Eine besondere Art der Bewegungsunschärfe sind durch Langzeitaufnahmen hervorgerufene Effekte. Diese sind auch am Tage möglich, wenn die Lichtbedingungen eigentlich keine lange Verschlusszeit zulässt, in dem ein Graufilter eingesetzt wird. Dieser ist in verschiedenen Dichten erhältlich und verlängert die Verschlusszeit um einen durch die Dichte definierten Faktor.

© Fotograf: Stephan Rückert, Einsteigen bitte!, Blende-Fotowettbewerb
Stephan Rückert, Einsteigen bitte!, Blende-Fotowettbewerb

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

© Fotograf: Frank Weidle, Dauer-Straftat in Stuttgart, Blende-Fotowettbewerb
Frank Weidle, Dauer-Straftat in Stuttgart, Blende-Fotowettbewerb

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2017

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