Streetfotografie - Welche Motivwelt ist meine?

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Erschließt man für sich ein neues Fotogenre wie die Streetfotografie so ist aller Anfang leicht, wenn gewusst wie. Die Motivbandbreite ist in der Streetfotografie gigantisch. Hier den Wald vor lauter Bäumen zu sehen ist möglicherweise herausfordernd. Deshalb gilt zunächst, für sich das Steckenpferd innerhalb der Streetfotografie zu ermitteln. Das gelingt am besten, wenn man in die unterschiedlichen Motivwelten der Streetfotografie eintaucht und sich darin ausprobiert. Wichtig ist, für alles zunächst offen zu sein. Trägt man Skepsis zu einer der zahlreichen Motivwelt in sich, dann wird es schwer, sie erlebbar für sich zu machen, offen gegenüber den Motiven zu sein und mit sehenswerten Aufnahmen zu glänzen. Neugierig sollte man in jedem Fall sein – es lohnt sich, so viel sei versprochen.

Fahrplan

Für die fotografische Eroberung der unterschiedlichen Motivwelten in der Streetfotografie ist es hilfreich, ein Fahrplan aufzustellen. Das gibt Struktur und hilft bei der Fokussierung auf das Wesentliche. Der Spaß bleibt hier keineswegs auf der Strecke – das Gegenteil ist sogar der Fall weil man sich sprichwörtlich nicht verzettelt. Ein größeres Zeitfenster mit mehreren einzelnen Touren zu einem Schwerpunkt ist ratsam. Auf diese Weise taucht man tiefer in die jeweilige Motivwelt ein und setzt sich auf dem Weg zum Bilderfolg selbst nicht so stark unter Druck. Wenn man sich alleine mit der Eroberung neuer Fotogebiete schwer tut, dann hilft es, mit Gleichgesinnten loszuziehen oder Fotoworkshops zu besuchen. In dem Fahrplan sollte man auch vermerken, welches Fotoequipment essenziell für die visuelle Umsetzung ist. Stellt man sich neuen fotografischen Themengebieten wie beispielsweise der Bewegungsunschärfe, dann ist es ratsam, sich im Vorfeld zu informieren, welche Kameraeinstellungen hier optimal sind. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, den Erfolg nicht auch im Experiment zu suchen.

Einige Schwerpunkte in der Streetfotografie

In der Dämmerung und zur blauen Stunde

In der Dämmerung und zur blauen Stunde ist das Licht einzigartig. Das wirkt sich positiv auf die visuelle Kraft der Bilder aus. Wichtig ist, schon vorher auf Motivsuche zu gehen. Auch, wenn diese theoretisch am Tag erfolgen kann, so ist die Zeit in der man dann tatsächlich fotografieren möchte ratsamer, erhält man so ein besseres Gefühl für die Lichtwirkung. Hat man in einer Stadt vier oder fünf mögliche Orte gefunden, so sind das vier oder fünf einzelne Fototouren. Rechtzeitig sollte man losziehen, ist das Zeitfenster in der Dämmerung beziehungsweise zur Blaue Stunde eng bemessen. Dämmerung und blaue Stunde beziehen sich nicht nur auf das Zeitintervall, wenn der Tag sich verabschiedet, sondern genauso, wenn er beginnt. Gerade in den Sommermonaten sollte man die Nacht zum Tage machen, steigt die Wahrscheinlichkeit auf menschenleere Streetaufnahmen. Ein Stativ ist Pflicht und ein Fernauslöser ratsam. Die Serienbildfunktion erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Volltreffer. Sofern die Kamera schon darüber verfügt sollte man sich auch mal in einem Zeitraffervideo versuchen.

Wenn Menschen zu Geistern werden

Mit langen Belichtungszeiten oder durch den Einsatz eines Graufilters – mit dem sich die Belichtungszeit am Tage verlängern lässt – ist es möglich, an bevölkerten Plätzen oder beispielsweise in Bahnhofshallen Menschen zu Geistern werden zu lassen, die in Unkenntlichkeit verschwinden. Wichtig ist ein geeigneter Standort – die Vogel- und Froschperspektive werden immer gern ausgewählt. Die passende Kombination aus Blende und Belichtungszeit ermittelt man im Experiment. Wird die Belichtungszeit nicht lange genug gewählt, dann ist die Bewegungsunschärfe nicht fließend. Ist die Belichtungszeit hingegen zu lange gewählt, dann sind keine Menschen mehr im Bild zu sehen. Sehr beliebt für solche Aufnahmen ist der Schwarzweiß- oder Monochrome-Modus. Ein Stativ ist Pflicht und ein Fernauslöser ratsam.

In der Dunkelheit – Leuchtspuren

Angesagt sind derzeit Leuchtspuren, hervorgerufen durch Autos, Busse und Laster. Ein Grund für diesen Hype liegt sicherlich auch in den technischen Weiterentwicklungen der Kameraindustrie begründet, die heute solche Aufnahmen für jedermann möglich machen. Prädestiniert für das Festhalten von Leuchtspuren mit Langzeitbelichtung sind die Bridgekameras – auch als Superzoomkameras bezeichnet – und natürlich die Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras. Weitwinkelobjektive garantieren einen großen Bildausschnitt. Ein Stativ ist Pflicht und ein Fernauslöser ratsam. Vorbereitung ist beim Festhalten von Leuchtspuren die halbe Miete. Zunächst gilt es, den optimalen Standpunkt zu ermitteln. Ratsam ist als Fotograf eine Warnweste zu tragen, um von den Verkehrsteilnehmern besser wahrgenommen zu werden. Fotografisch interessanter ist es, wenn die Straße nicht gerade verläuft und etwas entfernt eine Kurve macht. In Städten bietet sich die interessante Option, markante beleuchtete Gebäude in die Bildkomposition mit aufzunehmen. Der Kamerastandpunkt sollte möglichst schon dann eingenommen werden, wenn es noch hell ist. Die beste Zeit zum Fotografieren von Leuchtspuren ist in der sogenannten blauen Stunde, also wenn Zwielicht vorliegt, der Himmel noch blau schimmert und somit noch genügend reflektierendes Umgebungslicht vorliegt. Fotografisch interessant ist es, wenn gerade ein Schauer herunter gekommen ist, denn die Reflektionen der Lichter durch das Nass geben eine ganz besondere Bildwirkung.

Tierisch – Hunde

Hunde gehören fest zum Straßenbild und so ergeben sich mit und ohne Herrchen unendlich viele sehenswerte Momente, die es lohnen, den Auslöser zu betätigen. Ein weiterer Vorteil im Sujet Hund liegt zudem in der Nutzbarkeit. Diese Aufnahmen kann man, sofern Personen nicht mit auf dem Bild sind, ohne Probleme beispielsweise in seinen Social-Media-Kanälen posten. Wenn man seinen Blick schärft und sich auf das Motivgebiet Hunde konzentriert, so wird man schnell feststellen, dass deutlich mehr Vierbeiner auf unseren Straßen unterwegs sind, als angenommen. Abwechslung ist hier von groß bis klein garantiert – das macht das Fotosujet Hund für den Streetfotografen so interessant.

Weitere Sujets in der Streetfotografie sind unter anderem Baustellen, Szenen des Alltags, Märkte, Schaufenster, Spiegelungen, Lost Places, Architektur, Feste, Straßenverkehr, Haltestellen.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: Der Stratschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen. Weitere Informationen: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende/blende-2017-startschuss-zur-43-runde-gefallen-10010700

Fotografieren in der Praxis 05 / 2017

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