Streetfotografie - Warum Schwarzweiß vielfach die Sprache der Fotografen ist

Nicht jedes Motiv ist für die Schwarzweißfotografie geeignet

Lernen, wie farbige Motive in Schwarzweiß wirken

© Fotograf: Almut Becker, Streetart in Paris, Blende-Fotowettbewerb
Almut Becker, Streetart in Paris, Blende-Fotowettbewerb

Kaum ein Fotogenre ist so eng mit Schwarzweiß verbunden wie die Streetfotografie. Profifotografen wie Barbara Klemm haben uns hier geprägt auch, weil sie erkannt haben, dass sich Wirkung und Atmosphäre eines Motivs in Schwarzweiß wesentlich ausdrucksstärker widergeben lassen, als in Farbe. In den Anfängen der Digitalfotografie ging der Anteil an Schwarzweißfotografien übrigens merklich zurück. Das Blatt hat sich inzwischen gewendet – seit etlichen Jahren nimmt der Anteil an Schwarzweißaufnahmen kontinuierlich zu, wie auch an den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen zu „Blende“ festzustellen ist. Wer sich der Streetfotografie stellt, der sollte sich in jedem Fall auch in Schwarzweiß versuchen.

Schwarzweiß sehen lernen

© Fotograf: Nicolas Saracchini, Wo gehen die Leute hin, wenn es regnet?, Blende-Fotowettbewerb
Nicolas Saracchini, Wo gehen die Leute hin, wenn es regnet?, Blende-Fotowettbewerb

Nahezu alle aktuellen Kameramodelle bieten heute einen Schwarzweißmodus, wodurch man im Vorfeld sieht, ob das Motiv in Schwarzweiß funktioniert. Der Schwarzweißmodus schult zudem unser Auge, müssen wir lernen, wie farbige Motive in Schwarzweiß wirken. Alternative dazu ist die Konvertierung von bestehenden Farbaufnahmen in Schwarzweiß. Auf diese Weise findet man heraus, für welche Motive sich die Schwarzweißfotografie besonders eignet. Man wird zudem schnell die Erfahrung machen, dass Motive ohne kräftige Farben, aber mit klaren Formen und Texturen für Schwarzweiß prädestiniert sind. Empfehlenswert ist, sofern die Kamera die Option bietet, bei Schwarzweiß im RAW-Modus zu fotografieren. Hier werden mehr Daten pro Pixel aufgezeichnet als bei JPEG. Zudem garantiert einem der RAW-Modus eine höhere Kontrolle bei der Konvertierung.

Farbe ist für die Verwirklichung einer Bildidee also nicht zwingend erforderlich, manchmal stört sie sogar. Stehen Strukturen, Kontraste, Umrisse oder Volumen – schlechthin die ausschlaggebenden Bildelemente – im Mittelpunkt der fotografischen Betrachtung, dann ist die Reduktion auf Schwarzweiß eventuell sogar ein Muss. Gute Schwarzweißaufnahmen überzeugen durch ihre Einfachheit und ihren Kontrast. Eine intensive Auseinandersetzung ist ratsam, um ein Gefühl davon zu erhalten, ob das Motiv in Schwarzweiß wirkt.

Nicht jedes Motiv ist geeignet

© Fotograf: Thomas Schneider, Die Kehrseite des Reichtums, Blende-Fotowettbewerb
Thomas Schneider, Die Kehrseite des Reichtums, Blende-Fotowettbewerb

Wer sich der Schwarzweißfotografie hingibt, der sollte sich darüber bewusst sein, dass nicht jedes Motiv dafür geeignet ist. Die Schwarzweißfotografie liebt das Spiel mit Licht und Schatten. Klare Formen und Strukturen sind für die Schwarzweißfotografie prädestiniert. Die große Kunst besteht darin, farbige Motive in Schwarzweiß zu sehen. Dabei hilft es, Motive auf Graustufen zu reduzieren. Das Hauptmotiv sollte sich klar vom Rest trennen, denn man hat mit Schwarz – auch wenn wir im Kunstunterricht gelernt haben, es wäre keine Farbe – quasi nur eine Farbe und die muss umso geschickter eingesetzt werden, damit die Aufnahme eine klare Sprache spricht und es nicht zu sehr in ihr wuselt.

Schwarzweiß – kann muss aber nicht duster sein

© Fotograf: Robert Hammann, Die Schere, Blende-Fotowettbewerb
Robert Hammann, Die Schere, Blende-Fotowettbewerb

In der Streetfotografie, so nach Sichtung der „Blende“-Wettbewerbsbeiträge aus den letzten Jahren, fällt die Wahl auf Schwarzweiß bevorzug dann, wenn Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Systemen geübt wird. Darauf alleinig sollte man die Schwarzweißfotografie jedoch nicht begrenzen, denn damit würde man sich seiner Möglichkeiten berauben.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 06 / 2018

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