Streetfotografie - Was versteht man eigentlich darunter?

Hans-Willi Herrmann, Nächtliche Kontraste, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten

Hans-Willi Herrmann, Nächtliche Kontraste, Blende-Fotowettbewerb

Unter dem Genre Streetfotografie – auch als Straßenfotografie bezeichnet – ist die Fotografie im öffentlichen Raum zu verstehen. Die Meinungen gehen mitunter auseinander, ob der Mensch essenzieller Bestandteil der Streetfotografie ist – wir meinen nein. Es bedarf in der Streetfotografie nicht unbedingt dem Abbild des Menschen, lebt die Streetfotografie doch auch vom Festhalten der Spuren des alltäglichen Lebens die der Mensch hinterlässt. Hinzu kommt, dass man sich der Motivvielfalt berauben würde und damit wichtige Zeitdokumente fehlen. Die Streetfotografie, und das macht sie eben aus, zeigt die Spuren des wahren Lebens. Diese können mitunter schon länger zurückliegen, denken wir hier an das Fotografieren von Lost Places – ein Sujet das natürlich zur Streetfotografie gehört. Und wie sieht es mit Inszenierungen als Teil der Streetfotografie aus? Diesen gegenüber ist man in der Regel nicht aufgeschlossen, wobei die Krux hier sicherlich darin besteht, diese überhaupt als Außenstehender zu erkennen. Für strenge Dogmatiker der Streetfotografie ist das Festhalten des „besonderen Augenblicks“ in einem wohlkomponiertem Bild Pflicht. Das lässt Spielraum, ist doch der „besondere Augenblick“ Ansichtssache und eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Streetfotografie lebt von der unvergleichlichen Atmosphäre – darin liegt für alle, die ihr nachgehen sicherlich die größte Herausforderung. Welchen atmosphärischen fotografischen Stil – rau, zart, luftig, Farbe, Schwarzweiß etc. – man wählt ist abhängig vom Motiv, aber auch von der Intention, die man als Fotograf verfolgt. Je ambitionierter man der Streetfotografie nachgeht, desto stärker steht die eigene Bildsprache und damit der eigene Bilderlook als Stil im Fokus.

Eindringliche Streetfotografie setzt Beobachtung und das Einlassen auf die Motive voraus. Das bedeutet für Fotobegeisterte der Streetfotografie immer im urbanen Raum auf der Suche nach Spuren des öffentlichen Lebens ihrer Zeit zu sein. Diese Spuren sind in Städten und insbesondere in Großstädten sehr viel weitreichender als in einem dörflichen Umfeld. Hinzu kommt, dass man bei letztgenannter Örtlichkeit als Fotograf stärker in den Blickfang rückt. Fokussierung auf einen Bereich innerhalb der Streetfotografie hilft, sich auf das Wesentliche einzulassen und dafür steht dieses Fotogenre.

Authentische Aufnahmen liegen in der Streetfotografie derzeit absolut im Trend – dies führt unweigerlich auch zu den immer wieder negativ besetzten Schlagzeilen, weil Aufnahmen von Menschen ohne Achtung ihres Rechts am Bild den persönlichen Raum des Fotobegeisterten verlassen. Hinzu kommt auch, dass oftmals für authentische Aufnahmen von Menschen Grenzen überschritten werden. Über Respekt und das richtige Maß für Distanz sollte jeder verfügen, der der Streetfotografie nachgeht.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: Der Startschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2017

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