Streetfotografie: Viele Gesichter und unendlich viele Motive - Welche Kamera ist die Beste?

Die Streetfotografie ist an Vielseitigkeit nicht zu überbieten. Sie ist ein Genre, in dem man sich früher oder später auf einen Schwerpunkt festlegen wird, um den Fokus auf das Wesentliche für sich nicht zu verlieren, aber auch, um hier seinen persönlichen fotografischen Stil zu präsentieren. Für welchen fotografischen Schwerpunkt man sich letztendlich entscheidet, hängt natürlich maßgeblich auch von den persönlichen Vorlieben ab. Für Einsteiger in die Streetfotografie ist es im ersten Schritt sicherlich ratsam, zunächst erst einmal für alles offen zu sein und sich fotografisch auszuprobieren. Gerade am Anfang helfen einzelne Fototouren unter dem jeweiligen fotografischen Schwerpunkt bei der Entscheidung, welcher einem am besten liegt. Natürlich kann man auch mehrere Schwerpunkte in der Streetfotografie haben. Doch Achtung: Um den Fokus nicht zu verlieren sollte man sich pro Fototour für einen Schwerpunkt entscheiden, denn sonst sieht man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Dirk Luebke, Streetcats, Blende-Fotowettbewerb
Dirk Luebke, Streetcats, Blende-Fotowettbewerb

Es gibt nicht das eine Aufnahmegerät für die Streetfotografie

Bei der Vielzahl an Genres kann es für die Streetfotografie nicht das eine zu empfehlende Aufnahmegerät geben. Grundsätzlich sind kleinere Kamerasysteme wie die kompakten System- und die Superzoomkameras für die Streetfotografie prädestiniert. Sind die Lichtverhältnisse gut, dann ist je nach Motiv das Smartphone ein gern genutztes Aufnahmegerät, das oftmals auch für eine andere Bildsprache steht. Fällt die Entscheidung auf eine Spiegelreflexkamera, die natürlich auch bestens für die Streetfotografie geeignet, aber in der Regel deutlich schwerer ist, dann ist ein zusätzlicher Handgriff eine tolle Erleichterung damit das Kameragewicht nicht so zum Tragen kommt. Kameras bieten grundsätzlich einen größeren fotografischen Spielraum der für ein Mehr an kreativen Möglichkeiten steht.

Von Vorteil ist in jedem Fall die Nutzung eines aktuellen Kameramodells. Diese sind wahre Geschwindigkeitsweltmeister! Verbesserte Serienbildfunktionen verhelfen dabei keinen Moment mehr zu verpassen, stehen diese derzeit neben 4K für die Revolution der Momentfotografie. Spätestens die Auslöseverzögerung bei älteren Kameramodellen spricht für den Einsatz einer aktuellen Kamera – bei aktuellen Kameramodellen gibt es die leidige Auslöseverzögerung nicht mehr. Und wenn Kamerahersteller heute bei Produktneuheiteneinführungen von noch besserer Bildqualität sprechen, dann haben sie damit Recht. Sichtbar macht diese der Vergleich.

Peter Milke, just hold me, Blende-Fotowettbewerb
Peter Milke, „just hold me“, Blende-Fotowettbewerb

Optik – Die Augen der Kamera

Kommt eine Kamera für Wechseloptik, also eine kompakte System- oder eine Spiegelreflexkamera zum Einsatz, dann entscheidet die verwendete Optik maßgeblich über die Bildqualität. Qualität hat ihren Preis und zahlt sich in Punkto Bildqualität aus.

Streetfotografen geben Festbrennweiten gern den Vorzug, da sie mit ihrer großen Anfangsöffnung perfekte Bilder bei diffusem Licht oder Regen liefern und man noch kürzere Verschlusszeiten mit ihnen erzielen kann. Oftmals ist es aber auch eine Glaubensfrage warum Festbrennweiten der Vorzug gegeben wird. Für die Festbrennweite spricht sicherlich, dass damit das Zoomen entfällt und man dadurch seiner Fotoserie einen formalen Zusammenhang gibt und nicht dauernd die Brennweite wechselt. Zudem laden Festbrennweiten dazu ein, als Fotograf selbst die passende Distanz zum Motiv zu finden. Das Schärft enorm den Blick, weil das so bequeme Zoomen entfällt.

Weitwinkelobjektive sind in der Streetfotografie bestens für Übersichten geeignet. Die Bauweise ist kurz, man fällt als Fotograf sprichwörtlich nicht auf und kann gut aus dem Verborgenden fotografieren. Teleobjektive stehen für die Verdichtung von Straßenszenen und helfen Distanzen zu überbrücken. Der Blickwinkel ist reduzierter, wodurch sich der Abbildungsmaßstab des Bildwichtigen vergrößert. Normalobjektive, die dafür stehen Motive so abzulichten wie wir sie sehen, spielen in der Streetfotografie ihre große Stärke aus, wenn es um die natürliche Darstellung des Wahrgenommenen geht.

Valentina Spaeth, Nachtverkehr in Dubai, Blende-Fotowettbewerb
Valentina Spaeth, Nachtverkehr in Dubai, Blende-Fotowettbewerb

Ich packe meine Fototasche

So viel wie nötig, so wenig wie möglich sollte die Devise beim Packen der Fototasche für alle Streetfotografen lauten. Gerade bei längeren Touren sollte man das Gewicht der Kameratasche im Blick haben – ab einem gewissen Punkt kann jedes Gramm mehr an Fotoausrüstung zum Ballast werden. Der Fototasche, und hier ist natürlich auf den Tragekomfort zu achten, ist vor dem Fotorucksack der Vorzug zu geben. Gerade wenn man in Großstädten als Streetfotograf unterwegs ist, so ist eine unauffällige Fototasche die bessere Alternative – Man outet sich bei Langfingern nicht sofort als Fotograf. Wichtig bei der Wahl der Fototasche ist, dass man ohne die Tasche auf dem Boden abstellen zu müssen perfekt auf sein Fotoequipment zugreifen kann. Ein separater Regenschutz ist immer anzuraten, denn wie schnell ziehen unvermittelt Gewitter auf, die man für besondere Impressionen als Fotograf nutzen möchte. Neben der Kamera und Optik beim Einsatz von Kameras für Wechseloptik gehören Ersatzspeicherkarten und Ersatzakkus in die Fototasche. Je nach Genre und Intention gehören auch Graufilter und der separate Aufsteckblitz in die Fototasche. An ein Stativ ist spätestens dann zu denken, wenn mit längeren Belichtungszeiten beim Einsatz von Graufilter, zur Blauen Stunde, in der Dämmerung oder Nacht fotografiert wird. Sind Langzeitbelichtungen das Thema in der Streetfotografie, dann sollte man in jedem Fall an den Fernauslöser denken – damit lassen sich Erschütterungen beim Auslösen der Kamera vermeiden. Geht es einem in der Streetfotografie darum Spiegelungen in Schaufensterscheiben zu minimieren, dann ist noch an den Polfilter zu denken. Ein sehr interessantes Fotoequipment ist der Winkelsucher dann, wenn die Kamera über kein schwenkbares Display verfügt.

Christoph Haberkorn, Sowjetischer Straßenkreuzer, Blende-Fotowettbewerb
Christoph Haberkorn, Sowjetischer Straßenkreuzer, Blende-Fotowettbewerb

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: Der Stratschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen. Weitere Informationen: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende/blende-2017-startschuss-zur-43-runde-gefallen-10010700

Fotografieren in der Praxis 05 / 2017

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