Photopraxis - Superbreite Bilder digital - Panoramas mit der Pixel-Kamera

















Panoramaaufnahme







"Wasserschloß"Franz Hupe



Superbreite Bilder digital

Panoramas mit der Pixel-Kamera




Panoramaaufnahmen faszinieren und früher oder später versucht jeder beispielsweise eine wundervolle Landschaft und inmitten dieser ein traumhaftes Wasserschloß dauerhaft in nur einem Bild zu vereinen. Problem: leider erstreckt sich das Motiv nicht nur auf den Teil vor dem Objektiv, sondern auch viel weiter links und rechts davon. Selbst das stärkste Weitwinkelobjektiv reicht nicht aus, um die gesamte Szene in einem Bild zu erfassen. In Zeiten, in denen Aufnahmen ausschließlich auf Filmmaterial festgehalten werden konnten, war eine echte Panoramakamera die einzige Chance für gelungene Panoramaaufnahmen. Heute jedoch, in Zeiten der digitalen Photographie, geht dies mit nahezu jeder Digitalkamera. Das einzige, was man dann außer einem entsprechenden Motiv noch benötigt, ist eine Panoramasoftware.



Der Trick bei der Panoramaphotographie mit digitalen Kameras ist vom Prinzip her relativ einfach. Das Motiv wird in vielen Einzelbildern aufgenommen, wobei sich allerdings die jeweils nebeneinander befindlichen Einzelbilder zu einem gewissen Teil überlappen müssen. Dies kann mit jeder Digitalkamera aufgenommen werden. Einige Digitalkameras - und zwar die mit Panoramafunktion - bieten dem Photographen sogar eine kleine Hilfestellung: so wird das letzte aufgenommene Bild im Display noch zu einem Teil abgebildet. Die nun folgende Aufnahme kann dann problemlos und mit dem richtigen Überlappungsbereich passgenau aufgenommen werden. Dabei ist der Photograph im Bildwinkel in keiner Weise eingeschränkt. So sind selbst 360° Aufnahmen ganz einfach.



Die Tücke steckt aber auch hier im Detail. Bei den einzelnen Aufnahmen muß die Kamera zwar gedreht werden - um die gesamte Szene aufzunehmen - sie darf sich allerdings nicht von der Stelle bewegen. Je weiter das Motiv von der Kamera entfernt ist, desto größer ist zwar der Toleranzbereich, am besten gelingen solche Aufnahmen jedoch mit einem Stativ. Je näher allerdings das Motiv der Kamera kommt (etwa Gruppenaufnahme an einem Tisch), um so genauer muß und darf sich die Kamera nur um die eigene Achse drehen. Bei allen Panoramaaufnahmen muß darauf geachtet werden, daß die Kamera exakt horizontal ausgerichtet ist. Entweder geschieht dies mit einer kleinen Wasserwaage - zum Aufstecken auf den Blitzschuh oder im Stativ integriert - oder durch das Schwenken der Kamera über den gesamten Bildbereich und das gleichzeitige Betrachten des Displays. Dabei muß sich der Horizont in allen Bildern in der Mitte befinden. Photographiert man eine Panoramaszene mit gekippter Kamera, so entsteht kein gerades Panoramabild, sondern ein durchgebogenes.



Eine Panoramaaufnahme muß allerdings nicht zwangsläufig immer nur die Horizontale zeigen. Für bestimmte Motive, wie Wolkenkratzer oder Landschaftsaufnahmen mit sehr schlanken hohen Bäumen, eignet sich auch ein vertikales Panorama. Um einen neuen reizvollen Effekt zu erzielen, lassen sich sogar einzelne Personen als Vertikalpanorama aufnehmen. Bei einem Abstand von ungefähr einem Meter sind dazu im Weitwinkelbereich etwa 4 bis 5 Einzelaufnahmen nötig.



Manchmal ist eine Panoramafunktion aber auch von Vorteil, um eine "normale" Aufnahme zu machen. Etwa dann, wenn der Aufnahmeabstand nicht vergrößert werden kann, um mit dem vorhandenen Weitwinkelobjektiv - zum Beispiel 35 mm - die gesamte Szenerie einfangen zu können. In Zeiten von Digitalkameras und Panoramasoftware kann hier leicht Abhilfe geschaffen werden. Man dreht einfach die Kamera um 90° und macht drei Hochformataufnahmen mit dem entsprechenden Überlappungsbereich. Die so aufgenommenen Bereiche entsprechen nun etwa einem 24 bis 26 mm Weitwinkelobjektiv. Wenn diese Bilder mit der Panoramasoftware in der üblichen Art zusammengefügt werden, entsteht ein Bild, das keiner Aufnahme mit einem Weitwinkelobjektiv entspricht. Grund hierfür ist, daß die Kamera zwischen den drei Aufnahmen gedreht wurde und die äußeren - rechte und linke Einzelbilder - Bildteile viel weiter von der Aufnahmeebene entfernt liegen, als der Bereich der mittleren Aufnahme. Die äußeren Bildteile werden dann entsprechend kleiner abgebildet. Die obere und untere Kante eines Hauses beispielsweise wird dann nicht als gerade Kante abgebildet, sondern ist durchgebogen. Mit einer guten Panoramasoftware ist dies allerdings leicht zu korrigieren. Hier kann im Programm eingestellt werden, ob die Aufnahme als "echtes" Panorama wiedergegeben werden soll oder ob die Berechnung einer Weitwinkelaufnahme gewünscht wird. Beide Möglichkeiten haben ihren Reiz. Für Gruppen- und Architekturaufnahmen ist die Weitwinkeleinstellung meist die optisch vorteilhaftere Lösung.



Insgesamt gesehen sind die Möglichkeiten und Ergebnisse von Digitalkamera, in Verbindung mit einer Panoramasoftware hervorragend. Probieren geht natürlich auch hier über studieren und eventuell sind einige Versuche notwendig, bis das Bild der Panoramaansicht entspricht. Vor zehn Jahren, in nichtdigitalen Zeiten, mußte man die einzelnen fertigen Photos noch zusammenkleben. Die Übergangsbereiche waren jedoch trotzdem noch zu sehen. Heute erledigt dies die Panoramasoftware vollautomatisch. Mit ein bißchen Übung gelingen Aufnahmen, die jeden zu begeistern verstehen.



Mit der Digitalkamera photographiertes Motiv: das Panorama wurde mit der Panorama-Funktion der Kamera aus mehreren Einzelbildern zu diesem Traumbild zusammengefügt.
Leer

 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2004

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