Teleobjektive - Distanzen überbrücken und Szenerien verdichten

Möchte man die Stärken von kompakten System- und Spiegelreflexkameras, die oftmals beim Kauf im sogenannten Kit – also Kamera plus Objektiv – angeboten werden, für sich nutzen, dann sollte man sich mit der Objektivthematik auseinandersetzen. Unterschieden wird hier zwischen Normal-, Weitwinkel-, Makro- und Teleoptik. Letztgenannte gibt es mit Brennweiten ab 150 mm bis über 600 mm, die dann als Superteleobjektive bezeichnet werden. Unerwähnt bleiben sollten nicht die Spiegeltele, auch als Katadiopter bezeichnet, die innerhalb der Teleobjektive eine Sonderstellung einnehmen. Aufgrund eines durch (in der Mehrzahl der Fälle) sphärische Spiegel zweifach geknickten Strahlengangs liegt die Baulänge von Spiegellinsenobjektiven typischerweise bei nur etwa einem Drittel bis einem Fünftel ihrer effektiven Brennweite. Die durch die Spiegel bedingt auftretenden Bildfehler werden durch die im Strahlengang angeordneten Linsen (Bildfeldebnungssystem) korrigiert. Hinsichtlich des inneren Aufbaus bestehen vielerlei Varianten.

Benita Schmitz, Ein echter Star, Blende-Fotowettbewerb
Benita Schmitz, Ein echter Star, Blende-Fotowettbewerb

Leichte Teleobjektive gehören zur Grundausstattung

Mit Teleobjektiven lassen sich Distanzen überbrücken und Motive verdichten. Sie finden ihren Einsatz beispielsweise in der Streetfotografie ebenso wie in der Tier- oder Sportfotografie. Wenigstens im Besitz eines leichten Teleobjektivs sollte jeder sein, der mit einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera unterwegs ist. Ist das Steckenpferd die Tier- oder Sportfotografie, dann sind längere Brennweiten anzuraten. Um für sich die bestmögliche Brennweite in Erfahrung zu bringen lohnt es sich, den Fotofachhändler aufzusuchen. Immer mehr von ihnen bieten inzwischen auch die Option, sich Objektive für den Praxistest gegen Gebühr ausleihen zu können.

Größere Brennweiten – Leistungsfähige AF und intelligente AF-Automatik von Vorteil

Je größer die Brennweite von Teleobjektiven ist, mit denen sich wie bereits ausgeführt nicht nur Entfernungen überbrücken lassen, sondern sehr enge Bildwinkel gewählt werden können, desto herausfordernder ist die Fokussierung. Übung macht hier den Meister. Verfügt man über die praktische Erfahrung, dass kleinste Bewegungen von Motiv und Kamera ausreichend sein können, dass sich das bildbestimmende Objekt nicht mehr dort befindet, wo man es haben möchte oder es sich sogar außerhalb des Sucherfelds befindet, dann weiß man, wie man bestmöglich darauf reagieren sollte. Herausfordernd auf die Fokussierung wirkt sich gerade bei Teleobjektiven mit langer Brennweite aus, dass Strukturen mit zunehmender Vergrößerung für das AF-Modul immer schlechter zu erkennen sind. Hier sind all jene Fotografen im Vorteil, die über einen leistungsfähigen AF und eine möglichst intelligente AF-Automatik verfügen. Je größer die Brennweite ist, desto ratsamer ist der Einsatz eines Stativs. Ist keins zu Hand, dann sollte man die Kamera auflegen.

Jürgen Laudi, Wer bremst, hat verloren, Blende-Fotowettbewerb
Jürgen Laudi, Wer bremst, hat verloren, Blende-Fotowettbewerb

Teleobjektive und Mindestabstand

Wird mit einem Teleobjektiv fotografiert, so heißt es als Fotograf, einen Mindestabstand zum Motiv einhalten zu müssen, um es vollständig abzubilden. Je nachdem, was für ein Teleobjektiv zum Einsatz kommt, muss der Abstand zum Motiv bei einem normalen Teleobjektiv bei über einem Meter und bei Superteleobjektiven sogar zwischen vier und sieben Metern liegen.

Teleobjektive und sichtbarer Schärfentiefenbereich

Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Hat man jedoch zwei Bildelemente auf die es ankommt, so müssen diese nah beieinanderliegen, sollen sie beide scharf abgelichtet werden. Gestalterisch überaus interessant ist jedoch auch die Darstellung von unterschiedlich weit entfernten Bildelementen, die proportional nicht all zu unterschiedlich abgebildet werden. Die Aufnahmen wirken durch ihre zweidimensionale Anmutung sehr plakativ. Bei der Bildbetrachtung ist man der Auffassung, dass die Bildelemente recht nah zueinander stehen – in Wirklichkeit waren sie mehrere Meter weit auseinander.

Mit Teleobjektiven, und das sollte man bei der Bildgestaltung immer berücksichtigen, werden Motive getrennt, also losgelöst, von ihrer Umgebung abgelichtet. Das Motiv steht sozusagen allein im Raum, man kann es keiner Situation zuordnen. Das hat zur Folge, dass vielfach ein distanzierter, bisweilen unrealistischer Eindruck beim Betrachter zurückbleibt. Die große Kunst besteht mitunter darin, dies zu vermeiden.

Willi Heinrich, Sportfotograf, Blende-Fotowettbewerb
Willi Heinrich, Sportfotograf, Blende-Fotowettbewerb

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: Der Stratschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen. Weitere Informationen: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende/blende-2017-startschuss-zur-43-runde-gefallen-10010700

Fotografieren in der Praxis 05 / 2017

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1 Kommentare

"Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt." Das trifft auf das Starenbild absolut nicht zu. Das Ast-Gewirr lenkt vom wichtigsten Motiv-dem Star viel zu sehr ab. Der Blick wird immer wieder von rechts nach links auf die Äste gelenkt, unnötig...

Lutz Klapp

von Lutz Klapp
31. Mai 2017, 17:48:31 Uhr

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