Tierfotografie - Beim Autofokus trennt sich die Spreu vom Weizen

„Blende“ gewährt mit den zigtausenden eingereichten Wettbewerbsbeiträgen zu den thematischen Vorgaben Einblicke in die Schaffenskraft von Fotoamateuren. Ein beliebtes Fotosujet ist die Tierfotografie. Hier sind wahre Meister am Werk wie der „Blende 2017“-Teilnehmer Roland Hank. Seine beiden Wettbewerbsbeiträge „Steinadler“ und „Schleiereule“ zeigen anschaulich, auf welch hohem Stand sich die Amateurfotografie befindet und wie sehr die neuesten Kamera-Innovationen mit dazu beitragen, solch tierisch starke Momente einzufangen.

© Fotograf: Roland Hank, Schleiereule, Blende-Fotowettbewerb
Roland Hank, Schleiereule, Blende-Fotowettbewerb

Bekannt ist, dass Tierfotografen über Geduld, Ausdauer und Beobachtungsgabe verfügen müssen. Kenntnisse über das zu fotografierende Tier sind ebenso unerlässlich, lässt einen dies doch tierisches Verhalten voraussehen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines fotografischen Volltreffers. Geht es darum, einen Steinadler beziehungsweise eine Schleiereule so bildwirksam in Szene zu setzen, dann ist auch entsprechendes Fotoequipment notwendig. Beide Aufnahmen entstanden mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 300 mm f/2.8 L IS USM Objektiv, jeweils bei offener Blende von f/2.8.

Roland Hank entschied sich bewusst für ein mittleres Teleobjektiv mit einer Brennweite von 300 mm. Mit diesem lassen sich Distanzen wunderbar überbrücken und die Fokussierung ist etwas einfacher als mit Superteleobjektiven. Mit Teleobjektiven lassen sich zudem auch sehr enge Bildwinkel wählen. Das Herausfordernde, so auch der „Blende“-Teilnehmer Roland Hank, ist die Fokussierung. Bei solchen Tier-Aufnahmen ist der Autofokus der Kamera natürlich ein entscheidender Faktor bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Aber auch als Fotograf ist man gefragt, die vielseitigen Fokuseinstellungen richtig zu konfigurieren und das Tier ständig im Fokus zu halten.

Die Konfiguration des Autofokus ist natürlich vielfältig und von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Roland Hank kann deshalb jetzt nur von Canon sprechen. „Bei bewegten Objekten wie in der Tierfotografie ist ein gut funktionierender Nachführ-Autofokus sehr wichtig, der sogenannte AF-C Modus, bzw. bei Canon nennt sich das AI-Servo. Dieser Modus sorgt dafür, dass die Schärfe möglichst schnell nachgeführt wird, wenn ein Motiv sich auf den Fotografen zu bewegt. Eine weiter wichtige Eigenschaft ist das Tracking von Motiven die sich innerhalb des Bildausschnittes bewegen, um immer den richtigen Autofokus Punkt zu wählen. Bei den aktuellen Canon 1er, 5er und 7er gibt es dafür 6 vorkonfigurierte Einstellungen für unterschiedliche Situationen.“

© Fotograf: Roland Hank, Steinadler, Blende-Fotowettbewerb
Roland Hank, Steinadler, Blende-Fotowettbewerb

Für Vögel im Flug verwende Roland Hank in der Regel den “Case 2: „Motive weiter verfolgen, Hindernisse ignorieren“ und alle Autofokus Felder mit Vorauswahl des Start-Feldes. Dieses vorausgewählte Autofokus Feld liegt z.B. auf dem Vogel so lange er noch ruhig sitzt, das sorgt dafür, dass der Fokus schon mal an der richtigen Position startet. Nach dem Abheben sorgt dieser Modus dafür, dass der Fokus für den Vogel nachgeführt wird ohne sich von Hindernissen irritieren zu lassen. Das führt in meinem Fall zu recht guten Erfolgsquoten ist aber sicher Übungssache. Wichtig ist zudem, sich nicht nur ausschließlich auf das Tier zu konzentrieren, sondern auch den Hintergrund und das Licht im Auge zu haben.“

Wird mit einem Teleobjektiv fotografiert, muss der Fotograf einen Mindestabstand zum Motiv einhalten, um es vollständig abzubilden. Je nachdem, was für ein Teleobjektiv zum Einsatz kommt, muss der Abstand zum Motiv bei einem normalen Teleobjektiv bei über einem Meter und bei Superteleobjektiven sogar zwischen vier und sieben Metern liegen. Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2017

3 Kommentare

Beide Aufnahmen sind super. So ein Motiv muss man erst mal hinkriegen. Über die Bildschärfe und Aufnahmequalität lässt sich streiten und nicht jeder kann sich eine Luxuskamera leisten, die höchsten Ansprüchen genügt. Die Vögel warten leider nicht, damit man die Aufnahme wiederholen kann ...

A.H.

von A.H.
24. November 2017, 10:06:00 Uhr

Ich persönlich finde ja die beiden Aufnahmen super. Das muss man erstmal so einfangen.

Kurt

von Kurt
23. November 2017, 16:18:26 Uhr

Die Aufnahme-Qualität der hier beschriebenen Vögel ist nicht besonders gut. Für heutige Verhältnisse mittelmäßig.

Lutz Klapp

von Lutz Klapp
22. November 2017, 18:25:39 Uhr

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