Tierfotografie: Einfühlsam und authentisch, wie geht das?

Fotografien sind sehr viel mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit. Sie sind auch mehr als eine Momentaufnahme. Fotografen können durch die Wahl des Bildausschnitts, durch das Spiel mit Zeit und Blende ihre Intention an den Betrachter weiterreichen. Dadurch gewinnen Fotografien in vielerlei Hinsicht – es macht sie interessanter, sehenswerter und sie bleiben im Gedächtnis. Ein Beispiel für so eine gelungene Aufnahme ist der „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Beschützt“, eingereicht von Josef Schwarz zur thematischen Vorgabe „Tierische Begegnung“. Er spielt durch seinen perfekt gewählten Bildausschnitt zwischen Zerbrechlichkeit und Schutz durch Stärke.

© Fotograf: Josef Schwarz, Beschützt, Blende-Fotowettbewerb
Josef Schwarz, Beschützt, Blende-Fotowettbewerb

Auch, wenn gerade in der Tierfotografie Fotografen über Geduld und Ausdauer auf dem Weg zum Bilderfolg verfügen sollten, so führt auch bei ihnen der Zufall vielfach Regie. Das Bild „Beschützt“ entstand bei einer Fahrt mit dem Auto durch die Weiten des Addo Elephant-Nationalpark in Südafrika. Plötzlich, so Josef Schwarz, standen beide, Mutter- und Baby-Elefant in einer Entfernung von etwa 25 Meter am Rand des Buschlands. Um diesen Moment festzuhalten, musste es schnell gehen. In diesem Fall ist es gut, wenn man seine Kamera nicht nur griffbereit hat, sondern sie auch zielgerichtet einzusetzen weiß. Hier macht Übung bekanntlich den Meister und das ist auch der Punkt, warum die Fotografie nie langweilig wird.

25 Meter, wie sie Josef Schwarz überbrücken musste, das gelingt nur mit einem Teleobjektiv. Für die Wildlife-Fotografie prädestiniert sind Kameras für Wechseloptik (Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras) mit entsprechender Teleoptik mit Brennweiten ab 150 mm bis über 600 mm, die dann als Superteleobjektive bezeichnet werden. Für welche Brennweite man sich entscheidet hängt auch davon ab, welche Distanzen es zu überbrücken gilt und wie groß die Tiere sind.

Der Umgang mit der Teleoptik will geübt sein, denn je größer die Brennweite von Teleobjektiven ist, mit denen sich nicht nur Entfernungen überbrücken lassen, sondern auch sehr enge Bildwinkel gewählt werden können, desto herausfordernder ist die Fokussierung. Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Hat man jedoch zwei Bildelemente auf die es ankommt, so müssen diese nah beieinanderliegen, sollen sie beide scharf abgelichtet werden.

Tierfotografen tragen insbesondere ihren Motiven gegenüber eine große Verantwortung. Fingerspitzengefühl ist ebenso angesagt, wie Kenntnisse über die Tiere und ihr Verhalten. So ist bei der Begegnung mit Elefantenkühen mit Babys auf das Verhalten der Mütter besonders zu achten. Nur wenn die Lage total entspannt und keine Unruhe seitens der Tiere vorherrscht kann man mit der fotografischen Arbeit loslegen.

Josef Schwarz hat an seinem Motiv das Größenverhältnis fasziniert. Seine Kamera mit schneller Serienbildfunktion garantierte ihm, innerhalb einer Minute zehn Aufnahmen einzufangen aus denen er dann seinen „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Beschützt“ auswählen konnte. Kaum waren die Aufnahmen im Kasten verschwanden Mutter und Kind im Buschwerk.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 01 / 2018

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