Tierfotografie - Murmeltiere vor der Kamera

© Fotograf: Hans Densborn, Murmeltiere auf dem Großglockner, Blende-Fotowettbewerb
Hans Densborn, Murmeltiere auf dem Großglockner, Blende-Fotowettbewerb
Murmeltiere, die unter anderem in Mitteleuropa im Hochgebirge ihren Lebensraum haben, zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Diese Tiere, die übrigens einen Winterschlaf machen, sind tagaktiv – schon mal eine gute Voraussetzung für Fotobegeisterte. Doch Murmeltiere sind extrem scheu. Möchte man sie fotografieren, so sollte man nach Erdlöchern Ausschau halten. Hierbei handelt es sich um ausgedehnte Gangsysteme, welche aus Fluchtröhren und separatem Dauerbau bestehen können. Oftmals ist es jedoch schwierig, diese zu unterscheiden, da nicht jeder Bau fertiggestellt und genutzt wird, zumal auch tote Gänge, die „Toiletten“, vorhanden sind. Viel Geduld muss man aufbringen, wenn man so einen sehenswerten und nicht alltäglichen „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag wie „Murmeltiere auf dem Großglockner“, eingereicht von Hans Densborn zur diesjährigen thematischen Vorgabe „Tierische Begegnungen“, einfangen möchte. Vier Stunden legte sich Hans Densborn in 15 Meter Entfernung zum Bau auf die Lauer, bis er die hier veröffentlichte Aufnahme im Kasten hatte. Um für die Murmeltiere noch unauffälliger agieren zu können, hatte er sein Fotozelt zwischen zwei Felsen versteckt aufgebaut. „Das ist empfehlenswert“ so Hans Densborn, „da Murmeltiere extrem Misstrauisch sind, ihren Lebensbereich dementsprechend penibel prüfen und lange warten, bis sie aus dem Bau herauskommen“. Zum Einsatz kam eine Spiegelreflexkamera Canon Eos 1 DX Mark II und das Canon 400 mm f 2,8 Teleobjektiv. Letztgenanntes war zwingend erforderlich, um die Aufnahmedistanz von etwa 15 Meter zu überbrücken und die Murmeltiere formatfüllend abzulichten. Ratsam ist in jedem Fall der Einsatz eines Stativs – in dem Fall eines Dreibeinstativs, denn es ist nahezu unmöglich, die Kamera beispielsweise vier Stunden ausgerichtet zu halten.

Das passende Fotoequipment für die Wildlife-Fotografie

Für die Wildlife-Fotografie prädestiniert sind, wie vom „Blende“-Teilnehmer Hans Densborn eingesetzt, Kameras für Wechseloptik (Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras) mit entsprechender Teleoptik mit Brennweiten ab 150 mm bis über 600 mm, die dann als Superteleobjektive bezeichnet werden. Klar im Vorteil sind all diejenigen, die über ein aktuelles Kameramodell verfügen. Gerade in Punkto Geschwindigkeit hat sich eine ganze Menge bei der Kamera-Weiterentwicklung getan. Ist man bereits im Besitz einer Kamera die mit dem Features 4K oder 6K ausgestattet ist, so erhöht man damit ebenso die Wahrscheinlichkeit den entscheidenden Moment fotografisch einzufangen wie mit einer sehr schnellen Serienbildfunktion.

Der Umgang mit der Teleoptik will geübt sein, denn je größer die Brennweite von Teleobjektiven ist, mit denen sich nicht nur Entfernungen überbrücken lassen, sondern auch sehr enge Bildwinkel gewählt werden können, desto herausfordernder ist die Fokussierung. Wird mit einem Teleobjektiv fotografiert, muss der Fotograf, einen Mindestabstand zum Motiv einhalten, um es vollständig abzubilden. Je nachdem, was für ein Teleobjektiv zum Einsatz kommt, muss der Abstand zum Motiv bei einem normalen Teleobjektiv bei über einem Meter und bei Superteleobjektiven sogar zwischen vier und sieben Metern liegen. Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Hat man jedoch zwei Bildelemente auf die es ankommt, so müssen diese nah beieinanderliegen, sollen sie beide scharf abgelichtet werden.

Ein Stativ ist dringend anzuraten – es entlastet nicht nur die Hände und Arme sondern beugt Verwacklungen bei langen Brennweiten vor. Kenntnisse über den Serienbildmodus sowie Autofokuseinstellungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf bewegende Tieraufnahmen. Diese Kenntnisse sollte man sich bestmöglich schon im Vorfeld aneignen, denn nichts ist frustrierender, als wenn das Tier in der Position ist, in der man es fotografieren möchte und man es aufgrund von fehlender fotografischer Übung nicht scharf abgelichtet bekommt. Dem RAW-Bildformat ist grundsätzlich der Vorzug zu geben – das setzt allerdings anschließende Bildbearbeitung voraus. Sofern die Kamera bereits darüber verfügt hält man sich alles offen, wenn die Bildaufzeichnung sowohl im RAW- als auch im JPEG-Bildformat erfolgt. Selbstredend gilt es, sich für die höchste Bildauflösung in der Kamera zu entscheiden. Auch das beansprucht – wie die gleichzeitige Aufzeichnung in den Bildformaten RAW und JPEG etwas mehr Speicherplatz. An Ersatzakkus sowie Speicherkarten ist zu denken.

Blende – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: Der Startschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen. Weitere Informationen: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende/blende-2017-startschuss-zur-43-runde-gefallen-10010700

Fotografieren in der Praxis 10 / 2017

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