Tierfotografie - Raupen, diese nimmersatten fotogenen Geschöpfe

© Fotograf: Gerd Trömmler, Im Dill unterwegs, Blende-Fotowettbewerb
Gerd Trömmler, Im Dill unterwegs, Blende-Fotowettbewerb
Raupen sind einzigartige Fotomotive. Während man sie auf dem Weg zum fertigen Bild für sich erobert, wird man schnell feststellen, welche Faszination in vielfacher Hinsicht von diesen kleinen Geschöpfen ausgeht. Aber nicht nur das, denn Fotografien von Raupen sind auch wichtige Botschafter, tragen sie mit dazu bei, Außenstehende für diese Geschöpfe zu begeistern. Das gelingt natürlich umso besser, je imposanter die Aufnahmen sind. Dem „Blende 2017“ Teilnehmer Gerd Trömmler ist mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Im Dill unterwegs“, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Tierische Begegnungen“, eine Aufnahme gelungen, die ein einzigartiger Blickfang ist und die aus dem Bildermeer heraussticht. Ein Selbstläufer ist so eine Aufnahme nicht – einige Hürden galt es zu meistern und bestimmt 80 Mal betätigte Gerd Trömmler den Auslöser.

Aus der Praxis für die Praxis

Neben einer Nikon D5200 mit Objektiv Tamron 90mm f2.8 und einem Polfilter kam als Aufnahmeequipment im heimischen Garten ein Stativ zum Einsatz. Die eigentliche Ausleuchtung übernahm ein 30 cm Reflektor. Vor dem „Raupen“-Shooting machte Gerd Trömmler am Vortag ein paar Probeaufnahmen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Nachbars Hecke verhinderte, dass er am eigentlichen Aufnahmetag während der „Goldene Stunde“ – die bekanntlich das beste Licht für solche Aufnahmen liefert – fotografieren konnte. Die Kamera wurde parallel zur Raupe ausgerichtet. Damit die Konzentration auf das Wesentliche besser gelingt, wurde dürres Geäst vom Dill entfernt. Mit der Sonne kam der Wind – der Feind eines jeden Makrofotografen,weil er in dieser Situation den Dill mit samt Raupe in Schwingung versetzt und es in dieser dann nahezu unmöglich ist, die Schärfe optimal festzulegen. Der Dill musste samt Raupe entsprechend fixiert werden. Zur Kontrastanhebung entschied sich Gerd Trömmler für einen schwarzen Hintergrund (Fotokarton). Da dieser nicht befestigt, sondern während des „Raupen-Shootings“ mit einer Hand von Gerd Trömmler gehalten wurde, war Geschicklichkeit angesagt. „Da ich keinen Assistenten hatte, musste ich den Karton mit der rechten Hand entsprechend so halten, dass die Sonne noch darüber schien. Mit der Linken hielt ich den Reflektor und den Fernauslöser. Super schwierig alles gleichzeitig ruhig und an der richtigen Stelle zu halten. Den Focus hatte ich natürlich vorher manuell eingestellt. Die Wahl fiel auf Blende f18. Durch den Wind kam die Raupe trotz Befestigungsmitteln immer wieder aus dem Focus. Jetzt war Geduld und Ausdauer angesagt. Der Tau verschwand nun auch noch. Da habe ich mit einer Sprühflache noch mal nachgeholfen. So habe ich bestimmt 80 Bilder gemacht, um wenigstens eins auswählen zu können. Zwischenzeitlich experimentierte ich auch noch mit anderen Fotokartonfarben, aber mit Schwarz erschien mir am gelungensten.“

Die Aufnahme wurde anschließend noch minimal mit Nikon’s Capture NX-D bearbeitet. So wurden die Schatten etwas aufgehellt, der Kontrast minimal verstärkt und zudem etwas nachgeschärft. Da das Programm keinen Klarheitsregler hat, wurde der Schärferegler nur wenig bewegt, dafür nun aber der Radiusregler weiter aufgezogen. Hier sollte man, so Gerd Trömmler, mit Bedacht vorgehen und gegebenenfalls mit dem Schwellwert nachjustieren. Dass Ergebnis war schon fast überzeugend – aber eben nur fast. „Manche Bilder öffne ich wegen der Neugierde im Programm COLOR projekts professional und schaue mir einfach die Vorlagen an, die von natürlich bis surreal reichen. Gleich das erste Ergebnis war perfekt und stach mir ins Auge. So habe ich das Ergebnis nur noch übernommen und in die entsprechende Auflösung gepackt.“

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2017

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