Tierfotografie: Es gibt so viele tolle Bilder - Warum sollte der Betrachter ausgerechnet meins länger ansehen?

© Fotograf: Tanja Brandt, David gegen Goliath, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten Tanja Brandt, David gegen Goliath, Blende-Fotowettbewerb
An manchen Tagen sollte man ihm besser nicht begegnen

Alles andere als alltägliche Tieraufnahmen hat Tanja Brandt zu „Blende 2017“ und der thematischen Vorgabe „Tierische Begegnung“ eingereicht. Fotografieren ist ihre Leidenschaft und ihre Tiere sind es für sie auch. Und genau für diese Leidenschaft stehen die eingereichten Wettbewerbsbeiträge. Vertrauen, Ruhe und Geduld sind, so die Fotoamateurin, in der Tierfotografie unerlässlich. Weitere Zutaten sind die Perspektive, kreativ zu sein und den Spaß nicht zu verlieren. Was ihre tierischen Aufnahmen so außergewöhnlich macht ist, dass Tanja Brandt sie von ihren Tieren mitgestalten lässt.

„Es gibt so viele tolle Bilder. Warum sollte der Betrachter ausgerechnet meine länger ansehen,“ fragt sich Tanja Brandt. „Darum muss ich ihn erst einmal „auf mein Bild ziehen“ mit einer interessanten Bildaufteilung (2-Drittel-Regel usw.) und dann beispielsweise mit warmen Farben ein angenehmes Gefühl vermitteln oder mit kalten Farben eine mystische Stimmung hervorrufen. Und für tolle Bilder muss man sich auch in den Dreck legen. „Sauber und ordentlich würde mich wohl kaum einer wiedererkennen.“

Die „Blende 2017“-Teilnehmerin ist bekennende Nikon-Fotografin (D4, D850). Als Fan von Unschärfe und den Fokus immer auf das Wesentliche zu legen, ist ihr Lieblingsobjektiv das Nikkor 300mm, 2.8. Am liebsten fotografiert Tanja Brandt in der Faulheitseinstellung, weil sie sich so voll auf die Tiere konzentrieren kann und auch für ungeplante Aktionen immer gewappnet ist. Und wie sie uns sagte passieren bei Tieren insbesondere bei Eulen mehr ungeplante, als geplante Aktionen. „Eulen machen, was sie wollen und das ist meist nicht viel“ so Tanja Brandt.

„Die Faulheitseinstellung bedeutet“, so Tanja Brandt „ich fotografiere im A-Modus, gehe im Menü über die ISO-Empfindlichkeitseinstellung und dort über die längste Verschlusszeit. Wenn ich so eine kurze Verschlusszeit (für Bewegung) vorgebe, regelt die Kamera alles von alleine, sollten die Tiere plötzlich Aktionen zeigen. Auch bei Wildlife-Fotografie sehr nützlich, weil man ja nie weiß, was passiert. Ein sich sonnender Bussard ist halt einfach ruckzuck weg, wenn man die Kamera auf ihn richtet und mit der Einstellung hat man die Flugbilder auch.“

Fotografiert wird im AF-C (bzw. AI Servo) Modus und der Fokuspunkt tausend Mal während eines Shootings verschoben. Wichtig ist, dass er immer auf den Augen liegt. „Viele sagen, das ginge nicht, aber das bedarf nur ein bisschen Übung (da darf man halt nicht aufgeben) und es klappt sogar bei einem Falken im Sturzflug, so Tanja Brandt.

Tanja Brandt zu ihren Aufnahmen

Eulen sind von Haus aus ziemlich stur, eher faul und natürlich kleine Divas. Man kann ihnen keine Befehle geben. Wenn sie sich wohlfühlen ist alles gut. Gemeinsam haben wir eine Menge Spaß und vergessen meist die Welt um uns herum, wenn ich fotografiere. Tauchen Menschen auf, dann bemerke ich das meist nur an der Reaktion der Tiere, wenn ich durch die Kamera schaue.

Als ich einmal mit unserem Hund Ingo auf Fototour war legte er sich neben den Waldweg. Ich mit der Kamera auf dem Waldweg und Phönix, mein Wüstenbussard, sitzt auf meinem Rücken (sie weiß, dass sie beim Fotografieren still halten muss. Bussarde sind viel schlauer als Eulen). Ingo wurde irgendwann immer nervöser. Fußgänger hatten die Feuerwehr gerufen, weil sie dachten, da läge jemand auf dem Waldweg und wäre vom Bussard erschlagen worden.

Wichtig ist für mich auch, dass die Tiere das Bild selbst gestalten. Ich lasse sie so gut wie möglich die Szene entscheiden oder versuche durch Tricks meine Bildidee umzusetzen. Damit die Tiere eine stolze Haltung haben und/oder der Blick in eine bestimmte Richtung geht, werfe ich kleine Steinchen dorthin. Oder ich suche mir einen langen Ast, mit trockenen Blättern am Ende, mit dem ich heimlich rascheln kann. Apps interessieren Eulen nicht wirklich. Schnalzgeräusche lassen sie auch nicht wirklich reagieren. Bei meinem Hund Ingo geht das einfacher. Einmal sah ich einen umgefallenen Baum und dahinter ging die Sonne unter. Ich rief zu Ingo: geh mal bitte Hopp rauf und er sprang auf den Baum. Seinen Ball warf ich in Richtung Sonne und Poldi, mein kleiner Steinkauz musste auf meine Schulter fliegen. Da Ingo sehr hektisch ist, rief ich immer ganz langsam und tief: “woooooo ist eeeeer? wooooooo ist eeeeer?” – Der Ball natürlich. Alles hat super geklappt und Ingo starrte angespannt und stolz in Richtung untergehender Sonne. Ich fotografierte etliche Bilder und plötzlich knackte es hinter mir. Ich drehe mich um und ein Mann starrte mich mit weit aufgerissenen Augen sowie offenem Mund an und läuft schnell weg. Zunächst dachte ich mir, was hat der denn für ein Problem? Aber genau betrachtet: Da läuft eine mit Eule auf der Schulter und Kamera in der Hand vor Sonnenuntergang auf einem Weg rum und ruft immer: wooooo ist eeeeer?

Wichtig in der Tierfotografie ist, immer kreativ zu bleiben und den Spaß nie zu verlieren. Neue Ideen und jeden Tag dazu zu lernen und auszuprobieren, finde ich sehr wichtig. Ich halte mir Blumen und Blätter vors Objektiv, gehe so tief, dass das Gras die Unschärfen bildet. Ich fotografiere sehr gerne gegen das Licht, nutze gerne Autoscheinwerfer im Hintergrund und Lichtstrahlen. Mit Reflektoren fange ich die Lichtstrahlen im Wald ein. Da ich fast jedes Bild alleine mache, auch die Bewegungsbilder, ist ein Abschatter kaum möglich – da braucht es einen. Wer einmal einen Reflektor mit Stöcken und/oder an Bäumen fixiert hat, der weiß, wie schnell Sonnenstrahlen wandern.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2017

7 Kommentare

Die Bilder von Tanja Brandt sind wie Musik für die Augen.

Susanne Medlock

von Susanne Medlock
16. Dezember 2017, 10:28:16 Uhr

@A. SCHULTNER Tanja Brandt hat seit Jahren eine Riesen Fangemeinde und stetigen Zuwachs. Es werden sich mit Sicherheit auch in Zukunft die Menschen für ihre wunderbare Fotografie interessieren - keine Frage - weil sie sich mit ihren traumhaft schönen Fotos einfach deutlich abhebt.

Nicole Voltz

von Nicole Voltz
14. Dezember 2017, 00:58:57 Uhr

Ohne Zweifel wunderschöne Tierfotos! Wildlife wären solche Fotos selbstverständlich nicht möglich, hier versteht es die Fotografin außerdem, genau den Nerv der Betrachter zu treffen. Jedoch finde ich es vom Veranstalter etwas weit hergeholt, diese Art der (professionellen) Tierfotografie als Beispiel für das gestellte Thema "Tierische Begegnungen" aufzuführen. Diese zweifelsohne interessanten Motive, sprich Schäferhund plus Eulenvögel, werden leider momentan sowieso derart häufig vermarktet und leider auch in sämtlichen Wettbewerben gezeigt, dass sich sowieso in Kürze vermutlich niemand mehr dafür interessieren wird.

A. Schultner

von A. Schultner
02. Dezember 2017, 12:46:08 Uhr

Hallo Leute, liebes Prophoto Team, Tanja Brandt ist ja auch eine richtig gute Profi Fotografin, da sind solche Bilder ja kein Wunder.

Max Scheuerle

von Max Scheuerle
01. Dezember 2017, 18:58:01 Uhr

Auch wenn die Tiere zahm sind, ganz tolle Aufnahmen ! Selten gute Fotografin!

29.11.2017 Karl-Otto Böckler

von 29.11.2017 Karl-Otto Böckler
29. November 2017, 19:30:21 Uhr

Sehr schöner, interessanter und lustiger Artikel! Was mäkelt denn der Herr Klapp herum, soll er's doch erst mal so nachmachen, da wird er vermutlich schnell an seine Grenzen stoßen. Ob zahme Tiere oder nicht - die Fotos sind ganz große Klasse!

Karl Goldhamer

von Karl Goldhamer
29. November 2017, 18:28:26 Uhr

Mich würde doch einmal interessieren, wie die Kreativität bei Wildlife-Fotos wäre? Mit zahmen Tieren ist das nun wirklich keine Kunst!

Lutz Klapp

von Lutz Klapp
25. November 2017, 19:56:43 Uhr

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