Tierfotografie - Vögel vor der Linse, Aufnahmedistanz

© Fotograf: Lutz Klapp, Dompfaff, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Lutz Klapp, Dompfaff, Blende-Fotowettbewerb
Fotografen, die in der freien Natur fotografieren, kommt eine große Verantwortung zu. Bei aller Begeisterung für Motive muss es für sie immer lauten, mit ihren Aktionen der Natur keinen Schaden zuzufügen. Voraussetzung dafür sind ein gesunder Menschenverstand, Fingerspitzengefühl, aber auch Kenntnisse über die Tierwelt und natürlich auch über das Gelände. Fotografen, die sich der Vogelwelt zuwenden, haben mitunter mit extremen Distanzen zu kämpfen. Ein entsprechendes Teleobjektiv kann diese überbrücken helfen. Die Aufnahmedistanz lässt sich aber auch durch Wissen und Lockmaßnahmen verringern. Typischstes Beispiel dafür sind Futterhäuschen, die selbst in den Großstädten mittlerweile Eichelhäher, Spechte und Co. für sich entdecken.

Sitzäste

© Fotograf: Wolfgang Müller, Falke in Ruheposition, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Wolfgang Müller, Falke in Ruheposition, Blende-Fotowettbewerb
Vögel, wie auch andere Tiere und der Mensch, haben Gewohnheiten und dazu gehört der Sitzast. Diesen suchen sie bevorzugt auf, um zu beobachten oder um beispielsweise auch das Federkleid zu reinigen. Bei Wasservögeln sind es meist Äste, die aus dem Wasser ragen oder die an der Wasseroberfläche schwimmen. Für andere Vögel sind es Äste am Schilfgürtel oder beispielsweise in einer Baumallee. Selbst in Steppen – und da sind die Sitzäste überaus rar – sind selbst kleinste Äste überaus gefragt. Erlebt der Fotograf mit wachen Augen die Natur, so wird er schnell die Lieblingsplätze der Vögel für sich erkennen und so den optimalen fotografischen Standpunkt für sich entdecken.

Nistkästen

Wohnungsmangel ist auch bei Vögeln ein ständiges Thema. Da der Mensch immer mehr in die Natur eingreift, sind Vögel, und zwar vom Sperling bis hin zur Eule, auf Nistkästen vom Menschen angewiesen. Fertige Bausätze gibt es im Internet zuhauf und wer beispielsweise über einen Garten verfügt, lockt mit diesen Nistkästen die Vögel nicht nur an, sondern leistet einen großen Beitrag zum Erhalt. Aber auch in Wäldern, auf Friedhöfen sind Nistkästen anzutreffen, die man sich als Fotograf zunutze machen kann. Wichtig ist natürlich, die Vögel während der Brut nicht zu stören – das kann in deren Flucht enden und man hätte ihnen somit geschadet.

Nestbaumaterial

© Fotograf: Klaus Neubauer, Hunger !!!, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Klaus Neubauer, Hunger !!!, Blende-Fotowettbewerb
Vogelnester, wer kennt sie nicht? Jeder von uns hat schon diverse Nester gesehen und weiß somit, was die Zutaten für den Nestbau sind. Sehr beliebt sind beispielsweise bei Staren und Meisen Federn. Dies können wir uns als Fotograf zunutze machen, indem wir den Vögeln Nestbaumaterial zur Verfügung stellen – lohnende Motive vor der Linse sind Ihnen garantiert.

Lockvögel

Sehr viele Tierfotografen bedienen sich sogenannter Lockvögel, die in den wichtigsten Merkmalen mit ihrem Motiv übereinstimmen. Im Internet gibt es eine große Auswahl von Lockvögeln, man kann natürlich auch selbst seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die Lockvögel richtig positioniert bringen dem Fotografen Gänse, Enten, Grünspechte bis hin zum Kuckuck oder beispielsweise Reiher ganz nah vor die Linse, wodurch der Aufnahmeabstand deutlich verringert werden kann.

Klangattrappen

© Fotograf: Lutz Klapp, Gimpel schimpft mit Sperling, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Lutz Klapp, Gimpel schimpft mit Sperling, Blende-Fotowettbewerb
Nichts Neues ist es, dass Vögel, gerade die in der Stadt lebenden, sich Handyklingeltöne mittlerweile zu eigen gemacht haben. Apps gibt es wie Sand am Meer und so ist es nicht verwunderlich, dass auch zahlreiche mit Vogelstimmen angeboten werden. Diese werden intensiv genutzt und dies hat zur Folge, dass Ornithologen Alarm schlagen. So hat man festgestellt, dass ein Missbrauch dieser Apps die Vögel anlockt und sie aus diesem Grund ihren Nachwuchs und deren Fütterung vernachlässigen. Aber auch der Stress kann durch solche Vogelstimmen-Apps für die Vögel so extrem sein, dass sie mit Flucht reagieren.

Im Handel erhältlich sind natürlich auch Vogelstimmen-CDs, aber auch Vogelpfeifen, die zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der entsprechenden Lautstärke eingesetzt, dafür sorgen, Vögel anzulocken – sei es, weil sie neugierig beziehungsweise paarungswillig sind oder den angeblichen Eindringling vertreiben möchten. Wichtig ist es, die Klangattrappen sehr gemäßigt einzusetzen, denn ansonsten verschreckt man eher den Vogel.

Wassertränken, Futter, Vogelhäuschen

© Fotograf: Nico Sonnabend, Abflug..., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Nico Sonnabend, Abflug…, Blende-Fotowettbewerb
Gerade in trockenen Gebieten sind Wassertränken ein probates Mittel, den Aufnahmeabstand zu verkürzen. Der große Vorteil von Wassertränken ist, dass die Instandhaltung unkompliziert ist und der Fotograf das natürliche Verhalten von Vögeln einfangen kann. Die Wassertränke sollte natürlich so aufgestellt sein, dass sie Vögel schützt also beispielsweise in der Nähe eines Dickichts.

Vögel lassen sich natürlich auch mit Futter anlocken, erst recht dann, wenn sie ihre Nestlinge zu versorgen haben. Wichtig ist es, behutsam vorzugehen, denn man sollte nicht zu stark in das Leben eingreifen. Eine regelmäßige Fütterung führt zu einer Gewöhnung und den Vögeln fällt es dann schwer, Ersatz zu finden. Fütterung von Wildvögeln sollte gut überlegt sein, denn der Fotograf sollte natürlich vorrangig das Wohl der Tiere im Blick haben. Wichtig ist natürlich auch das richtige Futter und beispielsweise die Vogelhäuschen so aufzustellen, dass sie mit keinen Gefahren verbunden sind. Die Verwendung von lebenden Ködern hat keinen guten Ruf, dennoch sollte man dieses Thema, unserer Ansicht nach, nicht unter den Tisch fallen lassen. Gerade im Wald lebende Vögel, die auch noch ihre Jungen zu versorgen haben, sind mit Tau- und Mehlwürmern zu begeistern. Nach wenigen Tagen ist einem der Erfolg als Fotograf gewiss.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2014

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3 Kommentare

Vogelhäuschen sollten schon etwas geschützt und auch nicht in die pralle Sonne gehängt werden. Gruß Theo

von Theo
29. Mai 2014, 20:26:05 Uhr

Hallo R.H., ...das erscheint mir nicht so wichtig. Wichtig ist, das nicht Fressfeinde wie Katzen an das Einflugloch gelangen. Gruß Lutz

von Lutz Klapp
29. Mai 2014, 17:40:28 Uhr

Fotos von Vögeln sind aufregend und schön. Dazu die Frage: Sollten Vogelhäuschen bzgl. des Einflugloches in eine bestimmte Himmelsrichtung ausgerichtet sein? R.H.

von Hambusch
21. Mai 2014, 10:58:34 Uhr

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