Tierfotografie - Wie man eine Kuh ins Bild setzt

© Fotograf: Sebastian Frölich, Walchensee, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Sebastian Frölich, Walchensee, Blende-Fotowettbewerb
Schaut man sich so bei Facebook & Co. um, dann gibt es kaum Zweifel daran, dass Katzen offenbar die meist fotografierte Tiergattung überhaupt sind. Aber Katzen sind ja nicht alles, es gibt noch andere Tiere, die zumindest auf dem Land fast an jeder Ecke anzutreffen sind und die auf Fotos auch etwas hermachen. Ein Beispiel dafür sind Kühe – sie liefern nicht nur Milch und Steak (für die, die’s mögen), sondern auch wunderbare Fotomotive. Es gibt übrigens Fotografen, die sind auf das Ablichten von Kühen spezialisiert, aber das nur am Rande.

Eine Kuh beim Grasen oder Wiederkäuen ist im Vergleich zu anderen Tieren recht einfach zu fotografieren. Zumindest bewegt sie sich dabei nicht so schnell, wie das Hund, Katze, Karnickel oder Löwe machen. Voraussetzt, der Löwe döst nicht im Schatten, dabei wäre er im Gras ohnehin nur schwer zu sehen.

© Fotograf: Agnes Lehmann, Vorpommern  - das Land der glücklichen Kühe, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Agnes Lehmann, Vorpommern – das Land der glücklichen Kühe, Blende-Fotowettbewerb
Kühe sind, das vorneweg, keine Kuscheltiere. Zumindest sollte man sie nicht dafür halten, wenn man sie nicht kennt, von Ochsen und Stieren ganz zu schweigen. Um letztere sollte man immer einen Bogen machen, idealerweise durch einen Zaun getrennt. Aber auch Milchkühe können einfach mal losrennen. Der vorausschauende Fotograf ist vorsichtig, hält Abstand und irrt für ein tolles Foto nicht auf der Weide rum. Selbst bei Nahaufnahmen ist es besser, einen Zaun zwischen Fotograf und Kuh zu haben. Kühe sind übrigens deutlich gefährlicher als Haie, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Mit entsprechenden Zoom- beziehungsweise Teleoptiken lassen sich Entfernungen überbrücken, dazu gleich mehr.

© Fotograf: Herman Hemmen, Kühe, Photoglobus
© Fotograf: Herman Hemmen, Kühe, Photoglobus
Wie also fotografiert man eine Kuh so, dass sie auch nach was aussieht? Das Hauptproblem bei Nutztieren ist meistens der Hintergrund. Landwirtschaftliche Gerätschaften, ein Schuppen oder Stall, eine Straße im Bild ist nichts, was ein Foto von einer Kuh besser macht. Aber wie bekommt man so etwas wirkungsvoll aus dem Bild? Die einfachste Möglichkeit ist natürlich, einfach mal den Standort zu wechseln. Wenn auf der einen Seite der Weide die Zivilisation im Hintergrund ist, kann es ja schon helfen, einfach die Seite zu wechseln. Das ist natürlich zu einfach, um wirkungsvoll zu sein, denn wer sagt, dass die Kühe auch mitgehen und der Fotograf so zu einem besseren Bild kommt? Geduld kann helfen, aber natürlich nicht immer. Wenn das Rindvieh nicht will, dann bleibt es einfach dort stehen, wo es der Fotograf weghaben will. Es ist übrigens keine gute Idee, Kühe dazu zu bewegen, den Standort zu wechseln. Denn im Zweifelsfall lässt sie sich zwar vertreiben, allerdings merkt die Kuh sich dann auch sehr genau, wer sie vertrieben hat und hält fortan Abstand. Das war es dann mit dem guten Bild vom anderen Ende der Weide.

© Fotograf: Herman Hemmen, Wo bleibt denn der Frisör?, Photoglobus
© Fotograf: Herman Hemmen, Wo bleibt denn der Frisör?, Photoglobus
Es gibt ein paar Tricks, das Vieh dort zu lassen, wo es ist, und trotzdem ein ansehnliches Bild zu bekommen. Möchte man weniger Hintergrund im Bild haben, empfiehlt es sich, den Bildwinkel zu verkleinern. Und das leistet ein Teleobjektiv beziehungsweise entsprechende Zoomoptik. Damit kann sich der Fotograf dann schon einmal auf das Hauptmotiv konzentrieren. Wer sagt eigentlich, dass eine Kuh immer ganz im Bild sein muss? Gerade mit einem Teleobjektiv ist es leicht, einen Ausschnitt zu fotografieren, also beispielsweise den Kopf auf einer Seite so anschneiden, dass zwar beide Augen drauf sind, aber nicht unbedingt beide Ohren. Wenn die Kuh nicht ganz frontal aufgenommen wird, bildet dann auf einer Seite der Körper einen perfekten Hintergrund.

© Fotograf: Heinz Osbahr, Kühe auf der wiese, Photoglobus, Blende Fotowettbewerb
© Fotograf: Heinz Osbahr, Kühe auf der wiese, Photoglobus, Blende Fotowettbewerb
Wer übrigens mit einem Teleobjektiv an der Weide steht und wartet, bis eine Kuh perfekt steht, der wird ein Einbeinstativ schon nach ein paar Minuten zu schätzen wissen. Ein Teleobjektiv bringt noch den zusätzlichen Vorteil, dass eine möglicherweise tief stehende Sonne insgesamt weniger Teile um das (begrenzte) Hauptmotiv herum grell anstrahlt. Wobei auf der Wiese im Idealfall die Sonne flach seitlich auf die Kuh scheinen sollte, damit das Fell etwas mehr Glanz erhält. Bei frontaler Beleuchtung entfällt dieser Effekt.

Und wenn die Kuh jetzt ganz nah am Zaun steht? Dann ist der Griff zum Weitwinkelobjektiv angebracht. Je weiter, desto besser. Langweilige Bilder kann ja jeder machen, wieso also nicht einmal mit einem extremen Weitwinkelobjektiv ganz nah ran ans Motiv, an die Kuh? Ein extremes Weitwinkel sorgt für Verzerrungen, klar, aber das ist nun einer der Fälle, bei dem eine solche Verzerrung bewusst eingesetzt werden kann. Wenn das Rindvieh nicht so möchte wie der Fotograf und noch zu weit entfernt ist, dann kann man auch versuchen, mit einer Hand am ausgestreckten Arm ein Foto zu machen. Vielleicht auch von schräg unten, dann löst sich auch gleich das Problem mit dem Hintergrund wieder von selbst.

Ein Fallstrick lauert noch bei der Belichtung. Schräg stehende Sonne, vielleicht mit einem Weitwinkelobjektiv fotografiert: Es besteht die Gefahr, dass die Kamera sich von der hellen Umgebung irritieren lässt. Dann wird die Kuh einfach zu dunkel. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt die Spotmessung seiner Kamera, bei der Teleaufnahme kann auch eine mittenbetonte Messung das Mittel der Wahl sein. Und weil RAW-Aufnahmen auch bei nicht ganz richtig belichteten Bildern immer noch ein wenig Reserven bieten, sollte dieser Modus gewählt werden.

Wenn bei einer Weitwinkelaufnahme dann einiges an Himmel im Bild ist, muss der ja nicht unbedingt in einem mittleren Blau völlig bedeutungslos sein. Ein Polfilter ist auch hier das Mittel der Wahl, mit dem sich das Blau des Himmels abdunkeln lässt. Allerdings muss dann darauf geachtet werden, dass der Vordergrund, in diesem Fall also die Kuh, nicht zu dunkel wird. Es gilt, die Balance zu finden, dass keine wichtigen Bildteile unter- oder überbelichtet werden. Im Zweifelsfall muss man sich hier für das Hauptmotiv entscheiden.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2015

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